Medienhaus Lensing
04.01.2013 23:00 Uhr
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Handball: Kreisvorsitzender Krekeler spricht über die Situation in Münsters Klubs

MÜNSTER Mit Leib und Seele ist Bernd Krekeler mit dem Handball verbunden, ist seit sechs Jahren Chef von Sparta, Münsters größtem Klub, und übernahm im November 2012 zudem den Kreisvorsitz. Warum sich der 54-Jährige derart für den Sport engagiert und welche Probleme er in der Zukunft sieht, erklärt er im Gespräch.Von Martin Ilgen

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Der Kreisvorsitzende macht sich Gedanken über den Handball in der Stadt und im Kreis. Bernd Krekeler sagt: »Wie die Vereinsarbeit bis jetzt gelaufen ist, wird sie nicht mehr weiterlaufen können. Die Vereine müssen sich dem veränderten Umfeld und den neuen Gegebenheiten anpassen.«  (Foto: Ilgen)

Sie haben vier Kinder, sind in der Politik aktiv, Chef des größten Handball-Klubs der Stadt. Im November nahmen Sie als Vorsitzender des Handballkreises ein weiteres Ehrenamt an. Waren Sie noch nicht ausgelastet?
Bernd Krekeler: Nein, nein. Und etwas Entlastung ist in Sicht. Ich hatte bereits bei der letzten Wiederwahl zum Sparta-Vorsitzenden angekündigt, dass ich Anfang 2014 dieses Amt abgeben will. Mitte 2012 wurde ich dann von meinem Vorgänger im Kreisvorsitz, Klaus Remke, angesprochen, ob ich mir den Job im Kreis vorstellen kann. Klar habe ich überlegt, ob ich mir die zusätzliche Belastung antun will. Aber mit der Perspektive, dass ich nur ein Jahr diese Doppelbelastung haben werde, habe ich mich zur Wahl gestellt. Wobei mir wichtig war, dass kein kompletter Wechsel im Kreisvorstand vollzogen wird.

Wie kam es zu Ihrem Entschluss, zu kandidieren?
Krekeler: Ich fühle mich diesem Sport sehr verbunden. Und ich halte es für wichtig, dass sich gerade auch die großen Vereine engagieren. Und Sparta verfügt über die meisten Mannschaften im Kreis. Diesen Schritt hätte ich aber vor zwei Jahren noch nicht gemacht. Denn damals war die Situation, was die Übernahme ehrenamtlicher Tätigkeiten im Verein betraf, noch zu schlecht. Da lastete die Arbeit im Prinzip auf zwei Schultern. Das ist mittlerweile deutlich besser geworden.

Sehen Sie keinen Interessenskonflikt als Vereins- und gleichzeitig Verbandschef?
Krekeler: Den kann es durchaus geben. Und ich hätte den Vorsitz auch nicht übernommen, wenn ich den Job bei der Sparta nicht in einem Jahr an den Nagel hängen würde. Aber letztlich kommen alle im Kreisvorstand aus der Vereinsarbeit und engagieren sich auch zum Teil weiter in ihren Vereinen. Ich denke, dass ich es hinbekommen sollte, in entscheidenden Augenblicken die Vereinsbrille abzusetzen.

Wo sehen Sie Ihre Arbeitsschwerpunkte im Kreis, wo Baustellen?
Krekeler: Gravierende Baustellen gibt es nicht. So ist zumindest mein erster Eindruck. Wir müssen aber auf jeden Fall die Jugendarbeit im Blick haben. Wenn von unten nichts nachkommt, stirbt der Handball oben aus. Wie die Vereinsarbeit bis jetzt gelaufen ist, wird sie nicht mehr weiterlaufen können. Die Vereine müssen sich dem veränderten Umfeld und den neuen Gegebenheiten anpassen.

Was meinen Sie konkret?
Krekeler: Stichwort G 8 an den Schulen. Oder die Übermittagsbetreuung von kleineren Kindern. Das heißt: Viele Jugendliche und Kinder kommen erst um 16 Uhr nach Hause und haben deutlich weniger Zeit für den Vereinssport. Wir müssen also verstärkt auf Schulen zugehen, dort Handball anbieten. Aber das ist kein Handball-spezifisches Problem unserer Zeit. Alle Sportarten abseits des Fußballs haben es schwer.

Kommen wir zur Sparta. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in das Jahr 2013?
Krekeler: Mit guten. Die Damen sind 2012 in die Landesliga aufgestiegen. Bei den Herren haben wir leider eine Mannschaft abmelden müssen, so dass wir jetzt nur noch mit vier Teams unterwegs sind. Insgesamt aber sind wir – was den Zulauf von Mitgliedern anbetrifft – zufrieden. Was den Übergang aus den Junioren- in den Seniorenbereich anbelangt, fallen uns natürlich derzeit zwei Jahrgänge weg. Zum einen durch die Abschaffung der Wehrpflicht und eben auch durch G 8. Trotzdem sind wir aktuell im Jugendbereich in allen Altersklassen mit je zwei Teams vertreten, bei den Mädchen mindestens mit einem. Das kann sich sehen lassen. Auch leistungsmäßig.

Sorgenkind ist derzeit aber die erste Mannschaft. Was würde ein Abstieg aus der Landesliga für den Verein bedeuten?
Krekeler: Dann wären wir hinter Kinderhaus nur die Nummer zwei in Münster. Was kurzfristig bedeutet, dass wir für Zuzüge weniger attraktiv werden. Mittelfristig könnte ein Abstieg auch Auswirkungen auf die Attraktivität des Vereins auf Münsters Jugendliche haben. Ich bin allerdings sehr optimistisch, dass dieses Szenarium nicht eintritt. Schließlich ist unser Abstand zum rettenden Ufer in der Tabelle nicht allzu groß.

Es trat jedoch eine Situation ein, mit der der Klub nicht gerechnet haben dürfte. Was machen andere Klubs besser als Sparta?
Krekeler: Das stimmt, niemand hatte mit diesen Problemen gerechnet. Wir hatten aber auch großes Verletzungspech. Torsten Wilmsen hatte einen Nasenbeinbruch, unser Kreisläufer Tobias List fiel mehrere Wochen aus. Mein Sohn zog sich während der Saisonvorbereitung einen Kreuzbandriss zu, und dann verließ uns zu Beginn der Saison auch noch unser zweiter Kreisläufer aus beruflichen Gründen. Um nur vier Ausfälle zu nennen. Und dann kommt dazu, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, bei der die Nerven dann auch schon mal blank liegen. Aber unser Sieg zum Hinrunden-Kehraus gibt Anlass zur Hoffnung. Ich war zum ersten Mal in dieser Saison nicht in der Halle. Vielleicht sollte ich einfach öfter unseren Spielen fernbleiben.

Stichwort Jugend. Warum schafft es der Verein nicht, ambitionierten Nachwuchs an den Verein zu binden?
Krekeler: Das ist in der Tat ein großes Problem. Wir haben viele Abiturienten in der Jugend, die sind nach dem Abi weg. Und das zweite ist, wenn sie hier bleiben, dann sind sie häufig so gut, dass sie anderswo höher spielen können. Wollen wir die gute Jugend an den Klub binden, müssen wir ein, zwei Klassen höher spielen.

Die A-Jugend spielt in der Oberliga eine anständige Rolle. Gab’s mit Leistungsträgern bereits Gespräche über ihre Zukunft im Klub?
Krekeler: Wir stehen im ständigen Kontakt zur Jugend, haben in den vergangenen Jahren ständig Junioren in die Erste integriert. Und das wird auch in Zukunft so sein. Simon Backhaus zum Beispiel hat schon gegen Westfalia Kinderhaus gespielt, Gero Bauhaus und mein Sohn Kilian hatten ihre Debüts. Und Leon Weissheimer ist sicherlich auch ein Kandidat für die Zukunft. Aber Backhaus macht zum Beispiel das Dilemma deutlich: Er gehört zum ersten G 8-Jahrgang und noch zum A-Junioren-Jungjahrgang. Der geht im Sommer nach Australien. Auf ihn können wir also nicht bauen. Häufig ist die Lebensplanung unserer Jugend eben nicht Sparta-kompatibel.

Im November musste Trainer Michael Mierzowski gehen. Schon im September, so hörte man, verhandelte bereits ein Anderer mit möglichen Neuzugängen für die Saison 2013/14…
Krekeler: Der Trainerwechsel war tatsächlich schon im Sommer geplant. Um Unruhe zu vermeiden, haben wir aber vereinbart, den Wechsel zur kommenden Spielzeit mit Tom Langhoff als Neuen erst im November bekannt zu geben. Der übernimmt übrigens auch dann, wenn die Sparta absteigen würde.

Wusste auch Mierzowski schon im Sommer, dass es seine letzte Saison sein wird?
Krekeler: Es gab schon während der Saisonvorbereitung Signale aus der Mannschaft, die den Wunsch nach neuen Impulsen forderten. Schließlich trainierte Mierzowski das Team im fünften Jahr. Sodann zeichnete sich ab, dass er aus persönlichen Gründen nicht weiter machen wollte.

Warum ist Tom Langhoff der richtige Coach für Sparta?
Krekeler: Tom versteht was vom Handball, ist gut vernetzt in der Szene, fühlt sich dem Verein verbunden. Als Trainer unserer damaligen C-Jugend (jetzige A-Jugend) hat er bei uns bereits bewiesen, dass er mit jungen Leuten umgehen kann. Und er ist im positivsten Sinne ein Erfolgsbesessener. Ich war übrigens nicht der Einzige im Klub, der die Idee mit Tom hatte. Was uns letztlich in unserer Entscheidung für ihn bestärkte.

Vor fünf Jahren haben Sie in unserem Interview gesagt, dass Münster nur aus dem Handball-Tief kommen kann, wenn eine große Lösung in Form einer Spielgemeinschaft geschaffen wird. Sehen Sie das heute auch noch so?
Krekeler: Nein. Wir haben bei Sparta kürzlich eine Umfrage auch zu diesem Thema gestartet. Die Mehrheit war dagegen. Ich glaube eine Spielgemeinschaft mit Kinderhaus und Sparta würde nichts bringen. Da würde auf Dauer ein Verein auf der Strecke bleiben, viele Akteure würden abspringen. Und am Ende hätte man einen Klub, der nur noch der Größe von Sparta entsprechen würde. Will man in Münster den Handball groß rausbringen, muss meiner Meinung nach ein anderer Weg gesucht werden, als der einer kompletten Spielgemeinschaft für die Stadt. Ich habe noch nicht die Idee, wie so etwas aussehen sollte.

Warum ist Münster eigentlich eine Handball-Diaspora?
Krekeler: Immerhin gibt’s hier zwölf Klubs. Das spricht doch eigentlich gegen diesen Befund. Zumindest die Breite ist da. Leider ist es hier aber im Herrenbereich immer nur ansatzweise gelungen, ein Team mal höher zu bringen. Hochklassiger Handball kostet eben auch Geld. Und in Münster sind die dicksten Stücke des Sponsoren-Kuchens von den Preußen und vom USC abgegriffen.

Zur Person:
Seit 2007 ist Bernd Krekeler Chef des größten Handball-Klubs der Stadt. Im November 2012 ließ er sich für drei Jahre zum Vorsitzenden des Handballkreises Münster wählen.
Der 54-jährige Vater von vier Kindern ist Leiter der Außenstelle des Bundesamts für Güterverkehr in Münster.
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