Oper: "Cosi fan tutte": Lust-Spiel um die Liebe
DORTMUND Was machen sie und wann? Wer liebt wen? Warum ist egal. Solche Schlüsselloch-Fragen interessieren Menschen, die anderen beim Privatleben zuschauen. Sei es im Big Brother-Container oder im Dschungelcamp. Und sie interessierten Mozart, der die These aufgestellt hat: "So machen es alle Frauen" - "Cosi fan tutte".
Ferrando (Lucian Krasznec, Mitte) und Guglielmo (Gerardo Garciacano, r.) wetten mit Alfonso (Christian Sist), dass sie als verkleidete Araber Dorabella (Ileana Mateescu, l.) und Fiordiligi (Eleonore Marguerre) verführen können. (Foto: Schaper )
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Der Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog hat die letzte der drei Da Ponte-Opern vor acht Jahren am Staatstheater Mannheim herausgebracht und diese Inszenierung nun nach Dortmund geholt. Die Premiere am Samstag feierte das Publikum stehend mit Ovationen: Die wundervollen Mozart-Stimmen, die so vorzüglich harmonieren, als sänge dieses Ensemble schon ewig zusammen und aus dieser "Cosi" ein Mozart-Fest machen, und die tolle Inszenierung, die man sich sehr gerne mehrfach anschauen möchte.
Kurzweilige Geschichte
In den 1950er Jahren siedelt Herzog die dreistündige, kurzweilige Geschichte an. In einer Art Opernfoyer (schöne Ausstattung und Kostüme: Mathis Neidhardt) macht Don Alfonso, der Aufklärer in dieser "Schule der Liebenden" und Regisseur der Intrige, die Wette mit seinen Freunden Guglielmo (Gerardo Garciacamo) und Ferrando (Lucian Krasznec) um die Treue der Frauen öffentlich. Die Schwestern sind zur Schau gestellt in einem Zimmerchen und wagen erst am Ende des ersten Aktes zaghaft einen Schritt aus dem privaten Raum ins Leben, in den öffentlichen Raum.
Viel Komödien-Aktion
Ein Lust-Spiel um die Liebe mit viel komödiantischer Aktion ist Herzogs Inszenierung. Bariton Garciacano und Lucian Krasznec, der mit schönem, lyrischen Mozart-Tenor singt, spielen die Freunde als temperamentvolle Italiener, Ileana Matessscu ist eine lebenslustige Dorabella und Eleonore Marguerre die sanftere, aber für die Treue zunächst hitzig streitende Fiordiligi - eine Idealbesetzung mit wunderbarer, reiner und biegsamer Mozart-Stimme: Koloratursicher und sehr ausdrucksstark. Und wie Eleonore Marguerre es schafft, bei ihrer großen "Felsenarie" furienhaft die Verführer mit Schuhen zu bombardieren, ist bewundernswert.
Das überdreht Komödiantische in dieser "Verbotenen Liebe", die eine Vorabend-Opernsoap sein könnte, stellt Herzog im ersten Akt lustvoll heraus und mischt im zweiten Akt in die Komödie sehr schön die Tragödien-Töne. Ein Spaß sind auch die amüsanten Übersetzungen in der Übertitelung.
Flirt mit dem Dirigenten
Julia Amos (mit substanzvoller Soubretten-Stimme) ist als Kammerzofe Despina ein Mädchen, das mehr im Leben steht als ihre Chefinnen. Keck geht sie auch im Orchestergraben auf Männerfang und verführt den Dirigenten. Christian Sist ist als Alfonso mehr der seriöse Lehrmeister als ein Buffo-Strippenzieher.
Die Dortmunder Philharmoniker unter dem ausgezeichneten Dirigat von Motonori Kobayashi spielen im höher gefahrenen Graben, klingen dadurch präzise und präsent.







