Medienhaus Lensing
02.01.2013 17:35 Uhr
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Serie Welterbe: Folge18: Erfolgreicher Kampf um die Siedlung Eisenheim

OBERHAUSEN Die Hecken sind zu hoch. Die Mülltonnen gehören hier auch nicht hin. Prof. Roland Günter ärgert sich über solche Details. Schließlich ist die Siedlung Eisenheim in Oberhausen nicht irgendeine, sondern gilt als die älteste Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet. Und außerdem ist es zu großen Teilen Günter zu verdanken, dass es diese Siedlung überhaupt noch gibt.Von Anna Altfelix

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Prof. Roland Günter war maßgeblich an der Rettung der Siedldung Eisenheim in den 70er-Jahren beteiligt.  (Foto: Altfelix)

Mit ihrem Baubeginn um 1845 ist die Siedlung Eisenheim eine der ältesten erhaltenen Arbeitersiedlungen Deutschlands. Die Bergwerke der Gutehoffnungshütte errichtete die Häuser zuerst für ihre Hüttenarbeiter, dann auch für Bergleute.

Eine Besonderheit, wie Roland Günter sagt: "Das hier ist die einzige Siedlung, die beide Arbeitergruppen hatte."

Fünf Ebenen

Günter teilt Eisenheim in fünf Ebenen: die sozial-historische, die Ebene des Kampfes um die Erhaltung, die Infrastruktur mit Volkshaus, Kinderhaus und Volksmuseum und die poetische Dimension, die heute zum Tragen kommt: künstlerische Orte wie der "blaue Turm der vielen Bücher", den Günter 2003 als Bibliothek und Ort der Begegnung gebaut hat.

Er beherbergt das Archiv zu Eisenheim, das der Kunst- und Kulturhistoriker pflegt.

Vier Bauphasen

51 Häuser und 186 Wohnungen waren es einst, Günter unterscheidet vier Bauphasen: 1846, 1865/66, 1872 und 1897-1903. Um die Jahrhundertwende lebten etwa 1200 Menschen in Eisenheim. 38 Häuser sind heute erhalten. Drei Straßenkarrees bilden die Siedlung.

Fotostrecke Siedlung Eisenheim


Es gibt eineinhalb- und zweigeschossige Doppelhäuser und die Viererblocks mit Kreuzgrundriss. "Dieser Häusertyp stammt aus den englischen Industriestädten, es gibt an jeder Seite einen Eingang", sagt Günter. Die Viererblocks sind umgeben von Gärten.

Abriss der Siedlung

Während des Zweiten Weltkriegs werden mehrere Häuser völlig zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Mitte der 50er-Jahre geraten viele Bergwerke in die Krise.

Das Interesse an den Siedlungen erlischt, umso mehr als es für Neubauten satte öffentliche Zuschüsse gibt. 1958 beschließt die Bergbau AG den Abriss der Siedlung, stattdessen soll eine "Siedlung modernster Art" gebaut werden.

Gerüchte kursieren

Die Eisenheimer sind über die Pläne lange im Unklaren, Gerüchte machen die Runde. 1961 kursiert eine Unterschriftenliste gegen den Abriss.

Roland Günter ist da gerade Professor an der Fachhochschule Bielefeld. Mit anderen Dozenten und Studenten kommt er 1972 nach Eisenheim.

Erste Arbeiterinitiative

Die Bewohner organisieren sich, es entsteht die erste Arbeiterinitiative im Ruhrgebiet. Zwei Jahre später kämpfen 50 Bürgerinitiativen für den Erhalt der Siedlung. "Der Kampf in den Jahren 1972 bis 1977 war der härteste, den man sich vorstellen kann", sagt Günter.

So hart, dass er 1974 mit seiner Frau und den beiden Töchtern von Bonn nach Eisenheim zieht. Er setzt sich dafür ein, dass Eisenheim auf sanfte Weise modernisiert wird und im Bestand erhalten bleibt.

Alle Häuser vermietet

Die Proteste haben Erfolg: Noch 1972 wird mit Eisenheim die erste deutsche Arbeitersiedlung unter Denkmalschutz gestellt. 1975 fällt im Stadtparlament der einstimmige Beschluss, die Siedlung zu erhalten und zu sanieren.

Heute ist das alles sehr weit weg. Die Siedlung liegt friedlich da, alle Häuser sind vermietet. "Wo kann man so gut leben wie hier?", fragt Roland Günter. Es ist eine rhetorische Frage.
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