Nach Experten-Vorschlag: Straße sollte nicht den Namen Agnes Miegel tragen
LÜNEN Lässt die Stadt Lünen zwei Menschen eine Ehre zuteil werden, die sie nicht verdienen? Die Schriftsteller Agnes Miegel und Karl Wagenfeld standen dem Nazi-Regime so nah, dass Straßen besser nicht ihre Namen tragen sollten, meint eine Experten-Kommission in Münster.
In Niederaden gibt es eine Agnes-Miegel-Straße. Nach einer Empfehlung von Experten sollte sie umbenannt werden. Die Schriftstellerin stand dem Nazi-Regime nah. (Foto: Bernd Paulitschke)
Von den über zehn in Münster betroffenen Straßen gibt es in Lünen zwei, eben die Karl-Wagenfeld-Straße in Wethmar und die Agnes-Miegel-Straße in Niederaden.
In über 100 deutschen Städten und Gemeinden gab und gibt es nach der Dichterin Miegel benannte Straßen, Plätze und Wege. Einige Kommunen haben sie inzwischen umbenannt. So ist es jetzt auch in Münster geplant.
In Lünen bisher keine politische Diskussion
In Lünen gibt es bislang keine politische Diskussion zum Thema. Bei der Stadt ist zur Geschichte der beiden Straßen wenig bekannt. Die Karl-Wagenfeld-Straße tauche 1951 erstmals im Stadtplan auf, die Agnes-Miegel-Straße 1968. Vorher hieß sie wohl Tulpenweg. Stadtarchivar Fredy Niklowitz vermutet, dass sie mit der Eingemeindung Niederadens umbenannt wurde.
Zur Person
- Karl Wagenfeld (1869-1939) war ein Dichter, arbeitete u.a. als Lehrer, Heimatforscher und Redakteur. Er gilt als Triebkraft der westfälischen Heimatbewegung. Laut Internet-Lexikon Wikipedia hat er auch fremdenfeindliche, rassistische Anschauungen vertreten, die mit der nationalsozialistischen Ideologie übereinstimmten. Als Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes habe er den Westfalentag zur nationalsozialistischen Propagandaschau umfunktionieren lassen.
- Dichterin Agnes Miegel (1879-1964) war nach Einschätzung der Münsteraner Kommission „eine Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur, die den Führer verherrlichte.“ 1936 schrieb sie u.a. das Gedicht „Dem Führer“. Ein 1945 gegen sie verhängtes Veröffentlichungsverbot wurde 1949 aufgehoben. Für ihr literarisches Werk erhielt Agnes Miegel danach noch mehrere Literatur- und Kulturpreise.




























