Medienhaus Lensing
12.03.2010 16:24 Uhr
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Forderung der Ärzte: Paralleler Notdienst zum Plan der Kassenärztlichen Vereinigung

OCHTRUP Diagnose: Überlastung. Ärzte auf dem Land sollen entlastet werden. Dafür will die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) ab Februar 2011 die hausärztlichen Notdienste zentralisieren. Doch die Ärzte in Ochtrup sind da skeptisch. Gelinde gesagt.Von Nico Drimecker

„Enttäuscht und sauer“ ist Bürgermeister Hutzenlaub. In Zukunft soll es Notdienste an Wochenenden nur in Notfallpraxen in Rheine und Steinfurt geben. Die KVWL begründet: „Wir wollen erreichen, dass Gebiete mit einer starken Ärzteschaft andere mit wenig Ärzten unterstützen“, sagt die Leiterin der Abteilung Notfalldienst der KVWL Henny Baumgart.

Bürgermeister Hutzenlaub hält dagegen: „Damit wird die Begründung, es gebe nicht genügend Ärzte im ländlichen Raum, ad absurdum geführt.“ Grund: Patienten müssten erst einmal 20 Minuten fahren, um zur Praxis zu kommen. Insbesondere älteren Menschen sei das nicht immer zuzutrauen, meint Hutzenlaub.

Problematische Verbindungen mit Bus und Bahn

Dr. Christian Kalbfleisch, Sprecher der Ochtruper Ärzteschaft, weiß: „Auch wenn argumentiert wird, 20 Minuten seien nicht viel: Nach Rheine muss man ob mit Bus oder Bahn zweimal umsteigen.“ Und wer in Borghorst am Bahnhof ankommt, „muss sehen, wie er vom Bahnhof kommt. Laufen?“ fragt Kalbfleisch zynisch.

Baumgart sieht abgesehen von der Strecke, die den Patienten nun mal zugemutet werden müsse, eine Erleichterung. „Es gibt für alle Patienten eine Anlaufstelle und eine Telefonnummer. Sie müssen in Zukunft nicht mehr nachgucken, wer denn jetzt Notdienst hat.“ Und was „Fußschwache“ angeht, dafür hat Baumgart auch bereits eine Lösung: „Es wird einen Fahrdienst geben. Da ist dann ein Arzt eingeplant, der Hausbesuche macht.“

Örtlicher Notdienst

Doch das ist aus Kalbfleischs Sicht eindeutig zu wenig. „Ein Bezirk von Altenberge bis nach Wettringen – da warten die Patienten ja bis zu einer Stunde auf den Arzt.“ Aus dem Grund wollen die Ochtruper Ärzte einen örtlichen Notdienst führen. „Nicht als Konkurrenz“, betont Kalbfleisch. „Wenn wir das machen, dann eher in Zeitfenstern, samstags zum Beispiel von 10 bis 12 Uhr – wenn die Apotheken noch geöffnet haben.“

So oder so brauchen die Ochtruper Ärzte für einen lokalen Notdienst die Zustimmung der KVWL. Wie wahrscheinlich die ist, dazu sagt Baumgart: „Unsere Reform kann nur funktionieren, wenn das Prinzip flächendeckend durchgesetzt wird.“ Apropos Fläche: „Sowohl für uns Ärzte als auch für die Patienten wäre es besser, nach Gronau zu fahren“, sagt Kalbfleisch. Da gebe es bereits eine kleine Notfallpraxis. „Wir hoffen, die KVWL kommt auf die Idee, eher in die Richtung zu schauen.“

  • INFO: Zum Bezirk, der ab 1. Februar 2011 über zwei Notfallpraxen in Steinfurt und Rheine versorgt werden soll, zählen neben Ochtrup: Altenberge, Emsdetten, Horstmar, Laer, Metelen, Neuenkirchen, Nordwalde, Rheine, Saerbeck und Wettringen. Ochtrup hat zurzeit 22 Ärzte, der Bezirk etwa 270 (Stand: 2007).



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