Medienhaus Lensing
01.01.2013 11:56 Uhr
Schriftgröße: A A A

In der Walhalla ist (fast) kein Platz mehr frei

Donaustauf (dpa) Jedes Jahr steigen Massen von Touristen den Hügel zur Walhalla im Donautal bei Regensburg hinauf. Ihr Ziel: Das Innere des Säulentempels mit Büsten deutscher Persönlichkeiten. Nach 170 Jahren wird es aber nun eng in der Ruhmeshalle.Von André Jahnke, dpa

«
1/1
»

Die Büsten deutscher Persönlichkeiten müssen zusammenrücken. Foto: Armin Weigel (Foto: dpa)

Artikel aus diesem Ressort
BVB-Fieber in Wembley und Dortmund: Wie ist die Stimmung bei den Fans in London? Was passiert in der Heimat? Mit uns verpassen Sie nichts: Unsere Reporter tickern rund um die Uhr und live vor Ort.

Eindrucksvoll thront die Walhalla über dem Donautal. Der Säulentempel in Donaustauf bei Regensburg - im griechischen Stil erbaut - zählt zu den bekannten Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Der Bauherr, der bayerische König Ludwig I., wollte damit eine Ruhmeshalle für «bedeutende Persönlichkeiten teutscher Zunge» errichten. Seitdem erinnern 130 Büsten und 65 Gedenktafeln an Geistesgrößen der Vergangenheit. 170 Jahre nach der Fertigstellung des Bauwerks wird es nun jedoch eng im Inneren der Walhalla. Es sind nur noch wenige Büstenplätze frei.

«Einen Anbau wird es sicherlich nicht geben», betont der Leiter des Staatlichen Bauamtes Regensburg, Hans Weber. Schließlich handele es sich bei der Walhalla um ein außergewöhnliches, denkmalgeschütztes Gebäude. «Noch sind aber auch drei oder vier Plätze frei. Und die Büsten können auf dem Sims auch noch etwas zusammengeschoben werden, um Platz zu schaffen.»

Zuletzt entschied der bayerische Ministerrat 2006 über die Ehrung von drei Persönlichkeiten: Carl Friedrich Gauß, Edith Stein und Heinrich Heine. «Normalerweise kommt ein solches Verfahren alle fünf bis sieben Jahre in Gang. Es könnte also bald wieder so weit sein», sagt Ellen Latzin von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Ein neues Verfahren ist zwar noch nicht eingeleitet worden, eine Vorschlagliste mit mehr als 100 Persönlichkeiten gibt es nach Angaben des Wissenschaftsministeriums aber bereits. Bekannte Namen stehen drauf, etwa der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der Schriftsteller Franz Kafka, die preußische Königin Luise, die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Nietzsche oder die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Hatte zu Lebzeiten des Königs nur Ludwig I. selbst das Recht, eine Person zu bestimmen, so darf nun jeder einen Vorschlag machen. Die Kosten für die Büste muss der Antragsteller allerdings selbst übernehmen.

Bei der Auswahl hilft die Akademie der Wissenschaften. «Eine Arbeitsgruppe von Geistes- und Naturwissenschaftlern bewertet die Kandidaten und macht Vorschläge», erklärt Latzin. Nach Vorgaben König Ludwigs I. muss der Kandidat der germanisch-deutschen Sprachfamilie angehören und Herausragendes geleistet haben. Zudem wird eine zu ehrende Persönlichkeit frühestens 20 Jahre nach ihrem Tod aufgenommen.

Außerdem soll die bisherige Dominanz der Männer in der Ruhmeshalle ausgeglichen werden. Derzeit sind unter den insgesamt 195 Büsten und Gedenktafeln lediglich zwölf für Frauen. Daher berücksichtigte der bayerische Ministerrat in der jüngeren Vergangenheit vermehrt weibliche Persönlichkeiten.

Nicht jeder übrigens wollte in die Walhalla: Heinrich Heine etwa, dessen Büste 2010 aufgestellt wurde, hatte zu Lebzeiten für die Ruhmeshalle nur Spott und Häme übrig. Niemals wollte der Dichter in die «marmorne Schädelstätte». Geholfen hat es nichts.

Meistgelesen | Kultur

Oper von Richard Strauss im Theater Münster

1

Die missbrauchte Salome

Salome (Anna Seiltgen) mit dem Kopf des Jochanaan.

MÜNSTER Sie funkelt in ihrem hochgeschlitzten Glitzer-Abendkleid wie tausend Diamanten, wirkt schrecklich entblößt im hautfarbenen Hemdchen, steht am Ende blutbesudelt da: Salome macht in der Inszenierung von Georg Köhl eine rasante Metamorphose durch. Und Annette Seiltgen spielt und singt diese strapaziöse Mörderpartie so berauschend, authentisch und aufwühlend, dass sie zu Tränen rührt. In die „Salome“ des Theaters Münster muss man Taschentücher mitnehmen. mehr...

Im Kino

2

Seidls "Paradies: Hoffnung"

Liebe ohne Hoffnung? Melanie (Melanie Lenz) hat ein Auge auf den Diät-Arzt (Joseph Lorenz) geworfen.

Da ist er wieder, Ulrich Seidl. Der beißend sarkastische Moralist, dessen Filme nur ein Thema kennen: die Misere des Menschen, seine Instrumentalisierung nach Kosten und Nutzen, seine bemitleidenswerten Versuche, sich zu trösten. Mit „Paradies: Hoffnung“ legt Seidl nun den Abschluss seines Familien-Triptychons vor. mehr...

Kriegsstück

3

Borchert-Theater probt für Ruhrfestspiele

Beim »Jugendtag 1913« entladen sich die unterschiedlichen politischen Ansichten der jungen Leute in wüsten Fesselaktionen (v.l.): Mara S. P. Stroot, Sven Heiß, Florian Bender und Emanuel Fleischhacker bei der Probe im Garten-Center.

MÜNSTER Der Erste Weltkrieg bricht in einem Gewächshaus in Münsters Loddenheide aus. Dort proben Borchert-Intendant Meinhard Zanger und seine Schauspieler für ihren großen Auftritt bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen: Oliver Bukowskis Tragikomödie „Wer ist die Waffe, wo ist der Feind“ wird am Donnerstag (23. Mai) in der Halle König Ludwig 1/2 uraufgeführt. mehr...

Champions-League-Finale

4

"Mia san Mia": So klingt Lorin Maazels Bayern-Hymne

Auch den Fan-Chor auf der Empore dirigierte Maestro Lorin Maazel im Bayern-Trikot

MÜNCHEN Mit Beethoven und Bruckner kennt sich Lorin Maazel bestens aus. Mit den Bayern und dem BVB weniger. Auf seiner Facebook-Seite ist der 83-jährige amerikanische Dirigent im Trikot des FC Bayern als Spielführer seiner Münchner Philharmoniker zu sehen. mehr...

Philharmonie Essen

5

John Neumeiers Tanz um den schwarzen Flügel

Die Choreografie "Kinderszenen".

ESSEN John Neumeiers Hamburg Ballett begeisterte am Freitag in der Essener Philharmonie mit kleineren Arbeiten des Meisterchoreografen: drei in den 1970er-Jahren entstandenen Balletten und einer Uraufführung. mehr...

Sehenswert

Theater in der Region

Welche Inszenierung Sie unbedingt gesehen haben müssen, auf einen Blick. mehr...

Rundgang

Ausstellungen in der Region

Von Malerei bis Fotografie: Ein Rundgang durch diese Ausstellungen lohnt sich. mehr...

Hörenswert
Konzert

Konzerte in der Region

Egal ob Operette, Oper oder Philharmonie: Welche Konzerte sich wirklich lohnen. mehr...

Kontakt | Impressum | AGB | Nutzungsbasierte Onlinewerbung | Datenschutz

Weitere Angebote aus dem Medienhaus Lensing:
RuhrNachrichten.de | MuensterscheZeitung.de | DorstenerZeitung.de | HalternerZeitung.de | GrevenerZeitung.de | MünsterlandZeitung.de
Heja-BVB.de | Nahraum.de | Immomia