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Zwei Feuerwehrleute waten im Landkreis Osnabrück durch eine überschwemmte Straße.
Der Katastrophenalarm für den Kreis Steinfurt ist jetzt aufgehoben, aktuell gilt er nur noch für Metelen. "Wir gehen davon aus, dass jetzt alle Schäden bekannt sind und die jetzt nach und nach abgearbeitet werden“, hieß es aus der Bezirksregierung. Dort ist seit kurz nach Mitternacht eine Koordinierungsgruppe am Werk, um den Krisenstab in Steinfurt bei der Einsatzleitung zu unterstützen. Man hoffe, dass nicht neue Regenfälle die Lage wieder erschwere.
Alle 24 Städte und Gemeinden im Kreis Steinfurt sind von den extremen Regengüssen betroffen. Es wurden bis zu 190 Liter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen - das ist das Dreifache der normalen Monatsmenge. Zum ersten Mal seit dem Schneechaos im Münsterland hat die Bezirksregierung den Krisenstab eingesetzt.
Der Kreis Steinfurt hat eine
Telefon-Hotline eingerichtet:
(02251) 692888.
Straßensperrungen im Kreis Steinfurt
Besonders hart hat es Nordwalde, Metelen und Ochtrup getroffen. Hier stehen zurzeit ganze Straßenzüge unter Wasser. Die Keller sind unter Wasser und können nicht leer gepumpt werden, weil zunächst die Straßen von den Wassermassen befreit werden müssen. "Viele haben die schlimme Überraschung noch vor sich", berichtete Dr. Martin Sommer, der Chef des Krisenstabes.
Katastrophenalarm wieder aufgehoben
Der Krisenstab hat sich in der Leitstelle der Feuerwehr in Rheine eingerichtet, nachdem der Landrat um 0.15 Uhr Katastrophenalarm ausgerufen hatte. Er wurde am Morgen wieder aufgehoben. Seither sind rund 2500 Rettungskräfte im Einsatz. Kritisch ist die Lage in Metelen. Dort ist der Katastrophenalarm noch nicht aufgehoben, droht die Vechte über die Ufer zu treten und den Ort zu überspülen. Die Feuerwehr ist aktuell damit beschäftigt, das Ufer mit Sandsäcken zu sichern. Gefährdet sind auch der Ortskern-Bereich "Am Vitustor". Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt.
"Feuerwehren sind am Ende ihrer Kräfte"
Bis zum Morgen gab es mehr als 1600 Einsätze. Wegen des Katastrophenalarms waren etwa 400 Kräfte aus anderen Kreisen zu Hilfe gerufen worden. „Die Feuerwehren sind am Ende ihrer Kräfte“, sagte Gerda Kaumanns, Leiterin des Kreis-Ordnungsamtes. Ein Regenrückhaltebecken in Rheine drohte zu bersten und damit ein Industriegebiet zu überfluten. Das Becken konnte jedoch noch mit 8000 Sandsäcken von Feuerwehren aus Rheine, dem Umland und dem Technischen Hilfswerk gesichert werden.
Bei einem Deichbruch wäre auch die Firma apetito überflutet worden. Am Morgen gaben sich die Verantwortlichen aber zuversichtlich, dass der Deich jetzt hält.
In Emsdetten spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Mühlenbach, der mitten durch die Stadt fließt. droht über die Ufer zu treten. Im Bereich Westum und im Wohngebiet Biekmeresch stehen zahlreiche Keller unter Wasser. In Ahaus tritt aktuell ein Krisenstab zusammen, In Steinfurt-Burgsteinfurt ist die historische Niedermühle vollgelaufen. Das Wasser der Aa bedrohlich hoch.
In Legden muss zum ersten Mal seit Menschengedenken der Düstermühlenmarkt, eines der größten und ältesten Volksfeste im Münsterland, abgesagt werden. Das Veranstaltungsgelände ist überschwemmt.
In Bad Salzuflen (Kreis Lippe) richtete ein Tornado erheblichen Schaden an und deckte zwei Häuser teilweise ab. Zudem wurden meterdicke Bäume entwurzelt.
Bahnverkehr kam zum Erliegen
Der Bahnverkehr im Münsterland kam zum Erliegen. Drei Bahnstrecken wurden in der Nacht wegen Überschwemmungen gesperrt. Nach Angaben eines Bahnsprechers war ein Rückhaltebecken am Donnerstagabend gebrochen und hatte die Strecke Münster-Osnabrück überflutet. Auch die Strecken Münster-Gronau, Münster-Rheine und Gronau-Coesfeld wurden in der Nacht wegen Überschwemmungen gesperrt. Am frühen Morgen war noch nicht absehbar, wann wieder Züge rollen. Der Fernverkehr zwischen Münster und Osnabrück wird nach Bahnangaben umgeleitet, es kommt zu Verspätungen.
Mobile Toiletten für die Anwohner
Eine Kläranlage in Steinfurt sei ausgefallen, sagte Kreis-Ordnungsamtsleiterin Gerda Kaumanns. Für die Anwohner wurden mobile Toiletten aufgestellt. „Die Lage hat sich insgesamt aber entspannt.“ Ein Haus am Hang stand in Horstmar zunächst in Gefahr, unterspült zu werden und wurde deshalb gesichert. Bei einem Fahrradgroßhandel in Rheine waren vermutlich wegen der Wassermassen Teile des Dachs eingestürzt. Auf einer Weide bei Steinfurt wurden mehrere Kühe auf Bohlen gestellt und so vor dem Ertrinken gerettet.
Überflutungen auch in Ostwestfalen
Im Kreis Herford überschwemmte der Starkregen Unterführungen und Straßen, auch im Kreis Minden-Lübbecke liefen Keller voll. „Ich kann mich nicht erinnern, wann es das letzte Mal so geregnet hat“, sagte ein Polizeisprecher. „Cathleen“ zog am Donnerstag über den Norden Deutschlands. Für einen Streifen vom Münsterland zum südlichen Niedersachsen warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach vor ergiebigem Dauerregen.
Bis zum Mittag weiterer Regen
Bis 22.30 Uhr fielen bis zu 110 Liter Regen pro Quadratmeter. Deshalb war in einigen Gebieten im Norden Westfalens am späten Donnerstagabend die höchste Warnstufe ausgerufen, die auch am Freitagmorgen noch regional aufrechterhalten wurde. Bis zum Mittag werden örtlich weitere Regenmengen von bis zu 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. „An vielen Orten hatten wir heute so viel Regen wie sonst in einem Monat fällt“, sagte ein DWD-Sprecher am Donnerstag in Essen.
Die Wassermassen im Detail
Nach Angaben des WDR-Wetterstudios fielen zwischen Donnerstagmorgen um 0 Uhr und Freitagmorgen um 5 Uhr folgenden Regenmengen (Liter):
187,5 Steinfurt
167,0 Burgsteinfurt
158,1 Ahaus
154,4 Emsdetten
144,6 Lübbecke
142,8 Flughafen Münster/Osnabrück
132,7 Ibbenbüren
123,3 St. Arnold
118,2 Lienen-Kattenvene
116,3 Werther
115,3 Porta-Westfalica
114,3 Gronau
112,4 Espelkamp-Isenstedt
111,9 Enger
110,6 Legden
108,5 Hörstel