Im Kino: Sextourismus im "Paradies Liebe"
Auf der Liege braten Touristinnen aus Österreich, Matronen um die 50, schon deutlich aus dem Leim gegangen. In Blickrichtung aufgebaut haben sich junge Afrikaner, knackige, sportliche Typen, die ihre Körper zu Markte tragen.
Teresa Margarethe Tiesel, r.) und eine Freundin (Dunja Sowinetz) versuchen, den Hotelangestellten in Kenia für österreichische Sprichwörter zu begeistern. (Foto: Neue Visionen Filmverleih)
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Fleischbeschau am Strand von Kenia. Angebot und Nachfrage. Beachboys und Sugarmamas. Sex gegen Geschenke.
Die Damen zahlen und wissen, was sie dafür bekommen: "Wie die Haut von die Neger riacht. Dös is a Wahnsinn. Da könnt i süchtig nach werden!"
Sextourismus
"Paradies: Liebe" hat der Österreicher Ulrich Seidl seinen neuen Film sarkastisch betitelt, der das Thema Sextourismus von ungewohnter Seite gewohnt gnadenlos ausleuchtet.
Ein Trauerspiel im Gewand einer bitterbösen Beinahe-Komödie, in der so viele Momente des Fremdschämens vorkommen, dass das Lachen zum hilflosen Abwehrreflex wird.
Tauschobjekt Zätzlichkeit
Seidls Filme ("Hundstage", "Import Export") markieren das Gegenteil von "Wohlfühl-Kino". Seidl zwingt uns in ein Gruselkabinett menschlicher Deformierungen.
Wo Zärtlichkeit ein Tauschobjekt ist, wo Herrenmenschen für Geld die Puppen tanzen lassen und Käufer wie Gekaufte nur Verachtung füreinander haben. Ob Thailand oder Kenia - Sex ist die neue Kolonialware.
Seidel der Moralist
Seidl ist ein Moralist. Einer der nicht offen predigt, sondern einfach bloß hinschaut, so lange und genau, dass es weh tut. Teresa (großartig: Margarethe Tiesel) reist zum ersten Mal nach Kenia.
Noch hat sie zwischen Exotik und Erotik nicht gewählt, andere Damen helfen ihr auf die Sprünge.
Die halten sich einen festen Boy und kennen die Regeln. Schäkern an der Bar, taxieren das Angebot, reißen Witze über ihr "Wellfleisch", das in Afrika keine Rolle spiele.
Ausgehungert
Bald hat auch Teresa einen Begleiter. Der sie einlullt, mit ihr ins Bett geht und sie ausnimmt nach Strich und Faden. Wie ausgehungert und einsam muss diese Frau sein, dass der Groschen bei ihr nicht fallen will?
Eifersüchtig sucht sie den Strand nach ihrem Lover ab. Fast tut sie uns leid.
Gallig und bissig
Dann demütigen die drallen Tanten einen Stripper, und das ist dermaßen peinlich, dass man nicht weiß, wer ärmer dran ist: Die Afrikaner oder die Gefrusteten, die in Kenia über die Stränge schlagen?
Ein Meisterstück vom galligsten und bissigsten Elends-Chronisten des deutschsprachigen Kinos.








