Kinofilm "Hugo Cabret": Die gute alte Zeit
Ein nostalgischer Blick in die gute alte Zeit. Das Kino spielt Chaplin, Harold Lloyd und D.W. Griffith. Paris schwingt im gemütlichen Schunkel-Rhythmus der Akkordeonmusik. Die Uhren tickten anders in den 20er Jahren. Martin Scorseses neuer Film "Hugo Cabret" ist eine Liebeserklärung an das Zeitalter der Mechanik.
Zitat aus den Kindertagen des Kinos: Wie einst Harold Lloyd hängt nun Asa Butterfield an einer Riesen-Uhr. (Foto: Jaap Buitendijk/Paramount)
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Immer wieder sehen wir das Innenleben von Chronometern. Hämmerchen, Schwungfedern, Zahnräder: Mit "Hugo Cabret", der für elf Oscars nominiert ist, reisen wir in die Epoche vor der digitalen Beschleunigung.
Ein Touch von Retro-Seligkeit liegt über der Geschichte des Waisenjungen Hugo, der am Bahnhof Montparnasse die Uhrwerke ölt und den Stationsvorsteher (Sacha Baron Cohen) foppt. Hugo (Asa Butterfield) könnte einem Roman von Dickens entsprungen sein. Sein Vater (Jude Law) ist tot. Ein Onkel nimmt den Jungen auf, entpuppt sich aber als Trunkenbold. Allen Härten zum Trotz taucht der Film Hugos Leben in mildes Weichzeichner-Licht.
Erlesene Fotografie, exquisite Ausstattung (Dante Ferretti) und eine 3D-Optik, die nicht zum Selbstzweck gerät, lassen uns den Puls einer verflossenen Zeit spüren. Mehr noch als die Story ist es die gefühlsmäßige Annäherung an eine letzte Belle Epoque, die von "Hugo Cabret" bleibt. Erzählerisch nämlich verläuft sich Scorsese in Langatmigkeit.
Zaubermaschine
Er legt eine Mystery-Fährte, die wenig spektakulär versandet, bevor er sich an die Fersen des Film-Pioniers George Méliès (1861-1938) heftet. Vor dessen frühen Werken ("Die Reise zum Mond", 1902) macht Scorsese einen Diener, wenn er bis ins Detail die Dreharbeiten in Méliès' Studio nachstellen lässt.
Faszinierendes Kuriositäten-Kabinett
Scorsese huldigt der Zaubermaschine Kino, wenn auch auf Kosten der Spannung. Am Besten goutiert man "Hugo Cabret" als märchenhaftes Kuriositäten-Kabinett. Vom Vater bekam Hugo einen Roboter, einen Schreibautomaten. Welche Botschaft wird er zu Papier bringen? Welches Geheimnis hütet der alte Mann (Ben Kingsley) in der Spielzeughandlung? Solche Fragen generieren ein wenig Kitzel, der Rest ist pralles, ja faszinierendes Augenfutter. Ab 9. Februar im Kino.







