Starke Frau: Die Geschichte der 85-jährigen, elffachen Mutter Maria Imorde
EMSDETTEN Wer zwischen sechs Mädchen und vier Brüdern aufwächst, muss eine starke Persönlichkeit sein. Wer elf Kinder groß zieht, muss eine starke Mutter sein. Maria Imorde ist eine starke Frau. Ihr langes Leben ist eine starke Geschichte.
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Es gab einen kurzen Moment, der dem Leben der heute 85-Jährigen eine schicksalhafte Wendung hätte geben können.
Mit 17 nach Münster
1942 kehrte Maria Imorde von einem großen Abenteuer zurück ins Münsterland. Sie war damals 17 und hatte drei Monate in Berlin verbracht. Ihre größte Leidenschaft trieb sie in die noch vom Krieg verschonte Hauptstadt: der Sport.
"Beim Reichsbund für Leibesübungen habe ich eine Ausbildung zum Sportlehrer und Übungsleiter gemacht", sagt Maria Imorde. Die Metropole Berlin war eine außergewöhnliche Erfahrung. "Ich war ja sonst immer zuhause in Emsdetten", sagt sie.
"vielleicht nie wieder lebend zurück gekommen"
Zurück in der Heimat trieb das drittälteste von elf Kindern ein Wunsch: als Sportlehrerin in den so genannten Aufbaugebieten zu arbeiten. Aber ihre Eltern weigerten sich, den Antrag zu unterschreiben. "Hätten sie unterschrieben, wäre ich vielleicht nie wieder lebend zurück gekommen", sagt Maria Imorde heute.
Denn die Aufbaugebiete lagen vorwiegend in Osteuropa - den Regionen, in denen der Krieg am heftigsten tobte. Sie blieb in Emsdetten - den langen Arm des Zweiten Weltkriegs bekam sie aber auch hier zu spüren. Ihr ältester Bruder Heinrich fiel in Russland. Beim Sonntagsspaziergang mit ihrer Familie wurde Maria Imorde Zeugin, wie am Horizont "Münster platt gemacht wurde". "Das war ein einschneidendes Erlebnis", sagt sie. Nur 100 Meter vor ihnen stürzte damals ein abgeschossenes englisches Flugzeug auf einen Acker.
Feuerwehr im KriegDeprimierende Erlebnisse - aber in Depressionen zu verfallen, war Maria Imorde stets fern. Sie packte mit an, war bei der Feuerwehr verpflichtet und half zu löschen, als auch Emsdetten im Frühjahr 1945 angegriffen wurde.
Nach dem Krieg - die Turnhallen Emsdettens waren voll mit Flüchtlingen - heiterte sie als Mitglied des Singkreises die Heimatlosen mit Liedern auf. Dort lernte sie ihren Ehemann Paul kennen. 1949 heirateten sie in St. Pankratius - neun Monate später kam die erste Tochter zur Welt. Bis zum Jahr 1965 folgten sechs Jungen und vier Mädchen.
Aus allen Kindern ist etwas geworden
Mit Worten wie diesen will sie nicht angeben, sondern ihre Erleichterung zeigen. Denn die Last der Verantwortung musste Maria Imorde lange alleine schultern. Mit nur 54 Jahren starb ihr Mann an Leukämie - damals wohnten noch acht Kinder daheim.
Pionierarbeit in der Frauengymnastik
"Ich weiß es selbst nicht mehr, wie ich das geschafft habe. Ich habe morgens um fünf angefangen und abends aufgehört." Um ihre Familie finanziell durchzubringen nutzte sie ihre Leidenschaft, die nach dem Krieg lange brach lag: den Sport.
Seit 1953 leitet sie Gymnastikkurse für Frauen. "Ich war damals eine Pionierin. Es gab ja sonst keine Sportangebote für Frauen", sagt Maria Imorde. Bis heute ist sie nicht müde geworden, gibt vier Sport-Kurse in der Woche.
Kraft für sich und andereObwohl sie viel Kraft für die Bewältigung ihres eigenen Lebens aufbringen musste - Maria Imorde engagierte sich auch immer für andere. 1965 wurde sie Mitglied der CDU - war fünf Jahre lang Vorsitzende der Frauenunion. Acht Jahre engagierte sich die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes als Schöffin beim Jugendgericht Rheine.
Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentags sagt sie: "Es wird Zeit, dass Mütter die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Nicht nur Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollten mit einem Verdienstkreuz geehrt werden."Starke Worte einer starken Frau.




















