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Washington (dpa) Es war rund eine Stunde vor Anbruch des neuen Jahres, als Vizepräsident Joe Biden im Washingtoner Kapitol strahlend aus einem Konferenzraum kam.
Vizepräsident Joe Biden hatte sich in die Verhandlungen eingeschaltet. Foto: Jim Lo Scalzo/Archiv (Foto: dpa)
Gerade hatte er seinen Parteifreunden im Senat den Deal verkauft, den Kompromiss im US-Haushaltsstreit, der die Wirtschaft vor einem drohenden Absturz bewahren soll.
Der Republikaner Mitch McConnell ist eher verschlossen, er vermeidet es, nach außen allzu viel Emotionen zu zeigen. Und dennoch klang es diesmal dramatisch, als der Fraktionschef der Republikaner den Senat beschwor, grünes Licht für die Vereinbarung zu geben. Die Senatoren taten es, mit überwältigender Mehrheit.
Biden und McConnell hatten es wieder einmal geschafft: Zwei 70 Jahre alte politische Hasen stellten nach langem nervenzehrendem Tauziehen einen Kompromiss auf die Beine, der noch kurz vorher schon fast unmöglich schien. Zum dritten Mal in kurzer Zeit exerzierte das Duo vor, dass auch in einem politisch derart konfrontativen Klima wie dem Washingtoner gemeinsame Schritte möglich sind - wenn man es versteht, miteinander zu reden.
Schon vor zwei Jahren, Ende 2010, hatten die beiden langjährigen früheren Senatskollegen einen heftigen Streit um auslaufende Steuererleichterungen entschärft. Dann kam der Showdown um eine Erhöhung der Schuldenobergrenze im Sommer 2011, der die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte. Wieder waren es Biden und McConnell, die als Troubleshooter das Ruder gerade noch rechtzeitig herumreißen konnten.
Dabei sind die zwei keine «Power Player» aus der ersten Reihe, sie spielen sozusagen eine zweite Geige. Biden ist Obamas Vize, McConnell Chef der Minderheit im Senat. Aber «schiere Macht» sei offenbar manchmal weniger wirksam als die persönliche Fähigkeit von zwei Menschen zusammenzuarbeiten, formulierte es die «Washington Post».
Biden und McConnell kennen sich praktisch in-und auswendig, nach 24 gemeinsamen Jahren im Senat - als Rivalen, aber auch oft als Freunde, vor allem aber als nüchterne Kollegen, die sich jenseits aller politischen Differenzen respektieren, wie es in Kongresskreisen heißt. «Es ist nicht so sehr ein Kameradending», zitiert die «Washington Post» einen Kongressmitarbeiter. «Die beiden sind in der Lage, Geschäfte zu machen. Sie können zusammen Lösungen finden.»
Demnach schätzt McConnell Biden als einen Mann, der schnell Entscheidungen treffen und Vereinbarungen erzielen könne, ohne die andere Seite zu belehren. Biden seinerseits möge an McConnell, dass er realistisch sei und keine Versprechungen mache, die er nicht halten könne.
Dabei könnten die beiden Männer nicht unterschiedlicher sein - auch äußerlich. Der weißhaarige Biden lacht gern, zeigt oft seine blendend weißen Zähne und hat einen Hang zum Unkonventionellen - wie etwa während des jüngsten Präsidentenwahlkampfes, als er sich mit einer Rockerbraut auf dem Schoß ablichten ließ. Und mit seinem losen Mundwerk hat er seinen Boss Barack Obama schon mehr als einmal in Verlegenheit gebracht.
McConnell mit seinen dicken Brillengläsern wirkt dagegen oft etwas säuerlich, strahlendes Lachen zählt nicht zu seinen Markenzeichen. Stattdessen gilt er als reserviert, überlegt und nüchtern. Eine Rockerbraut in Leder auf seinem Schoß wäre jedenfalls kaum vorstellbar.
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