Nach 126 Jahren: Franz Köster schließt sein Haushaltswarengeschäft
WITTEN In seinem kleinen Geschäft an der Hauptstraße gegenüber des Rathauses hat sich Franz Köster auf Haushaltswaren spezialisiert. Hier gibt es viele Kleinigkeiten, die man sonst nirgendwo findet. Doch bald wird der 83-Jährige seinen Laden schließen müssen.
Seit 126 Jahren bietet die Familie Köster an der Hauptstraße Haushaltswaren an. Nun steht die Firmengeschichte vor dem Ende. (Foto: Haddenhorst)
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Aber rote Gummiringe für Einkoch-Gläser kann man hier noch einzeln kaufen, neben Kuchenformen liegen Kehrbleche, es gibt die „Flotte Lotte“ (ein Passiersieb) und Kirschentkerner. Aber das bunte Sortiment hat große Lücken, denn bald ist Schluss.
"Nicht einfach"
„Es ist nicht einfach aufzugeben. Ware ist ja noch genug da“, sagt Franz Köster, der auf einem Hocker hinter seinem hölzernen Ladentisch sitzt und sich etwas wehmütig umblickt.
Sein Großvater hat das Geschäft mit Eisen- und Haushaltswaren vor 126 Jahren an der Hauptstraße gegründet, der Vater hat es weitergeführt, bis es im Bombenhagel im März 1945 in Trümmer fiel. „Fünf Jahre später haben wir das Haus wieder aufgebaut und 1951 das Geschäft eröffnet. Mein Vater starb im Jahr zuvor“, erinnert sich der Geschäftsmann.
Kein gemeinsamer Urlaub
Seitdem steht Franz Köster jeden Tag im Laden. Wegen Urlaub mal schließen, das gab es nicht. „Als die Kinder klein waren, sind wir getrennt gefahren, meine Frau mit den Kindern oder ich mit den Kindern, damit immer einer im Laden war“, erzählt Köster.
Seit dem Tod seiner Frau führt der Rentner das Geschäft allein. Er macht das gern und kann sich eigentlich gar nicht trennen. Aber zum ersten Mal fiel diesmal das Weihnachtsgeschäft aus, konnte er nicht die alten Lichterketten im Schaufenster zwischen Backformen und Töpfen montieren. „Ich war im Krankenhaus und weiß, dass ich demnächst auch wieder behandelt werden muss“, bedauert Köster.
Pläne für die Zukunft
Mit Sohn und Tochter, die beide nicht das Geschäft der Eltern weiterführen wollten, hat er Pläne gemacht: „Bevor das Ladenlokal vermietet werden kann, muss saniert und renoviert werden. Es gibt Interessenten, die unsere Produktgruppen weiterführen aber auch eigene Ideen verwirklichen möchten.“ Sein Sohn, so Köster weiter, betreibe in Hessen eine Firma für Qualitätssicherungssysteme und wolle im Wittener Elternhaus vielleicht eine Filiale einrichten.
Er selbst möchte die Wohnung über dem Geschäft behalten. Und obwohl noch schwach auf den Beinen hält ihn da nichts, solange die Ware unten im Geschäft auf Kunden wartet. Und Kunden gibt es noch, freut sich der Senior, sowohl alte Stammkunden als auch junge Leute, die etwas für den Haushalt benötigen.





















