Medienhaus Lensing
30.12.2012 15:35 Uhr
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DJ Kerstin Eden: "Nimmersatte Soundmaschine"

HORSTMAR Welchen Stein sie ins Rollen bringen würde, das war Kerstin Eden aus Leer 2003 gar nicht bewusst, als sie ihr Mischpult auf Mutters Bügelbrett platzierte. Heute ist die 29-Jährige hierzulande eine der gefragtesten Techno-DJs - und legt weltweit in Clubs auf. Wir sprachen mit ihr über ihren Job und ihre Kontakte zur Heimat.Von Christian Bödding

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Als Techno-DJ in den Clubs dieser Welt zu Hause: Kerstin Eden. (Foto privat)

Wie bist du zum DJ-Job gekommen?
Lustigerweise bin ich selber nie auf die Idee gekommen, DJ zu werden. Mein Platz war immer auf der Tanzfläche, wo ich die Musik auf meine Art (etwas auffälliger) interpretiert habe. Michael, ein befreundeter DJ aus Düsseldorf, kam auf mich zu und wollte mich überzeugen, mein Musikgespür beim Platten drehen zu probieren. Davon wollte ich zuerst nichts hören und es hat ein paar Monate gedauert, bis ich mich tatsächlich mal darin ausprobiert habe. Mich hat es sofort gepackt und noch im gleichen Jahr durfte ich das erste Mal vor Publikum spielen. Es war an Heiligabend 2003 in einem Bochumer Club, das beste Weihnachtsgeschenk ever!

Was ist das Beste an der DJ-Tätigkeit?
Es gibt so vieles. Das Beste aber ist die Freude, die man mit allen anderen teilt. Mein Job ist es, Menschen Spaß zu bereiten. Wenn mich die Tanzfläche anlacht, muss ich automatisch zurück lachen, woraufhin die anderen noch mehr zurück lachen. Das ist wie eine endlose Spirale. Ein wahnsinnig schönes Gefühl.

Wie geht man damit um, wenn man als "eine der schönsten Frauen im DJ-Business" bezeichnet wird?
Anfangs war es schwer, damit umzugehen, schließlich hat die Optik wenig mit dem Können zu tun. Als weiblicher DJ muss man sich den Respekt sehr hart erkämpfen. Man wird in den ersten Jahren leider nur auf das Äußere reduziert, kaum jemand nimmt einen als DJ ernst. Mittlerweile werben die Veranstalter mit dem, was ich kann oder schon gemacht habe. Wenn dann noch ein Kompliment in den Nebensatz rutscht, freue ich mich natürlich.

Was war dein bislang bester/aufregendster Auftritt?
Puh, schwierig, da gibt's soviel. Am emotionalsten war wohl die Closing Party meines Lieblingsclubs U60311 in Frankfurt. Dort durfte ich die letzten Stunden und auch das allerletzte Lied spielen. Eine unfassbare Ehre! Man kann sich das Gefühl nicht vorstellen, wenn einer der weltweit bedeutendsten Techno-Clubs aus den legendären Rave-Zeiten der 90er schließt und ein paar hundert Menschen mit Tränen in den Augen vor einem stehen, während die letzten Takte auslaufen. Alle starren dich an, als wollten sie sagen "Bitte lass es nicht vorbei sein. Mach einfach weiter!"

Wie oft bist du noch in Leer?
Leider schaffe ich es sehr selten nach Hause. Meistens nur zwei- oder dreimal im Jahr für ein bis zwei Tage, wenn ich einen Auftritt in Münster habe, ein runder Geburtstags ansteht, definitiv aber an Weihnachten. Da kann kommen, wer will, Weihnachten ist Familienzeit. Ansonsten bleibt leider nur das Telefon. Ich vermisse meine Eltern sehr oft und telefoniere deshalb jede Woche ein bis zwei Stunden mit ihnen.

War es schwer, deine Eltern von dem zu überzeugen, was du tust?
Naja, ich würde nicht sagen, dass ich sie überzeugen wollte oder musste. Aber sie haben wahrscheinlich gehofft, dass ich nach meiner Ausbildung als Veranstaltungskauffrau weiter arbeite. Diskussionen gab es deswegen nie. Meine Eltern standen immer hinter dem, was ich tue und haben mir auch immer das Gefühl gegeben, dass sie meinen Entscheidungen vertrauen. Meine ganze Familie hat mich dieses Jahr sogar auf die Mayday begleitet und ganz stolz zu meinem Set getanzt. Es war schwierig zu sagen, wer danach mehr gestrahlt hat, ich oder sie.

Wie oft bist du pro Jahr unterwegs?
Das ist ganz unterschiedlich. Im Schnitt spiele ich ein- bis zweimal in der Woche.

Ohne gleich das Finanzamt auf den Plan zu bringen: Kann man als DJ "auskömmlich" leben?
Mittlerweile kann ich das ganz gut. Das war aber nicht immer so. Je öfter und besser man spielt, umso höher steigt die Gage und auch die Auftragslage. Natürlich hat auch das Management viel Einfluss auf solche Dinge. Da ich seit einem Jahr bei der sehr großen und bekannten Agentur Abstract unter Vertrag bin, hab ich keinen Grund zu klagen.

Wie lange willst/kannst du diesen Job noch machen?
Solange ich Spaß daran habe und natürlich auch, solange man meine Musik hören mag. Das wird hoffentlich noch mindestens 15 bis 20 Jahre lang so sein. Danach verlasse ich vielleicht nur die Clubszene, um in Ruhe im Tonstudio zu arbeiten. Wer weiß.

Was hat es mit dem Tattoo "Nimmersatt" auf deinem Arm auf sich?
Hehe. Also, normalerweise läuft das so ab, dass jeder DJ zwei bis drei Stunden spielt und dann durch den nächsten abgelöst wird. Das ist mir zu wenig und deswegen passiert es öfter mal, dass ich meinen Nachfolger überrede, mir seine Zeit zu überlassen. Man bezeichnet mich deswegen gerne als "nimmersatte Soundmaschine" und manchmal bietet man mir freundlicherweise an, die ganze Nacht alleine zu spielen. Mein Rekord liegt bei 18 Stunden.

Worin liegt der Reiz, stundenlang hinterm "Plattenteller" zu stehen?
Wer würde denn nicht stundenlang das tun, was er am liebsten mag? Wenn die Anlage gut ist und man die richtigen Leute um und vor sich hat, dann vergeht die Zeit wie im Flug. Dazu kommt noch, dass ich selber gerne auf die Musik tanze, die ich mitbringe. Da kann es gar nicht lange genug gehen.

Dein Lieblingslied?
Hmm, schwierig. Das wechselt häufig. Einer meiner liebsten All-Time-Long-Klassiker ist von Massive Attack - Unfinished Sympathy.

  • Lesen Sie das komplette Interview mit Kerstin Eden in der Silvester-Ausgabe der Münsterschen Zeitung, Ausgabe Steinfurt

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