Studie: Münsteraner fahren am liebsten mit der Leeze
MÜNSTER Die Pedalritter haben es endlich geschafft: Erstmals in der Geschichte der Stadt ist das Fahrrad Münsters meistgenutztes Verkehrsmittel. 37,6 Prozent ihrer Fahrten erledigen die Bürger mit der Leeze – und verweisen damit das Auto (36,3 Prozent) auf den zweiten Platz.
In Münster werden die meisten Fahrten mit dem Fahrrad erledigt. (Foto: dpa)
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18 Prozent autofrei
Dass das Fahrrad des Münsteraners liebstes Kind ist, bestätigt die Studie mit weiteren Zahlen. So steht nur bei vier Prozent aller Haushalte kein Drahtesel in Keller oder Garage. Über 30 Prozent nennen vier oder mehr Räder ihr Eigen. Dagegen kommen über 18 Prozent ohne Auto aus. Bis der Münsteraner 24 Jahre alt ist, legt er die Hälfte aller Wege mit dem Fahrrad zurück, danach bis ins hohe Alter immer noch ein Drittel. Und auf Strecken bis zu 20 Kilometern nimmt er lieber die Leeze als den Bus.
Verglichen mit dem deutschen Durchschnitt liegt die Zweiradmetropole uneinholbar vorn: Bundesweit radeln nur neun Prozent der Verkehrsteilnehmer, selbst vergleichbar „grüne“ Städte wie Bonn oder Freiburg fallen gegen Münster klar ab. Seit der letzten Befragung im Jahr 2001 ist das Fahrrad sogar noch beliebter geworden. Dagegen fahren heute fast neun Prozent weniger Münsteraner mit dem Auto als damals.
Ungern zu Fuß
Trotz allem bleibt der eigene Wagen für viele das wichtigste Verkehrsmittel. Das gilt für die Berufstätigen zwischen 25 und 65 Jahren ebenso wie für die Bewohner der Stadtteile. Zu Fuß geht man in Münster weniger gern als anderswo. Rechnet man aber Radler, Fußgänger, Bus- und Bahnnutzer zusammen, sind gut zwei Drittel der Domstädter mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln unterwegs – auch das ein Spitzenwert.
Die Leezen-Lobby fühlt sich bestätigt. Jetzt sei die Politik gefordert, sagt ADFC-Geschäftsführer Hajo Gerdemann und verweist auf alarmierend hohe Unfallzahlen: „Das Radwegenetz ist dem Andrang der Nutzer nicht mehr gewachsen.“ Für Münsters obersten Verkehrsplaner Dr. Friedrich-Wilhelm Oellers ist die Studie dagegen erstmal ein „Signal, dass sich die Bürger umweltbewusst und stadtgerecht verhalten“.
Doch auch er warnt davor, angesichts der Traumwerte die Hände in den Schoß zu legen. Münster müsse die mangelnde Sicherheit auf seinen Straßen und die hohe Schadstoffbelastung der Luft in den Griff bekommen, so Oellers. Eine mögliche Idee: „Anreizsysteme mit Augenmaß“, um im Freizeit- und Berufsverkehr mehr Autofahrer zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen. Die Spielräume für die Stadt seien dabei aber „sehr begrenzt“.


































