Bösch inszeniert "Die Ratten": Drama im Fantasie-Milieu
BOCHUM Im Schauspielhaus Bochum sind die gesellschaftlichen Unterschiede einfach weggesprengt. In der Wand, die die Figuren aus Gerhart Hauptmanns "Die Ratten" trennt, klafft ein riesiges Loch. Da hausen sie: zerlumpte Gesellen, denen das Leben ein ewiger Kampf ist, den man manchmal verliert.
Katharina Linder als Frau John. (Foto: Küster)
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Vor allem in der ersten Hälfte von David Böschs Inszenierung ist dieser Kampf eine schrille Farce. Von Hauptmanns Naturalismus bleibt nur ein Fantasie-Milieu zwischen Mülltonnen und verstaubten Theaterfundus-Resten. Hier versuchen sich Maja Beckmann und Katharina Linder als Pauline Piperkacka und Frau John am polnischen beziehungsweise Berliner Dialekt. Frau John will dem Dienstmädchen das ungeborene Kind abkaufen, nachdem sie ihr eigenes verloren hat. So nimmt das Unheil seinen Lauf.
Das Ensemble agiert dabei allerdings derart deftig und derbe, dass es die Tragik der Figuren verstellt. Und der Witz des als Tragikomödie angelegten Stücks bleibt im Halse stecken, weil er aus so viel schreiendem Elend und mit brutaler Energie gewürzt ist.
Theaterreflexion
Amüsant ist Böschs Inszenierung vor allem in der Theaterreflexion: Matthias Eberle als junger Erich Spitta zeigt schon im Vorspiel, was er in der Folge häufiger machen wird: sich zum Affen. Als er das "neue Theater" ausruft und es nicht mit Inhalt füllen kann, ruft er die ehemaligen Bochumer Intendanten an. Da spuckt das Bühnenbild Staub und Manfred Böll, hervorragend besetzt als ehemaliger Theaterdirektor Hassenreuter, scheitert am Versuch, mit den neuen Theatermitteln zurückzuschlagen: Das Megaphon verstärkt nicht seine Stimme, sondern schlägt Alarm.
Exzellentes Ensemble
Wirklich zu Herzen geht der zweite Teil, wenn Bösch einfällt, dass es ja auch noch eine vielstrangige Geschichte zu erzählen gibt. Die lebt dann von vielen Momenten des bis in die Nebenrollen exzellenten Ensembles: Da gefällt etwa die Kristina-Maria Peters als Selma Knobbe, die sich kurz aber heftig aus dem Sumpf ihrer drogenabhängigen Mutter erheben will. Raiko Küster entlockt dem Hausmeister Quaquaro ungeahnte Gefühlsmacht. Und Katharina Linder heimst für ihre verzweifelt-kämpferische Frau John den meisten Applaus ein.
Termine: 4./10./17./27.2.; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.







