Medienhaus Lensing
04.01.2013 14:07 Uhr
Schriftgröße: A A A

Thomas Schäuble: Im Schatten des großen Bruders

Grafenhausen/Stuttgart Der „kleine Schäuble“ - dieser Titel hat Thomas Schäuble in seiner politischen Karriere immer begleitet. Vielleicht hat er auch deshalb die Lust an der Politik verloren und wurde Chef der Rothaus-Brauerei. Am Donnerstag erlag er den Folgen eines Herzinfarktes.dpa

«
1/1
»

Der frühere CDU-Landesminister Thomas Schäuble, aufgenommen am 31.08.2007 in Grafenhausen-Rothaus (Baden-Württemberg). Der Bruder von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sei am Donnerstagabend an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Freitag aus der Südwest-CDU.  (Foto: dpa)

Artikel aus diesem Ressort
BVB-Fieber in Wembley und Dortmund: Wie ist die Stimmung bei den Fans in London? Was passiert in der Heimat? Mit uns verpassen Sie nichts: Unsere Reporter tickern rund um die Uhr und live vor Ort.
Die Politik ist Thomas Schäuble in die Wiege gelegt worden. Vater Karl saß nach dem Zweiten Weltkrieg als Abgeordneter im badischen Landtag. Sein großer Bruder Wolfgang bestimmt als Bundesfinanzminister die Geschicke des Landes. Er selbst galt lange Zeit als Thronfolger von Erwin Teufel als Regierungschef in Baden-Württemberg. Doch dann kam der Bruch - und der „kleine Schäuble“ zog sich auf den Chefposten der landeseigenen Brauerei Rothaus in Grafenhausen zurück. Im Juli erlitt er auf einer Wanderung im Schwarzwald einen Herzinfarkt und lag seitdem im Wachkoma. Am Donnerstag starb er im Alter von 64 Jahren.
 
Überregional für Furore sorgte Thomas Schäuble im Jahr 2000 mit einer Abrechnung mit Helmut Kohl. Sein Bruder Wolfgang musste zuvor im Zusammenhang mit der CDU-Spendenaffäre seinen Hut als Parteichef nehmen. „Ich verabscheue Herrn Kohl. Und ich kann da für die ganze Familie sprechen“, brach es aus Thomas Schäuble heraus. Ohne die Hilfe seines Bruders wäre Kohl niemals 16 Jahre lang Bundeskanzler gewesen, meinte er.
Thomas war der jüngste der drei Söhne der Familie Schäuble. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Freiburg und Berlin promovierte er zum Dr. jur. Danach arbeitete er in der Landesanwaltschaft Karlsruhe, später beim Landratsamt Rastatt. Von 1984 bis 1991 war er Oberbürgermeister von Gaggenau. Dort ist seine Frau Brigitte seit 2007 Erste Beigeordnete.

Wunschressort verlassen
 
Erwin Teufel machte Thomas Schäuble 1991 überraschend zum Minister. Als damals jüngstes Kabinettsmitglied übernahm er das neu geschaffene Verkehrsressort. Ab 1992 konnte er in der CDU/SPD-Koalition das Justizministerium leiten. Als 1996 die FDP wieder in die Regierung rutschte, musste er sein Wunschressort verlassen und wurde zum Innenminister ernannt.
 
In diesem Amt festigte er seinen Ruf als Rechtsausleger - mit einer restriktiven Haltung beim Zuzug von Ausländern und Spätaussiedlern und mit der Forderung nach Video- und Telefonüberwachung bei der Bekämpfung der Kriminalität. Doch anders als sein Bruder Wolfgang wurde Thomas der Politik mehr und mehr überdrüssig. Als die nordbadischen CDU-Delegierten dem mittlerweile umstrittenen Teufel bei der Wiederwahl zum Parteichef einen Denkzettel verpassten, nahm der Ministerpräsident das Schäuble übel - denn dieser war seinerzeit auch Chef des Bezirks Nordbaden.
 
Darauf folgte der Absprung: Bei einer Regierungsumbildung 2004 ging er aus dem Kabinett und wechselte kurz darauf auf den gut dotierten Chefsessel der Rothaus-Brauerei. Das sorgte für einigen Wirbel, da die Regierung auch die Leitung der staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaft mit einem Ex-Minister besetzte. Der Bund der Steuerzahler kritisierte daraufhin den Missbrauch landeseigener Unternehmen zur Versorgung ausgedienter Kabinettsmitglieder. 
 
Meistgelesen | Politik

Jobcenter dementieren

1

Schnüffeln im Sozialen Netzwerk?

In Sozialen Netzwerken geben viele Menschen Persönliches preis, das auch die Jobcenter interessieren könnte.

BERLIN "Stütze" beziehen und dann ein Bild des neuen Porsches auf Facebook posten - könnten Jobcenter in diesem Fall die Hartz-IV-Bezüge kürzen? Und: Dürfen sie überhaupt in Sozialen Netzwerken schnüffeln? Der Datenschutzbeauftragte ist alarmiert. mehr...

Erneuerte Pflegeversicherung

2

Mehr Hilfe für Millionen Demenzkranke

Laut Experten soll die Versicherung künftig weit stärker für Menschen mit Beeinträchtigungen im Wissen, Verstehen und Denken da sein, vor allem für die wachsende Millionenzahl von Demenzkranken.

BERLIN Geht es nach den Plänen von Politikern, soll es bald offizielle Vorschläge geben, wie die Pflegeversicherung umgekrempelt werden kann. Es könnte die bisher größte Pflegereform werden. mehr...

Männliche Erzieher gesucht

3

Experten fordern mehr Männer in Kitas

Sven Renka ist Erzieher - und eine echte Rarität: Nur 2,6 Prozent aller Erzieher in NRW sind männlich.

LÜNEN Sven Renka hockt auf einem der kleinen Holzstühle im Gruppenraum des Lüner Kinderhauses. Singen ist nicht gerade seine Leidenschaft, dennoch sitzt Renka seit drei Jahren jeden Morgen gerne mit den Kindern im Morgenkreis. Ein Glückfall für die Kita, denn Renka ist eine echte Rarität. mehr...

Fünfte Nacht in Folge

4

Krawalle in Stockholm: Dutzende Autos und Häuser in Flammen

Krawallen in Stockholmer Vororten: Jugendliche zündeten Autos an und warfen Steine auf Polizisten.

STOCKHOLM Selbst eine kleine Montessori-Schule aus Holz bleibt nicht verschont. Die Stockholmer Polizei bekommt die meist aus Einwanderer-Familien stammenden Randalierer nicht unter Kontrolle. Schwedens Rechtspopulisten schieben die Schuld auf die Regierung. mehr...

5

Passagiere streiten mit Crew: Flugzeug von Kampfjets eskortiert

Typhoon-Kampfjet der britischen Royal Air Force. Foto: Crown Copyright/RAF/SAC Andrew Seaward/Archiv

London (dpa) Ein Streit zwischen zwei Passagieren und Besatzungsmitgliedern hat nach Augenzeugenberichten zur Umleitung eines Flugzeuges durch britische Kampfjets geführt. mehr...

Weitere Themen
Im November 2009 beschloss der GM-Verwaltungsrat überraschend, Opel doch zu behalten.

Hintergründe und Rückblick

Opels langer Weg

Alle Entwicklungen beim Großkonzern und dem Werk in Bochum.  mehr...

Die Fracking-Methode macht vielen Bürgern Angst. Hier demonstrieren Bürger aus Lünne im Emsland.

Widerstand wächst

Gasbohrungen in NRW

Geplante Erdgas-Bohrungen der Energiekonzerne sorgen für Konflikte.  mehr...

Interview-Serie

Ein Gespräch in der Chefetage

Wir fühlen Top-Managern aus der deutschen Wirtschaft auf den Zahn.  mehr...

Kontakt | Impressum | AGB | Nutzungsbasierte Onlinewerbung | Datenschutz

Weitere Angebote aus dem Medienhaus Lensing:
RuhrNachrichten.de | MuensterscheZeitung.de | DorstenerZeitung.de | HalternerZeitung.de | GrevenerZeitung.de | MünsterlandZeitung.de
Heja-BVB.de | Nahraum.de | Immomia