Fußball: Oberliga: 1. FC Gievenbeck: Patrick Westphal blickt optimistisch nach vorn

MÜNSTER Für Patrick Westphal bricht das letzte halbe Jahr beim 1. FC Gievenbeck an. Der gebürtige Hanseat und gelernte Schifffahrtskaufmann steht kurz vor seinem BWL-Bachelor, danach wird die Zeit zum Fußballspielen zu knapp, egal wohin es ihn verschlägt. Zuvor aber will er mit dem Oberligisten den Klassenerhalt packen. Warum er von dem überzeugt ist, verrät der 27-jährige Vize-Kapitän im Gespräch.

  • »Die Oberliga für Gievenbeck war ja eher ein Ausrutscher«, sagt Vize-Kapitän Patrick Westphal (M.).

    »Die Oberliga für Gievenbeck war ja eher ein Ausrutscher«, sagt Vize-Kapitän Patrick Westphal (M.). Foto: MünsterView

Ihr Team überwintert als Underdog knapp über dem Strich – ist das einen Glückwunsch wert?
Patrick Westphal: Wenn wir dort am 34. Spieltag stehen, ja. Aber ich glaube, es ist psychologisch schön, gerade für die jungen Spieler. Wir wissen, dass wir uns in der Liga mindestens mit 75 Prozent der Vereine messen können. Außer Wattenscheid war bisher keiner klar besser als wir.

Die Hinrunde hat dennoch gezeigt, wie hart das Geschäft ist, dass es manchmal auch nicht reicht, an die eigenen Grenzen zu gehen. Überrascht Sie das?
Westphal: Wir wussten, was kommt. Oft waren es ja nur Nuancen, die fehlten, wie etwa die Chancenauswertung. Da ist es auffällig, dass ältere Mannschaften abgebrühter sind.

Was muss sich ändern, um die Torgefahr zu erhöhen? Elf Treffer in 16 Spielen sind äußerst wenig.
Westphal: Der Hauptgedanke muss weiter sein, dass wir kompakt stehen. Es dürfen nicht zwei Leute mehr nach vorn rennen, das ginge zu Lasten der Stabilität. Denn auf den einzelnen Positionen hätten wir dann eins-gegen-eins auch gar nicht die individuelle Klasse. Drei, vier Chancen pro Spiel haben wir ja. Wir müssen konsequenter werden, so wie in der letzten Saison, als die Effizienz unglaublich hoch war – ohne viele Möglichkeiten. Oder in Beckum, wo wir mit der einzigen Chance 1:0 gewinnen.

Seit diesem Spiel blieb der FCG achtmal sieglos. Drückt die Serie auf die Stimmung?
Westphal: Eigentlich nicht. Das sieht man im Training. Da ist immer viel Spaß dabei, da wird immer viel gelacht.

Lässt sich an der Tormisere ganz konkret im Training arbeiten?
Westphal: Die Szenen sind ja sonntags da. Aber jede Situation ist anders. Klar gibt es viele Spielformen mit vielen Abschlüssen. Aber die Belastung in den Liga-Partien ist natürlich eine andere als im Training.

Was stimmt Sie optimistisch für die Rückserie?
Westphal: Wir waren ja jetzt schon oft nah dran am Sieg oder an einem Punkt. Jetzt kommen bei den jungen Spielern gelebte Erfahrungswerte dazu. Mir ist keineswegs angst und bange. Wir sind konkurrenzfähig.

Wie sehr schmerzen die jüngsten 0:0-Heimspiele gegen Sprockhövel und Heven, in die Sie große Hoffnungen gesetzt hatten?
Westphal: Solche Partien müssen wir künftig auch mal gewinnen. Wir waren beide Male besser. Wir haben in 180 Minuten keine Torchance zugelassen.

Mit Kapitän Niklas Bonnekessel und Eigengewächs Jonas Dirksen gehen zwei Leistungsträger. Braucht der FCG dringend Verstärkung?
Westphal: Abwarten. Der Verein ist dafür bekannt, dass aus der zweiten Reihe immer gute Leute aufrücken. Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass Janis Hohenhövel Stammspieler wird? Thomas Teupen zum Beispiel kann Bonnekessels Position übernehmen. Er spielt griffig und aggressiv. Wenn aber einer auf dem Markt ist, der zu uns passt und finanzierbar ist, dann wäre es nicht schlecht.

Müsste es eine erfahrene Kraft sein oder wäre die in das funktionierende Kollektiv schwer zu integrieren?
Westphal: Generell ist bei uns jeder leicht zu integrieren. Die Frage ist eher, ob ein Regional- oder Oberliga-erfahrener Spieler ins Anforderungsprofil passt. Das kann man fast schon ausschließen.

Können Sie Spiele gegen Traditionsvereine wie Wattenscheid, Gütersloh oder Herne eigentlich genießen oder ist der Druck im Abstiegskampf dafür zu groß?
Westphal: Ich kann nur für mich sprechen, aber von außen spüre ich da wenig Belastung. Die Oberliga für Gievenbeck war ja eher ein Ausrutscher, das ist eher positiver Druck. Und auf dem Platz ist es ja Elf gegen Elf, da nimmt man die Rahmenbedingungen gar nicht so wahr.

Erschwert es den Umgang mit fehlenden Siegen, dass fast alle Spieler in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnt waren?
Westphal: Wir machen uns die Situation bewusst, dass wir finanziell nicht in die Liga gehören. Wir dürfen nicht die sieglosen Tage zählen, das wäre gerade bei den bisherigen Junioren kontraproduktiv. Aber da passt Trainer Maik Weßels schon sehr gut auf.

Jetzt geht’s in die Halle. Sind Sie am Ball?
Westphal: Ich wäre ab der Zwischenrunde aus Hamburg zurück, die sollten wir erreichen. Ich hatte das eigentlich wegen einer Knöchelblessur nicht vor, aber das Turnier hat mir bisher immer Spaß gemacht.

Als Sie vor dreieinhalb Jahren vom Hamburger Regionalligisten Altona 93 kamen, suchten Sie einen Verein, um noch spaßeshalber zu kicken. Jetzt ist es doch wieder die fünfte Liga. Das war anders geplant, oder?
Westphal: Die Westfalenliga war damals schon konkret, aber eine Klasse höher – nein. Doch die Entwicklung hier ist so gut, junge Leute entwickeln sich schnell zu Stammkräften, zum Beispiel Tobias Nubbemeyer ganz aktuell. Da steckt eben viel Potenzial.

Ist der Aufwand für diese Erfolgsgeschichte mit dem Studium zu vereinbaren?
Westphal: Ich muss schon meinen Tagesablauf anpassen, es kostet viel Substanz. Aber wir machen das alle gerne.

Im Beruf oder wie bei Ihnen im Masterstudium wird es dann aber schwierig. Sehen wir Sie ab Sommer dann bei, sagen wir, BW Aasee?
Westphal: Ich höre in Gievenbeck auf, das steht fest. Die Doppelbelastung wäre zu groß. Für den Master habe ich mich überall beworben, auch im Ausland. Wenn ich in Münster bleibe, könnte Aasee tatsächlich interessant sein. Da spielen viele meiner Kommilitonen.
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