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Medienhaus Lensing
02.03.2010 14:21 Uhr
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Mittelalter-Ausstellung: Für "AufRuhr" wurde ein echter Burgturm errichtet

"AufRuhr 1225" heißt die größe Mittelalter-Ausstellung, die das Ruhrgebiet je gesehen hat. Das LWL-Museum für Archäologie in Herne hat dafür einen 27 Meter hohen Burgturm aufgebaut - täuschend echt, rekonstruiert nach alten Plänen. Die Firma Holzbau Krupka hat dafür die Kettensäge geschwungen.Von Karin von Cieminski

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Die Arbeiter von der Firma Holzbau Krupka bauen die Wände für den Turm zusammen. (Foto: von Cieminski)

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Es ist kein Luftschloss, an dem Bernd Krupka zimmert.

Er sägt und hobelt an massiven Holzbalken mit einem Querschnitt von 30 Zentimetern, presst sie gegeneinander und fixiert die Kolosse mit Seilen, bis sie sich zu einer wuchtigen Wand fügen.
Was vielleicht mal ein Jungentraum war, ist jetzt Wirklichkeit: Der Zimmerermeister baut einen Burgturm.

Die Besucher sollen den Burgturm bei "AufRuhr 1225" besteigen können

Auf dem Firmenhof absolvieren die Handwerker gerade die Generalprobe. Eine zehn Meter hohe Wand bauen sie komplett zusammen – allerdings auf dem Boden liegend. Genau so wird sie später am Archäologiemuseum stehen. Wie dichter Schnee fallen die Späne, damit die Besucher bald die einstige Herrschaftsbehausung besteigen können.

Die 22 Meter hohe „Motte“ aus Holz ist eine Rekonstruktion einer typischen Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Sie wird auf einem fünf Meter hohen Erdhügel thronen. Bevor der etwa zweiwöchige Aufbau des Turms am Museum beginnt, wirbeln auf Krupkas Hof bis zu sechs Leute täglich herum.
„So einen Auftrag gibt‘s nur einmal im Leben“, strahlt Krupka. Bei der Anfrage schlug der Zimmerer, der sonst Dachstühle, Gauben und Holzfassaden fertigt, sofort zu. Die war so etwas wie ein Ritterschlag.

Die Arbeiter der Firma Holzbau Krupka kämpfen gegen die Kälte an

Vorarbeiter Marko Henze steht an der Kreissäge und reibt sich die Hände – auch weil es viel zu tun gibt, doch vor allem, weil es bitterkalt ist. Die Handwerker müssen im härtesten Winter seit Jahrzehnten die Schlacht gegen Eis und Schnee schlagen. Spätestens nach 15 Minuten sind die Finger zu starr zum Arbeiten.

Heiß ersehnte Handschuhe sind hier tabu: Die könnten sich verfangen. „So eine Maschine fragt nicht, ob das ein Brett oder ein Arm ist“, warnt Henze. Und die Arbeitskleidung sollte möglichst eng anliegen, schließlich arbeitet hier niemand im Kettenhemd.

Das Schrillen der Säge verstummt. Zeit zum Aufwärmen. Wenn der Burgturm etwa Mitte März eröffnet, könnte es für Besucher in luftiger Höhe auch frisch werden. Denn das Turmzimmer bildet über der zweiten Etage eine Plattform. Von dort können Besucher die Aussicht genießen – nur ohne den Schutz von Fenstern. Das Dach wird auch komplett aus Holz bestehen.

Sicherheitsmaßnahmen für die Turm-Rekonstruktion

Weißer Atemdunst steigt auf, Henze lässt die Säge aufschnarren. Sie schneidet Stücke aus dem Balken. Das Projekt ist für die Holzbauer außergewöhnlich. Viele Arbeitsschritte funktionieren nur auf traditionelle Art, die zwar jeder beherrscht, doch die die Arbeiter im Alltag kaum anwenden. „Die Verbindungen der Balken sind wie beim Fachwerk.

Das Stecksystem, das wir verwenden, ist heutzutage sonst nicht mehr erlaubt“, erklärt Chef Krupka, „üblicherweise nehmen wir Metallverbinder. Und wir bauen auf diese Weise vielleicht mal Carports oder Gartenhäuschen.“ Trotz Detailliebe wird die Turm-Rekonstruktion nicht ohne moderne Elemente auskommen: Damals gab es schlichtweg keine Notbeleuchtung und kein zweites Fluchttreppenhaus.

  • Die Ausstellung: „AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne geht bis zum 28. November.
  • Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags 9 bis 17 Uhr; donnerstags 9 bis 19 Uhr; samstags, sonntags und feiertags 11 bis 18 Uhr.


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