Serie "Schön hier": Von Gletschern und Gottesstrafe
KREIS STEINFURT/NEUENKIRCHEN. Leichte Brise, Duft nach Kiefern, feiner Sand unter den Füßen. Unsere Suche nach dem schönsten Ort im Kreis Steinfurt beginnt am Offlumer See. Ein Ort mit viel Natur, der eine ganz und gar unnatürliche Entstehungsgeschichte hat.
Wahrzeichen am Offlumer See: Die Trichtertürme (Foto: Julia Regge)
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Ein Spätsommertag in Offlum: Über den See zieht eine frische Brise, die Kiefern, die sich rund um das Wasser im sandigen Bode verwurzelt haben, rauschen im Wind und verbreiten einen wunderbaren Duft. Durch die Wäldchen führen Trampelpfade in die Dünen am Ufer. Geht man dort hinab, könnte man meine, man ginge zu einem Ostseestrand.
Heinz Koops führt um den See: Seit 30 Jahren ist er ständig hier. Wer einen der Pfade hinuntergeht, findet kleine Buchten mit kleinen Stränden. Der Sand ist hell und weich. Koops weiß, wer diese Ecken besonders schätzt. "Die jungen Leute gehen da mit ihren Mädchen hin. Ist doch besser, wie vorne am Strand, wenn die Opas zugucken." Und die Opas, die er meint, kennen den See noch aus ihrer eigenen Jugend. Auch Koops ist einer von ihnen.
Fotostrecke Schön hier: Offlumer See
Zwar wurde hier bis 2004 noch Sand abgebaut, aber das hielt die Menschen nicht zurück, sich in Scharen am Ufer niederzulassen. Die 50er-Jahre in Neuenkirchen: Wer konnte, fuhr mit seinem Käfer an den Teutonen-Grill nach Italien. Wer nicht konnte, blieb hier und verbrachte seinen Urlaub am Offlumer See. "Das war dann der Lago Maggiore von Neuenkirchen", erzählt Koops, zeigt mit ausgestrecktem Arm über das Wasser und sagt: "Mensch, da war alles voll mit Leuten!"
Ausstand vom Autofriedhof
Unmittelbar nach dem Krieg muss das Gelände ein unglaubliches Bild abgegeben haben: Kriegsgerät und alte Fahrzeuge waren hier abgestellt. Wo heute ein See ist, war einmal ein Panzer- und ein Autofriedhof. An den herrenlosen Wracks bedienten sich die Bürger: "Da wurde mancher Ausstand von finanziert", sagt Koops.
Danach wurden Sand und Kies gefördert - in rauen Mengen: Insgesamt rund 4,6 Millionen Kubikmeter wurden hier gefördert. Begonnen hat das im 19. Jahrhundert: Damals wurde der Sand auf Loren geschaufelt und von Pferden bis zur nächsten Straße gezogen. Das Geschäft mit dem Kies und Sand aus Neuenkirchen erreichte in den 1960er-Jahren seinen Höhepunkt, als rund 600 Menschen für die "Westfälischen Sand- und Tonwerke arbeiteten".
Bernstein vom Baltikum
Der See liegt mitten im Münsterländer Kiessandzug, einer Schneise von eiszeitlichen Ablagerungen, die gewaltige Gletscher vor 200 000 Jahren hier aufschütteten. "Die haben alles, was auf dem Weg lag, hier angebracht", erzählt Koops. Darunter auch Bernstein, den die Eismassen nachweislich aus dem Baltikum ins Münsterland transportierten und den man bis heute hier finden kann.
Nicht ganz nachweislich ist eine andere Geschichte vom Offlumer See: Früher soll es in Offlum ein Kloster gegeben haben, das auf dem höchsten der Sandhügel gestanden hat. Doch weil die Bewohner den Bauern Unrecht antaten, bestrafte Gott es mit dem Untergang: Nun steht es angeblich auf dem Grund des Sees. Und angeblich schlägt gelegentlich die Klosterglocke. "Ich kenne Leute, die hier nachts schon eine Glocke gehört haben", erzählt Koops
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