Bauen und Wohnen: Zwischen Pomp und Sparwillen
Münster Klinker-Imitate sind plötzlich beliebt. Aus Badewannen werden Whirlpools. Und in der Küche spielt Energie keine Rolle. Drei Tage lang geht es in der Halle Münsterland um Trends beim Bauen und Einrichten. Eine seltsame Rolle spielt dabei: Geld.
Energiesparen ist das große Thema der Messe. In dieser Luxusküche geht es um Komfort. Der Energieverbrauch ist da eher nachrangig. (Jean-Marie Tronquet)
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Niederbeckmann hat ein paar asiatische Pflanzen aufgestellt. Eine japanische Eibe, eine Kiefer. Wer jetzt eine Eibe kauft, kann sie vielleicht bald für mehr Geld wieder verkaufen. Denn die Pflanzen werden knapp, seit der Atomkatastrophe vor einem Jahr in Fukushima. „So eine Eibe ist bis zu 25 Prozent teurer geworden“, sagt Niederbeckmann. Auch die Kiefern von dort sind nur noch schwer zu bekommen. Niederbeckmanns Stand ist auf der Baumesse bis zum Sonntag der grüne Farbklecks.
Luxus liegt im Trend
Philipp Rings könnte dazu die sprudelnde Oase liefern, wobei seine Badewanne am Stand des Badherstellers Sonntag eher für drinnen gedacht ist. Rings drückt einen Knopf auf einer Fernbedienung. In der Wanne beginnt es zu blubbern. „Das können wir in jede Wanne einbauen“, sagt er. Für 7000 Euro stattet das Unternehmen Badewannen (auch die im Garten) mit 28 Düsen aus, die das Wasser durchwühlen. Aus der Badewanne wird ein Whirlpool. Es ist Luxus, aber Luxus liegt offenbar im Trend.
Es sind auch ausgewachsene Whirlpools zu sehen. Und Godeke von Wedel zeigt an seinem Stand Betten, die sich in jedem Luxusloft gut machen würden. Das Düsseldorfer Möbelhaus HGC Cocoon, für das von Wedel arbeitet, fing vor 30 Jahren als Polsterei an und stattet heute Hotels aus. Seit vier Monaten hat es auch an der Warendorfer Straße eine Filiale.
Energie nicht so wichtig
Ein paar Gänge weiter steigt der Duft vom frisch Gekochtem in die Nase. Die Firma Küchenland Ekelhoff führt hier Küchenluxus vor. Gekocht wird allerdings nur nebenan. Dort liegt die Cafeteria, wo gerade gegessen wird. „Die Küche hat sich in den vergangenen zehn Jahren geöffnet“, sagt Verkaufsleiter Thomas Lüdke. Technik werde immer wichtiger.
Die Küche vor ihm kostet knapp 20 000 Euro, und sie ist schon deutlich reduziert. Wie sieht es denn mit dem Energiesparen in der Küche aus. Lüdke lächelt. „Energie spielt für die meisten gefühlt keine Rolle.“
Dabei ist das auf der Messe in diesem Jahr das große Thema. Nicht der Luxus soll im Vordergrund stehen, sondern Dinge, die beim Sparen helfen. Dämm-Material. Dr. Andreas Müller vom Handwerkskammer-Bildungszentrum streicht mit der Hand über den Querschnitt einer Wand, die mit Zellulose gefüllt ist.
Baumängel wurden früher weggeheizt
Von der einen bis zur anderen Seite sind es 47 Zentimeter. An seinem Stand geht es um Passivhäuser. Häuser, die weder im Winter eine Heizung noch im Sommer eine Kühlung benötigen. Die Wärme bleibt drinnen oder draußen, je nach Jahreszeit. Das Problem: Passivhäuser sind weniger fehlertolerant. „Baumängel wurden früher weggeheizt“, sagt Müller. In herkömmlichen Häusern braucht man 15 Mal so viel Wärme, um das Haus zu beheizen.
Im Passivhaus versorgt der Mensch allein durch seine Körpertemperatur sieben Quadratmeter mit Wärme. Allerdings sind Passivhäuser bislang nur wenig verbreitet. In Münster gibt es 30. Die Zahl der Altbauten, die noch gedämmt werden müssen, ist dagegen so hoch, dass Handwerker über Jahrzehnte mit Arbeit versorgt sind.
Quote bei einem Prozent
„Eigentlich sollte die Modernisierungsquote bei drei Prozent pro Jahr liegen. Tatsächlich liegt sie bei einem“, sagt Hermann Eiling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Der Energiesparwille beschert auch Firmen ein gutes Geschäft, die sich eher mit der Optik beschäftigen.
Bernhard Werschmann zum Beispiel verkauft Klinker. Sein Unternehmen ABC Klinker hat unter anderem die roten Steine geliefert, aus denen die Wände am Picasso-Platz gemauert sind. Mit der Dämmung ist auch ein anderes Produkt wieder in Mode gekommen, das früher nicht ganz so beliebt war. Klinker-Riemen.
Dünne Steine, die um die Dämmung gelegt werden. Sie heißen Teuto-rotbunt oder Buxtehude. Früher sahen Mauern aus Klinkerriemen oft aus wie verkachelt. Die Zeiten seien vorbei, sagt Werschmann. Heute sehe man keinen Unterschied mehr.

































