TWE-Entwicklung: Dieser Teppich soll gegen die US-Ölpest helfen
EMSDETTEN Ein Material, das Öl aufsaugt aber Wasser abstößt. Genial! Damit könnte die Küste Floridas gerettet werden. Eine Ölpest wird weggesaugt. Wie von einem intelligenten Schwamm, der nur das "schwarze Gold" frisst. In Emsdetten ist ein solcher Schwamm entwickelt worden. Es ist ein Vliesstoff von TWE, der in Verbindung mit einer Aktivsubstanz zum Hoffnungsträger werden könnte.
Carsten Otte, Gesamtvertriebsleiter der TWE-Group, mit einem Vlies, wie er in Emsdetten produziert wird. (Foto: Ralf Schacke)
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"Diese Aktivsubstanz wurde von unserem Partner, dem High-Tech-Unternehmen HeiQ in der Schweiz entwickelt", sagt Carsten Otte, Gesamtvertriebsleiter der TWE-Group (Textil-Werke Emsdetten), als er im Gespräch erzählt, dass bereits Vertreter des amerikanischen Militärs nach Deutschland gereist waren, um die Wirkung der Marktneuheit in Augenschein zu nehmen.
"Der Vliesstoff ist eher ein schwerer Vliesteppich, wenn er mit der ölfreundlichen und wasserabstoßenden Chemikalie getränkt worden ist." Passieren soll das im Rahmen einer Großproduktion in Emsdetten bei TWE an der Hollefeldstraße.
Der Großversuch
Dort soll zuerst ein Strandabschnitt mit den Vlies-Teppichen ausgelegt werden. "Wir produzieren fünf Meter breite Bahnen, die mit Hilfe von Baggern an den verseuchten Stränden ausgelegt werden." Funktioniert das System, unendliche Aufträge wären der TWE-Group mit ihren Partnern sicher: "Die Küste auslegen, das wäre nur ein erster Schritt. Wir werden dann in einem zweiten Schritt testen, wie sich der Vlies auf dem Wasser verhält, später auch schauen, bis zu welcher Wassertiefe er funktioniert", weiß Otte.
Er ahnt, welch riesiger Weltmarkt sich damit auftun würde. Auch deshalb dreht sich in seinem Haus gerade alles um Musterschutz und weltweite Patentrechte. "Darum schirmen wir Produktion und Versuchsanlage ab. Erst am Donnerstag können wir vielleicht bekannt geben, wie es weiter geht."
25.000 Quadratmeter am Tag
Aber Carsten Otte ist ebenso wie seine Kollegen aus der Entwicklungsabteilung optimistisch, dass sich dem Versuch die Produktion anschließen wird. In der Theorie läuft sie schon: "25.000 Quadratmeter von dem Vlies könnten wir pro Tag herstellen. Auf einer Anlage. Davon haben wir neun, neben der Möglichkeit, an unseren anderen vier Standorten zu produzieren." Schließlich müsse TWE auch Stammkunden und den Vertragspartnern gerecht werden.
Von amerikanischer Seite sei bereits signalisiert worden, für den Transport des Stoffs, der die Ölkatastrophe beenden könnte, umgehend zu sorgen. Dieses logistische Problem werde man lösen.
In Florida wird es ernst
Wie lange wird bei TWE und HeiQ an der Oilguard-Technologie geforscht? Otte betont, dass es gar nicht so ungewöhnlich sei, Stoffe mit Flüssigkeiten zu behandeln, um bestimmte Eigenschaften zu gewinnen: "Die Öljacke ist ein gutes Beispiel aus der Praxis."
In diesem Fall habe man allerdings versucht, das Gegensätzliche zu erreichen: "Wir haben Öl abweisend ins Gegenteil verkehrt." Ziel war ein Stoff mit hydrophoben Eigenschaften - so der Fachbegriff -, der gleichzeitig Öl absorbierend sein muss. Im Labor ist das gelungen. Nach dem geglückten Großversuch wird´s ernst in Florida.

















