Theaterparodie: Die kerlige Kriemhild
MÜNSTER Siegfried, der Drachentöter und stolze Recke des deutschen Waldes, hat in Münster ein Identitätsproblem. Denn er ist gleichzeitig Brunhild.
Mit dem Drachen hatte Siegfried (Helge Salnikau) leichtes Spiel, mit den Frauen wird es problematisch. (Foto: Manuel Jennen)
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Wüstes Drama
Das Stück ist wahrlich ein wüstes Drama, dichter am Original des Nibelungenliedes als Richard Wagners prüdere „Götterdämmerung“.
Der Wormser König Gunther möchte die isländische Königin Brunhild heiraten. Doch die nordische Kriegerin mit dem Keuschheitsgürtel nimmt nur einen Mann, der sie im Kampf besiegt hat. Da Gunther ein Schlaffi ist, muss Siegfried diesen Job für ihn mit seiner Tarnkappe erledigen. Und weil Gunther es auch im Schlafzimmer nicht schafft, Brunhild den Keuschheitsgürtel zu entreißen, übernimmt Siegfried im Schutze der Dunkelheit diese Aufgabe gleich mit. Was Siegfrieds Gattin Kriemhild sehr verdrießt. Tod und Verderben nehmen ihren Lauf.
Ute backt Kuchen
Ein großartiges Stück für drei Männer. Helge Salnikau ist Siegfried und Brunhild, Zeha Schröder spielt Kriemhild und den intriganten Hagen, Marcell Kaiser ist König Gunther und die Kuchen backende Königinmutter Ute. Im Notfall müssen die Nibelungen-Kerle sich selbst den Keuschheitsgürtel entreißen.
Auf billige Perücken verzichtet man diesmal, weil die Haare in den Kämpfen durch die Gegend flogen. Stattdessen tragen Kriemhild und Brunhild sexy „Long-Shirts“ ohne Ärmel. Fantastische Tricktechnik verspricht Marcell Kaiser in den Tarnkappen-Szenen: „Wir haben eine Kappe entworfen, mit der Siegfried für uns Mitspieler völlig unsichtbar wird. Nur für die Zuschauer bleibt er zu sehen.“ Bestimmt kauft Steven Spielberg das Patent.
Bei aller Komik soll der düstere Charakter der Vorlage aber nicht ganz verloren gehen. „Wir sind diesmal nicht so klamaukig wie sonst, eher schwarzhumorig“, sagt Zeha Schröder.
Kult-Komödien
Die Freuynde hauen nur bei ihren Kneipenstücken so heftig auf die Comedy-Sahne, ansonsten bevorzugen sie politisches und experimentelles Theater. Die Parodien im „Blauen Haus“ genießen im Münsterland aber längst Kult-Status und laufen jahrelang vor ausverkauften Biertischen.
Für die neun angekündigten „Siegfried“-Vorstellungen gab es am Donnerstag noch vier Karten, zum Glück sind aber schon Zusatztermine und eine zweite Staffel in Planung. Es lohnt sich also, auf der Internetseite des Ensembles nach Terminen und Karten Ausschau zu halten. Wer zu spät kommt, den trifft Kriemhilds Rache.
- Die regulär angekündigten Vorstellungen sind bereits fast ausverkauft. Daher gibt es zwei Zusatzvorstellungen: am 21. März (So) um 11.30 Uhr und am 22. März (Mo) um 19.30 Uhr. Karten zu 15 Euro und Infos unter Telefon (02 51) 2 39 77 27 sowie in Internet. Ab Mai ist eine zweite Aufführungsserie geplant.








