Wittener Geschichte: Mit der Straßenbahn von Annen nach Herbede
WITTEN Schienen und Straßenbahnen sind die große Leidenschaft von Hermann Gründer (75). Anfang der fünfziger Jahre entdeckte der Wittener seine Passion - und hat seitdem viele Geschichten zu erzählen.
Auf dem Rathausplatz nach dem zweiten Weltkrieg. Im Hintergrund die Gedächtniskirche. (Repro: Barbara Zabka)
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„Damals waren in Witten zehn unterschiedliche Linien unterwegs“, erinnert sich der Experte. „Von Annen-Nord bis Herbede Markt, von Bommern nach Höntrop und vom Hauptbahnhof zum Münsterplatz in Castrop – beispielsweise.“
Ungewöhnlicher Unfall
Nach Bommern fuhr die Linie 10. Endstation war an der Einmündung der Wengernstraße. Diese Linie wurde bereits im Jahr 1954 stillgelegt. Der Grund war die stark befahrene und dadurch gefährliche Ruhrdeichkreuzung. „Die Situation hat man damals nicht in den Griff gekriegt“, so Gründer weiter.
Auch an einen ungewöhnlichen Unfall erinnert sich der Fachmann. „Es war Anfang 1947. Die Herbeder Ruhrbrücke war zum Teil zerstört. Die Bahn fuhr nur bis zu einem intakten Pfeiler. Irgendwann gab der nach und brach zusammen. Die Straßenbahn rutschte in die Ruhr. Niemand wurde verletzt. Die Firma Rosenkranz hat die Bahn geborgen und in Bommern wieder auf die Schienen gesetzt.“
Ohne Fahrschein unterwegs
Als Schüler ist Gründer oft und gerne Straßenbahn gefahren. „Da konnte man so gut die Schularbeiten machen. Die Bahn schaukelte nicht so wie der Bus“, erinnert er sich. Nachmittags ist Gründer mit Freunden eben Mal nach Herbede gefahren. Immer im Anhänger. Und immer ohne Fahrschein. „Der Schaffner kannte uns und hat beide Augen zugedrückt“, erzählt er weiter.
Im Laufe der Jahre ging das Straßenbahnen-Sterben in Witten weiter. Die Verbindung nach Herbede wurde Ende der sechziger Jahre eingestellt. Im September 1985 wurde die Linie 12 vom Rathausplatz nach Annen-Nord stillgelegt. „Das war ein Fehler und eine voreilige Entscheidung“, findet Hermann Gründer noch heute.
"Zeitalter ist vorbei"
Geblieben ist den Wittenern jetzt lediglich die Linie 310 von Heven-Dorf bis Bochum-Höntrop. Die wird in naher Zukunft sogar erweitert und mit modernen Wagen bestückt. „Das Zeitalter der Straßenbahn ist in der Ruhrstadt trotzdem vorbei“, bedauert Hermann Gründer.





















