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Medienhaus Lensing
19.08.2009 15:30 Uhr
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Die Stellungnahme des Angeklagten Lothar Grundkötter

Der Angeklagte Lothar Grundkötter lässt am ersten Verhandlungstag eine Stellungnahme durch seinen Anwalt Dr. Reinhard Georg Birkenstock vorlesen. Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

Hohes Gericht!
Gestatten Sie mir bitte, dass ich zu Beginn einige Worte sage, die ich auch ganz persönlich an Herrn Venneker gerichtet wissen will:
Ich war entsetzt, als ich erfuhr, dass auf Herrn Venneker geschossen worden ist. Ich bin auch heute noch entsetzt über dieses Geschehen.

Allerdings hatte ich im Jahr 2007, nach dem Scheitern unserer Fusionsverhandlungen, einen sehr harten Konkurrenzkampf von Seiten des Herrn Vennekers zu ertragen. Reisende kann man nicht aufhalten. Das weiß ich als Unternehmer ebenso, wie ich weiß, dass es auch zum Konkurrenzkampf gehört, sich um die besten Mitarbeiter zu bemühen. Jeder hat die Besten lieber im eigenen Team als bei der eigenen Konkurrenz.
Aber wegen der damaligen Schwierigkeiten meines Unternehmens und vor dem Hintergrund, dass Herr Venneker durch die Fusionsverhandlungen mehr Einblick in mein Unternehmen genommen hatte, als man ihn sonst der Konkurrenz gewährt, habe ich seine Abwerbungen damals als sehr unfair empfunden und als den Versuch angesehen, mein Unternehmen gezielt zu schädigen. Aber ich habe Herrn Venneker nie nach dem Leben getrachtet. Im Gegenteil: Mir ging es auch schon in der schwierigen Zeit, also in der Zeit vor Beginn der erfolgreichen Verhandlungen mit der RVG um nichts anderes, als mich gerade gegenüber Herrn Venneker zu beweisen und ihm zu zeigen, dass er mich, nicht klein kriegt.


Es hat mich getroffen, dass Herr Venneker schon im Krankenhaus noch vor seiner Operation, wenn auch damals zunächst ohne Namensnennung, mich verdächtigt hat. Trotzdem, und das meine ich ernst, will ich hiermit in aller Öffentlichkeit Herrn Venneker um Entschuldigung dafür bitten, dass mit Herrn G. ein Mann auf ihn geschossen hat, den ich zuvor im Inkassobereich in einer Weise eingesetzt habe, auf die ich heute alles andere als stolz bin. Ich bitte um Entschuldigung, dass ein Mann die Schüsse abgegeben hat, den ich auf dem Höhepunkt unseres Konkurrenzkampfes im Jahr 2007 damit beauftragt hatte, auszukundschaften, wer von meinen Leuten bei ihm ein- und ausgeht. Ich bitte Herrn Venneker um Entschuldigung dafür, dass ein Mann auf ihn geschossen hat, dem ich in meinem damaligen Zorn tatsächlich gesagt habe, er solle Herrn Venneker ruhig was aufs Maul geben, wenn er ihn trifft.


Aber das ist alles, was ich zu verantworten habe. Ich habe Herrn Venneker nie nach dem Leben getrachtet und ich bin nicht der Auftraggeber für die Abgabe der Schüsse auf ihn.
Am 11. 11. 2008 erreicht mich im Auto auf dem Weg nach Gelsenkirchen der Anruf von Herrn G., der mich dringend sprechen wollte – am liebsten sofort. Das habe ich abgelehnt, weil ich „sofort“ keine Zeit hatte. Interesse an einem Gespräch hatte ich schon, denn während meiner Silberhochzeitsreise war viel Fleisch eingelagert worden, was ich los werden wollte und Herr G. hatte mir schon früher über seine Kontakte in Polen erzählt. Wir haben über Geschäfte gesprochen, aber noch kein konkretes Treffen verabredet, sondern nur, dass wir zusammen telefonieren wollten.
Im Büro in Gelsenkirchen erfuhr ich dann gegen 16 Uhr, dass auf Herrn Venneker geschossen worden ist. Und zwar durch einen Anruf durch Herrn Kortenbusch, der nur gesagt hat, man habe mit einer Schreckschusswaffe auf Herrn Venneker geschossen.
Am selben Tag noch, ich weiß nicht mehr durch wen, erfuhr ich aber, dass Herr Venneker schwer verletzt worden ist und auf die Intensivstation gekommen ist. Ich war entsetzt.


Am nächsten Tag, also am 12.11.2008, waren die Schüsse auf Herrn Venneker und seine Verletzungen Tagesgespräch und in vielen Telefonaten wurde ich mit Gerüchten konfrontiert bzw. gefragt, ob wir etwas damit zu tun hätten. Weil ebenfalls am 12.11.2008 Herr G. mehrfach mit mir telefonierte und unbedingt mit mir sprechen wollte und mich unbedingt treffen wollte, tauchten in mir schon beklemmende Fragen auf.
Ich verabredete mich mit Herrn G. in dem Lokal Axxis (phonetisch) (Alex?), wo ich schon häufiger, unter anderem einmal mit Herrn G. und mehrfach auch mit Herrn B., zu Besprechungen zusammengekommen war.
Schon auf der Fahrt dorthin keimte in mir die Angst auf, durch Herrn G. in eine fürchterliche Sache hineingezogen zu werden. Ich fuhr trotzdem hin, ich wollte wissen, was los ist. Ich war vor G. im Axxis (phonetisch) (Alex?) angekommen, er sah ziemlich fertig aus, als er eintraf.


Wir saßen mitten im Gastraum, umgeben von anderen Gästen. Auf meine Frage, was los ist, „Was hast Du mit den Schüssen auf Venneker zu tun?“ sagte er nur, dass sei nicht so gewesen, aber er brauche Fluchtgeld, 20.000 Euro. Das habe ich abgelehnt. Das Gespräch war sehr kurz, ich wollte weg, mich befiel Panik, auch wenn Grobara sagte, das mit den Schüssen sei nicht so gewesen, war mir, schon weil er Fluchtgeld haben wollte, klar, dass er für die Schüsse verantwortlich ist.
Damit hatte ich nichts zu tun, deshalb habe ich jedes Fluchtgeld abgelehnt, auch als er nur noch 10.000 Euro von mir haben wollte. Ich wollte ihn los werden und weg. Ich habe sehr bedauert, ihn überhaupt getroffen zu haben. Aber gleichzeitig hatte ich spätestens seit diesem Treffen, aus der Rückschau vielleicht auch schon bei seinem telefonischen Drängen wegen des Zustandekommens dieses Treffens‚ aber das kann ich nicht mehr so genau auseinander halten, spätestens aber jedenfalls mit und nach, diesem Treffen, hatte ich abgrundtiefe Angst davor, dass G.a mich in seine Sache hineinziehen würde, um Geld von mir zu bekommen. Offen gedroht hat er bei dem Treffen zwar nicht, aber allein sein Verlangen nach Fluchtgeld und sein nebulöses Gerede weckten diese Angst. Deshalb habe ich Herrn G. nicht angezeigt, deshalb hatte ich mich auch nicht mit ihm zurückgezogen, etwa ins Auto, damit er mir alles, was er zu der Sache weiß, sagen kann, denn im Axxis (phonetisch) (Alex?) saßen wir von, allen Menschen umringt, so dass er dort nicht offen sprechen konnte.


Ich wollte weg von ihm und wusste natürlich auf meiner Rückfahrt von Dortmund schon, dass mit dem Wegfahren allein das Problem nicht gelöst ist, sondern ich habe Herrn G. mehrfach angerufen, eigentlich nur um abzusichern, dass er mich nicht wahrheitswidrig in seine Sache hineinzieht.
Das alles hätte ich besser gelassen. Ich hätte am 12.11.2008 direkt von Dortmund aus zur Polizei gehen müssen und alles sagen, was ich weiß, auch die Vorgeschichte von 2007, einschließlich des Satzes mit dem „ihm eine aufs Maul hauen“. Dessen habe ich mich natürlich geschämt und gleichzeitig befürchtet, dass G., wenn ich ihn anzeige, den Spieß umdreht und sagte, der Lothar Grundkötter wollte das so. Das war vielleicht feige von mir, ich schäme mich deshalb und bitte auch um Entschuldigung, aber Anstifter für diese Schüsse war ich nicht. Damit hatte und habe ich nichts zu tun.


Aus Angst vor Herrn Grobara habe ich auch noch nach seiner Reise nach Polen telefonisch Kontakt zu ihm gehalten. Aus dieser Angst heraus habe ich dann Mitte Dezember 2008, nachdem ich von B. erfahren hatte, dass die Polizei mich verdächtigt, Auftraggeber zu sein, meinen Bruder gebeten, Kontakt zu den Behörden aufzunehmen, dabei habe ich ihm leider nicht sofort mitgeteilt, dass und wie ich Herrn G. kenne. Ich wollte erst einmal wissen, ob das, was B. mir gesagt hat, richtig ist.
Auf all dies werde ich später noch zurückkommen.
Ich würde mich jetzt gerne zu meiner Person, zu meinem Privatleben, Berufsleben und damit auch zu meinem Verhältnis zu Herrn G. und Herrn V. erklären, also mich auch zur Sache einlassen. Zur eigentlichen Sache, zur Abgabe der Schüsse kann ich nichts sagen, weil ich dazu nichts weiß, außer dem, was in der Akte steht.



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