500 Zuhörer: Joachim Gauck liest aus seiner Autobiografie
Rheine Äußerst zahlreich erwiesen die Rheinenser am Donnerstagabend in der Dionysius-Kirche Joachim Gauck ihre Referenz.
Joachim Gauck beeindruckte mit engagiertem Vortrag und klaren Botschaften. (Foto tps)
Wegen großer Nachfrage hatte die Europa-Brücke die Lesung mit dem DDR-Zeitzeugen von der Ignaz-Bubis-Aula in die Stadtkirche verlegt.
"Ich war im Josef-Winkler-Zentrum, aber da war niemand" eröffnete Joachim Gauck humorvoll seine autobiografische Lesung. Norbert Kahle, Geschäftsführer der Europa-Brücke, sowie Jens Spahn, Vorsitzender des Vereins und nicht zuletzt Pastor Bernhard Lütkemöller freuten sich, eine so interessante Persönlichkeit präsentieren zu können. Gut 500 Zuhörer lauschten im kalten Gotteshaus den bewegten Schilderungen eines Lebens im DDR-Regime.
Er sei kein Musterschüler gewesen, eher einer, der auch mal aus der letzten Bank gerufen habe: "Alles Lüge", wenn Stalin-Verherrlichung auf dem Schul-Programm gestanden habe, sagte Gauck. Der Vater sei wie so viele "abgeholt" worden. Und da sei dann auf einmal gefühlsmäßig "Winter im Sommer und Frühling im Herbst" gewesen - so der Buchtitel von Gaucks Biografie-Roman.
Geblieben sei er dennoch im Osten, auch noch als drei seiner vier Kinder in den Westen zogen. "Schließlich müssen ein paar Anständige bleiben", sei die Maxime vieler gewesen. Gehen oder Bleiben wäre dennoch Dauerthema vieler Ostdeutscher gewesen. Der studierte evangelische Theologe habe sich irgendwann in Gegenwelten zurückgezogen.
Die Intensität seines Erlebens schilderte Joachim Gauck so, dass die Zuhörer verstanden, warum am Ende der DDR auch Traurigkeit herrschte. "Denn auf einmal war da eine Sehnsucht nach der alten Sehnsucht nach Freiheit", erzählt Gauck aus der Zeit nach der Wende.
Stehenden Applaus und zahlreiche Signier-Wünsche zollten die Zuhörer am Ende einer sehr gelungenen Lesung einem Mann, der ihnen eine selber erfahrene Geschichte überzeugend und lebendig nahe brachte.










