Neujahrskonzert in Münster: Aufregende Fata Morgana
MÜNSTER Ein Glück, dass Fabrizio Ventura vor seiner Zeit in Münster der Generalmusikdirektor von Istanbul war. So stellte er genau den richtigen musikalischen Fremdenführer für das Neujahrskonzert dar.
Götz Alsmann geriet gewaltig in Fahrt. (Foto: Rüdiger Wölk)
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Die Werke europäischer Komponisten waren es auch, die die Zuhörer zurückholten, um ihnen eine abendländische Sicht auf das Morgenland zu zeigen. Das blendend herausgeputzte und aufgelegte Sinfonieorchester machte von Anfang an klar, dass es sich in allen Kulturen bestens auskennt.V
or allem die Holzbläserabteilung zwitscherte so präzise und filigran, dass es eine pure Freude war. Im arabischen Tanz von Edvard Grieg wanden sie sich wie elegante Schlangen aus dem Flechtkorb der Streicher empor, und der Beschwörer Ventura ließ sie ganz sanft wieder zurückgleiten. Nicht ganz so elegant wie gewohnt schwang sich an diesem Abend Henrike Jacob in die Sopran-Höhen der indischen Priesterin Lakmé hinauf.
Doch ab und an blieb man auch im alten Europa, so klang zum Beispiel die Ouvertüre zu Rossinis „Italienerin in Algier“ passenderweise mehr italienisch als algerisch. Definitiv kein Trug war die instrumentale Leichtigkeit beim „Fata-Morgana-Walzer“ von Johann Strauß. So schön hat der Wüstenwind noch nie geweht.
Freude der Männer
Was fürs Auge gab es in diesem Reiseführer auch: Mussorgskys Tanz der persischen Sklavinnen wurde zur deutlich hörbaren Freude einiger männlicher Besucher physisch von der Bauchtänzerin Niloofar gedeutet – in einer sehenswerten Mischung aus Körperbeherrschung und Erotik. Götz Alsmann hatte nach dieser Darbietung natürlich einen flotten Spruch parat: „So, Kinder, nicht nachmachen.“
Am Anfang brauchte dieser Scheich der frechen Moderationen ein bisschen, um in Fahrt zu kommen. Doch spätestens in Verbund mit der Götz-Alsmann-Band war der Entertainer nicht mehr aufzuhalten. Da gab es reißerische Schlager mit ebenso reißerischen Titeln wie „Ich hab dir aus Ägypten einen Kaktus mitgebracht“, zu denen Kleopatra in ihrem Sarkophag tanzte. Als die Band ganz vergnügt ins „Café Oriental“ einlud, echote das Sinfonieorchester im Chor „orientaaal“.
Dunkler Schleiertanz
Doch irgendwann bekamen auch die Sinfoniker Heimweh. Schön wehmütig klang daher Paul Linkes „Es war einmal“. Später in der Saison geht es allerdings noch einmal nach Jerusalem – dann steht „Salome“ auf dem Spielplan. Eine Kostprobe gab es mit dem Schleiertanz aus dieser Oper von Richard Strauss. Das Sinfonieorchester streifte dafür die Hüllen der lieblichen Melodien ab und deckte schonungslos dunkle Abgründe auf. Als Wiedergutmachung ging dann aber über der morgendlichen „Blauen Donau“ wieder die Sonne auf. Das Publikum bedankte sich begeistert, nach dem Radetzkymarsch gab es Standing Ovations.







