Mit Sicherheit teurer: TÜV-Pflicht für Rosenmontags-Wagen ärgert Karnevalisten
RHEINE Diesmal kann der Fachbereich Recht und Ordnung kein Auge mehr zudrücken: Jeder Wagen, der am Rosenmontagszug durch Rheine teilnehmen will, muss nach dem Umbau von einem Sachverständigen, beispielsweise dem TÜV, abgenommen werden. Das sorgt für Unmut bei den Karnevalsgesellschaften.
Wer hoch auf dem närrischen Wagen fahren will - hier der Senatorenwagen der KUR - der muss jetzt die gutachterliche Abnahme nachweisen.
MZ-Archivfoto: Huge sive Huwe"Die TÜV-Abnahme kostet uns wenigstens 100 Euro, das können wir uns als kleiner Verein nicht leisten. Das machen wir dieses Jahr noch mit, aber dann nehmen wir nicht mehr am Zug teil", sagt Martin Niemeyer, Präsident der Stadtgarde Rheine.
Rund 400 Euro pro Wagen
Rund 15 Mitglieder tragen bei der Stadtgarde jedes Jahr die Kosten für den Rosenmontags-Wagen. "Das sind 350 bis 400 Euro für den Wagen ohne Wurfmaterial. Da kann ich den Leuten nicht erklären, dass sie jetzt auch noch für den TÜV zahlen sollen", sagt Niemeyer. Welche Kriterien ein Wagen zu erfüllen hat ist bundesweit im "Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen für den Einsatz bei Brauchtumsveranstaltungen" festgeschrieben. Darin ist beispielsweise festgelegt, dass Zugfahrzeug und Anhänger ringsum durch feste Verkleidungen gesichert sein müssen.
Nicht neu - neu ist allerdings, dass ab sofort zu Beginn der Veranstaltung eine Kontrolle der TÜV-Plakette durch die Mitarbeiter des FB Recht und Ordnung erfolgt. Ist die Plakette nicht vorhanden, müssen die Fahrzeuge von der Teilnahme am Umzug ausgeschlossen werden.
"Das galt im letzten Jahr auch schon, aber da hatten wir uns mit der KUR darauf verständigt, keinen Wagen aus dem Verkehr zu ziehen, weil die Bedingung der TÜV-Abnahme zu kurzfristig gestellt worden war", sagt Michael Kramer vom Fachbereich Recht und Ordnung.
Verschärfte Regeln
Das ändert sich jetzt - diesmal werden die schärferen Bestimmungen, die seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg für Großveranstaltungen gelten, kontrolliert und durchgesetzt.
"Für Sicherheit muss gesorgt sein, aber die verschärften Regeln machen es Brauchtumsveranstaltungen nicht leichter", sagt Michael Albers von der Karnevals-Union Rheine (KUR). "Mehr Kosten und mehr Aufwand sind immer schlecht. Spontan einen Wagen zu bauen, werden sich gerade die kleineren Karnevalsgesellschaften oder die Schützenvereine jetzt zweimal überlegen", sagt Albers.
Weniger Wagen?
Dass die Zahl der Wagen durch den gesteigerten finanziellen Aufwand zukünftig abnimmt, will er nicht ausschließen. Das Beispiel der Stadtgarde zeigt, dass genau das passieren könnte. Auch Joachim Strotbaum, Präsident der KG DA-LA-HAU 1951, befürchtet, dass die Kosten für den Wagenbau steigen werden.
"Man ist beim Wagenbau auch darauf angewiesen, ob man Handwerker mit im Boot hat, die z.B. benötigte Materialien zur Verfügung stellen", sagt Strotbaum. Nur: Diese Ressourcen hat nicht jeder Verein und somit könnte die Zahl der geschmückten Wagen zukünftig abnehmen. "Es ist natürlich schöner für das Bild, wenn viele Wagen dabei sind", sagt KUR-Pressesprecher Albers.










