Sintflut-Regen: Reißender Mühlenbach, Gräber sacken ab
EMSDETTEN DIe Hochwasserlage in Emsdetten spitzt sich am Freitagmorgen dramatisch zu. Nach mehr als 100 Einsätzen in der Nacht droht jetzt der Mühlenbach über die Ufer zu treten - mit verheerenden Folgen. Am Friedhof Hemberger Damm sacken die Gräber ab und Grabsteine kippen um.
Mit Folie und Sandsäcken hat die Feuerwehr am Mühlenbach einen Damm konstruiert. (Foto: Christian Busch)
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Auf dem Friedhof Hemberger Damm spielen sich schlimme Szenen ab. nach Auskunft des Friedhofsgärtners ist der Boden hier so aufgeweicht, dass viele Gräber absacken und Grabsteine umstürzen.
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" So etwas habe ich noch nicht erlebt“, schüttelt Dieter Rengers in einer Atempause den Kopf – und blickt mit sorgenvoller Miene auf den Mühlenbach, der immer weiter ansteigt. 160 Liter pro Quadratmeter, schätzt Emsdetteners Feuerwehr-Chef, sind am Abend und in der Nacht über Emsdetten niedergegangen.
Häuser vor Einsturz gesichert
Rund 100 Einsätze musste die Feuerwehr fahren, Häuser vor drohenden Wassereinbrüchen schützen, pumpen, wo das schon zu spät war. „Ein Haus haben wir mit vier Pumpen gesichert“, erzählt Rengers. Besonders in Westum hatten die Anwohner mit dem Wasser zu kämpfen, auch im Biekmeresch war die Lage alles andere als rosig. Schon am Abend hatte es Probleme an der Kleinen Schweiz gegeben, die Straße wurde teilweise überflutet. Auch entlang dem Grevener Damm und der Blumenstraße musste Wasser aus den Untergeschossen gepumpt werden. Am Morgen war es – vermutlich infolge von Wassereinbruch – zu einem kleinen Kokelbrand im Goldenen Ring gekommen.
Damm ist aufgeweicht
„Um fünf Uhr waren meine Leute total platt, die meisten mussten erst einmal nach Hause“, berichtet Dieter Rengers. Hilfe von Feuerwehren aus Elte und Neuenkirchen wurde gerufen – und die war auch dringend nötig, wie sich am Freitagmorgen zeigte: „Der Mühlenbach steigt dermaßen schnell, dass wir hier echte Probleme kriegen“, wies Rengers die Kollegen aus Elte ein. In der Nacht noch war der Pegel gesunken – die Erleichterung aber nur von kurzer Dauer: In Höhe Getränke Tecklenborg war ein Damm aufgeweicht, das Wasser auf eine Wiese gelaufen. Gegen 8 Uhr allerdings war die Wiese voll gelaufen – der Pegel des Mühlenbaches stieg rasant an.
Mariengarten
„1600 Einsatzkräfte pumpen gerade den halben Kreis Steinfurt leer“, sagt Rengers. Das Wasser gelangt in die Kanalisation, dann in die Flüsse – das führt zu dem Anstieg. Schnell konzentrierte sich die Feuerwehr auf zwei Einsatzschwerpunkte: Im Mariengarten lief die Straße voller Wasser. Um die Häuser zu schützen, legte die Feuerwehr Rohrleitungen, pumpte das Wasser in Gullys in der höher gelegenen Marienstraße.
Fotostrecke Wasserflut in Emsdetten
Dramatisch entwickelt sich gegen 9.30 Uhr die Lage in Höhe des Aldi-Marktes am Hagenkamp: Hier sucht sich der Mühlenbach seinen Weg, überflutet einen Garten. Das Wasser steht beinahe bis an die Hauswand, der sonst sanft plätschernde Bach mutet wie ein reißender Fluss an. „Das gibt´s doch gar nicht“, sagt Rengers.Sandsäcke, Sandsäcke
Mit vereinten Kräften befüllen die Feuerwehrleute Sandsäcke, die Firma Wolters rückt dafür mit großen LKW voller Sand und schwerem Gerät an. Der Plan: Die Feuerwehr verlegt eine wasserdichte Folie am Wasserrand, beschwert sie mit Sandsäcken und klappt die Folie dann in Richtung Haus um – dieser standhafte Wall soll das Wasser in Schach halten.
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