Gravenhorster Projektstipendien 2013: Pflanzen lassen Dampf ab, Tauben gehen an die Börse
HÖRSTEL Demnächst sprießen aufblasbare Pflanzen aus Plastik um das Kunsthaus Kloster Gravenhorst und verwandeln die historische Landschaft in eine „Plantage“. Stefan Demming hatte die Idee dazu und reichte sie als Bewerbung um die Projektstipendien „KunstKommunikation“ 2013 ein.
Da werden die Bullen und die Bären staunen: Frank Bölter will münsterländische Brieftauben durch die Frankfurter Börse fliegen lassen. (Repro: Elvira Meisel-Kemper)
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Werden und Vergehen
Der Clou bei Demmings Arbeit wird sein, dass die „Pflanzen“ nicht nur stramm aufgepumpt da stehen, sondern in einem regelmäßigen Rhythmus von Aufblasen und Zusammensinken den natürlichen Prozess von Werden und Vergehen darstellen sollen.
Auch Frank Bölter darf sein Projekt „Bull, Bears und Brieftauben“ in diesem Jahr verwirklichen. Schon einmal machte er als Stipendiat des Kunsthauses auf sich aufmerksam, als er mit einem Faltboot die Wasserwege von Citeaux, dem Mutterkloster der Zisterzienser, bis zum ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst befuhr. Seine neue Idee ist noch kühner. Sie beginnt mit dem Start hunderter Brieftauben von Züchtern aus dem Kreis Steinfurt in der Frankfurter Börse am 13. September. Bölter möchte die Hektik des Börsenhandels der lokalen Tradition der Züchtung von Brieftauben, die Geduld einfordert, gegenüber stellen.
Zentrum für Pilz-Experten
Laura Popplow will die Gebäude des Klosters auf das zurückführen, was sie einst auch waren: Orte der Herstellung von Lebensmitteln für die Nonnen und – in den 1970er-Jahren – Plätze für die Champignonzucht. „Fungutopia Station Gravenhorst“ nennt sie ihre Idee, in der das Kunsthaus zum Zentrum für Pilz-Experten werden soll.
Bereits jetzt sammelt Marita Kratz für ihre Rauminstallation „Stitches in Time“ weiße und cremefarbene glatte Strick- und Häkelgarne in allen Stärken. Großzügige Spenden von mehr als einem Kilo Wolle werden mit ihrem handsignierten Kunstbuch „10 000 weiße Rosen“ belohnt. Eine Kiste für die Spenden steht im Kunsthaus bereit. Ebenso sucht sie Frauen aus der Region, die mit ihr an der Rauminstallation häkeln werden. Handarbeiten in geselliger Runde waren in früheren Jahrhunderten eine wichtige Beschäftigung von Frauen. An diese Tradition möchte Kratz anknüpfen.
Die Ausstellung bleibt aber nicht bei der Theorie stehen: Parallel zu den Plänen sind die Ergebnisse der Projektstipendien des Jahres 2012 in den Atelierräumen im Dachgeschoss zu sehen.







