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Medienhaus Lensing
12.03.2010 18:15 Uhr
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Schmitz-Cargobull: Nach kurz kommt lang - Trailermarkt erholt sich

HORSTMAR Bis zu 44 Tonnen schwer und mehr als 25 Meter lang sind diese speziellen Lastwagen. Sie heißen Gigaliner oder Eurocombi, in jedem Fall sind sie übergroß. Der krisengebeutelte Trailerhersteller Schmitz Cargobull könnte nun von einem neuen Modellprojekt mit den „rollenden Riesen“ profitieren.Von Katharina Engelhardt

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Cargobull-Sprecher Gerd Rohrsen. (Foto: Archiv)

Auftragseinbruch um 92 Prozent, Entlassungen: Die Krise hat Schmitz Cargobull zwangsentschleunigt. Dort, wo bis vor einem Jahr um die 100 Auflieger täglich produziert wurden, geht es ruhiger zu. Überschaubar. Heute durchlaufen maximal 30 Trailer die Produktionsstraßen im Altenberger Werk.

Langsamer arbeiten, bitte – eine Order in Zeiten der Kurzarbeit. Einige Trailer warten immer noch auf Abnehmer, immer wieder hat es Kunden gegeben, die wegen Insolvenz die bestellten Fahrzeuge nicht abgeholt haben. Allmählich aber zieht die Nachfrage an. 300 gefertigte Auflieger pro Monat waren es im Dezember, im März immerhin leicht gestiegen auf 500.

Großer politischer Widerstand

Als einen „Hoffnungsschimmer“ bezeichnet Cargobull-Sprecher Gerd Rohrsen die Entwicklung auf dem Markt. Ganz vorsichtig. Abwarten. Weiteren Aufwind verspricht sich Schmitz nun von einem neuen Modellprojekt mit den sogenannten „Mega-Lastern“. Doch so übergroß wie diese Super-LKW sind, – 25,25 Meter lang, 44 Tonnen schwer – so groß war bislang auch der politische Widerstand.

Niemand wollte diese Mega-Laster wirklich, als NRW vor vier Jahren ein solches Modellprojekt angestoßen hatte. Jetzt wagt die Bundesregierung einen neuen Vorstoß. Und Schmitz-Cargobull steht in den Startlöchern. Der Speller Konkurrent Krone hat den Gigaliner, Schmitz den Eurocombi, und aus der Entwicklungsphase sind sie längst raus.

Nachfrage aus skandinavischen Ländern, Holland und Russland


Schmitz konzipierte eine spezielle Achse, mit der sich die überlangen Transporter geschmeidig um die Kurven lenken lassen sollen. Bereits seit 2006 bedient das Horstmarer Unternehmen die Nachfrage aus skandinavischen Ländern, aus Holland und aus Russland – praktisch überall dort, wo die Mega-Laster eingesetzt werden.

Ob die sich auch hierzulande durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Der Versuch vor vier Jahren verlief zumindest für die Trailerhersteller unglücklich: Vor einer zu großen Belastung für Straßen und Brücken warnte die Politik, für zu gefährlich hielten Automobilclubs die Riesenlaster auf den Autobahnen.

Krise zerrt noch sehr

Jedes neue System findet seine Kritiker. Das weiß auch Rohrsen und dämpft die Erwartungen: „Wann und ob ein wirtschaftlicher Schub kommt, da müssen wir noch vorsichtig sein.“ Für optimistischere Prognosen reicht’s noch nicht. Dazu zerrt die Krise noch zu sehr am Cargobullen: Schmitz hatte kurz bevor der Einbruch kam, mächtig investiert – im zweistelligen Millionenbereich.

Und nicht nur in den Bau eines modernen Testzentrums, sondern auch in neue Produktionsstraßen. Schmitz will weg von der standardisierten, hin zur Modulbauweise. Jeder Kunde kann sich individuell sein Fahrzeug herstellen lassen – vom Auflieger- und Bremssystem bis hin zur Art der Rückleuchten. Hohe Fertigungsdichte bedeutet, je mehr im eigenen Haus produziert wird, desto schneller und umso weniger Verluste.

„Zuschauer unerwünscht“

Jetzt könnte er kommen, der Aufschwung. Vorbereitet sind die Cargobullen jedenfalls. Ganz unabhängig vom Eurocargo-Projekt tüfteln die Spezialisten wieder an neuen Modellen. Im modernen Testzentrum heißt es deshalb im Moment „Zuschauer unerwünscht“, ohne blau-roten Overall kein Zutritt.



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