Pädagogisches Projekt: Schüler haben Spaß am spielerischen Schachlernen
EMSDETTEN Schach und Matt, statt Plus und Minus. An der Kardinal-von-Galen-Schule hat sich Schach als Schulfach längst etabliert nicht nur aus wissenschaftlicher und pädagogischer Sicht. Auch in den Köpfen der Kinder hat der ungewöhnliche Unterricht mittlerweile einen festen Platz auf der Liste der beliebtesten Schulfächer.
Dr. Wilhelm Loges.erklärt den Schülern bestimmte Schachsituationen und lässt sie diese auch nachspielen. (Foto: Bernd Oberheim)
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Donnerstag, 9.50 Uhr, die Schulglocke kündigt das Pausen-Ende an. Für viele Schüler ein Grund, laut zu seufzen und mürrisch in die Klassenräume zurückkehren. Nicht so bei den Kindern aus der Klasse 3a, pünktlich sitzen sie auf ihren Plätzen, vor sich ein Schachbrett, schnell ist Ruhe im Klassenzimmer. Dr. Wilhelm Loges legt sofort los. Er hat keine Zeit zu verlieren. Angreifen und Verteidigen stehen heute auf dem Plan.
Schüler müssen Spielsituationen lösen
Auf einer Magnettafel baut Loges unterschiedliche Stellungen auf, fordert die Kinder mit Lösungsvorschlägen. Die Schüler sind fokussiert, konzentrieren sich auf die Aufgaben, die ihnen vom 1. Vorsitzenden des SK Turm gestellt werden. Wilhelm Loges hat ein feines Gespür für das Vermitteln der Grundsätze des wohl ältesten Strategiespiels der Welt. Im ständigen Wechsel zwischen Theorie und Praxis sollen die Kinder das Vermittelte anwenden. Mal vorne an der Magnettafel, mal im direkten Duell mit dem Kameraden - am Brett direkt von ihnen. Die kleine Köpfe rattern, alle möglichen Szenarien werden durchgespielt. Ergreife ich die Flucht? Wie schütze ich meine Figuren? Lohnt sich das Schlagen? - Schach fordert und fördert die Logik, vorausschauendes Denken ist Basis für den Erfolg.
Das vorausschauende Denken und das Entwickeln von Lösungsmöglichkeiten erfordert ein hohes Maß an Konzentration, und die ist bei nur abstrakten Übungen über 45 Minuten kaum aufrecht zu erhalten. Deswegen baut Loges immer wieder kleine Übungen ein, lässt die Kinder spielen, dabei bestimmte Stellungen auflösen. Die Schüler bauen die Konstellationen, die Wilhelm Loges ihnen vorgibt, nach, konzentrieren sich und entwickeln darüber hinaus einen ausgeprägten Ehrgeiz. Philipp und Niklas duellieren sich mit drei Bauern und einem Springer. Beide müssen die Figuren ihres Kontrahenten schlagen, das ist das Ziel. Niklas verliert schnell zwei seiner Figuren, flucht kurz, aber er findet zurück ins Spiel, am Ende ist es ausgeglichen.
Loges investiert viel Zeit für's Ehrenamt
"Es gibt positive Erfahrungen, dass Schach ein Zuwachs an Intelligenz bringt, in allen Fächern", sagt Rektorin Bärbel Weßling. So gab sie auch direkt grünes Licht, als Wilhelm Loges sich bereit erklärte, das Projekt mit seiner Erfahrung zu unterstützen und sich dafür auch weiterzubilden. Anfang Oktober erwarb der Verfechter des königlichen Spiels das Schulpatent der Schachjugend. „Dort wurden uns Tipps gegeben, wie sich den Schülern Schach besser vermitteln lässt,“ erklärt Loges. Von dieser Zusatzqualifikation profitiert nicht nur er, sondern auch die Schule und die Kinder. „Ich bin froh, dass Herr Loges uns so toll unterstützt und das auch noch ehrenamtlich“, sagt die Schulleiterin.
Auch bei den Schülern hat Loges einen Stein im Brett. „Schach ist mein Lieblingsfach geworden“, so Leonie. Nicht nur in der Schule, auch zuhause versucht sie ihr Spiel regelmäßig zu verbessern. Davon lässt sich auch ihre neunjährige Spielpartnerin Pauline anstecken. „Es wäre toll, wenn wir viel mehr Schach spielen würden.“ Denkbar ist das durchaus, denn die Lehrer unterstützen das Modellprojekt, das in Verbindung mit der TU Dortmund durchgeführt wird. „Wir machen sehr gute Erfahrungen. Viele Schüler – gerade auch schwächere – entdecken neue Stärken“, berichtet Fachlehrerin Birgit Lesser-Beckersjürgen, die für das Schach-Spiel eine Stunde ihres Musikunterrichts aufgab









