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ZDF-Redakteurin Stephanie Schmidt (Foto: Bastian Werner)
Hermann Beckfeld sprach mit der 40-jährigen ZDF-Redakteurin, die den Ex-Schalke-Manager ein Jahr lang für den Film „Rudi Assauer – Ich will mich nicht vergessen(Dienstag, ZDF-Reihe „37 Grad“, 23.15 Uhr) begleitete.
Frau Schmidt, sind Sie Fußball-Expertin?
Ich habe überhaupt keine Ahnung vom Fußball und habe das Herrn Assauer auch sofort gesagt. In meiner Familie zuhause spielt Fußball zwar eine große Rolle, aber bislang war das für mich nicht so wichtig – das hat sich im letzten Jahr geändert. Plötzlich wusste ich genau Bescheid, wie alle Vereine spielen.
Für Sie immer noch Herr Assauer?
Ich bin zwar selbst als Bochumerin ein Kind des Ruhrgebiets. Aber Rudi zu ihm zu sagen, wäre mir nie eingefallen. Allein aus Respekt vor dieser wunderbaren Person. Dass ich vom Fußball nichts verstehe, war Rudi Assauer egal. Hauptsache, Sie haben das Herz auf dem richtigen Fleck, hat er gesagt.
Wie verlief Ihr erstes Treffen mit Rudi Assauer?
Eigentlich wollten wir mit ihm die ZDF-Reihe „Prominente stellen ihre Stadt vor“ fortsetzen. Doch schnell – auch nach Rücksprache mit seinem Freund Werner Hansch – war von seiner Familie und Rudi Assauer gewollt, dass er seine Krankheit öffentlich macht.
Warum?
Damit endlich das Getuschel und die Gerüchte nach Auftritten aufhören, er hätte zum Beispiel wieder zu viel getrunken. Letztendlich auch, um das Tabu-Thema Alzheimer offensiv anzugehen. Sie haben ihn ein Jahr lang begleitet.
Hat sich sein Zustand verschlechtert?
Nee, den Eindruck habe ich nicht. Wobei sich seine Tagesform von einer Minute auf die andere verändern konnte.
Was bedeutete dies für Ihre Arbeit?
Ich musste lernen, Pausen zu akzeptieren, ihm Zeit lassen, seine Gedanken zu ordnen. Ich bin überzeugt, dass dies auch für Angehörige von Alzheimer-Kranken schwierig ist. Es ist gut, dass jetzt so viel über diese Krankheit gesprochen wird. Gerade auch deshalb ist es toll, dass Rudi Assauer den Mut hatte, sich zu offenbaren.
Was überwiegt? Mitleid? Respekt?
Auf jeden Fall Respekt. Im Film wird ja deutlich, wie offen, ehrlich und schonungslos Rudi Assauer mit seiner Krankheit umgeht. Er wird damit vielen Betroffenen Mut machen und Hemmungen nehmen, die Öffentlichkeit zu suchen. Wir durften alles filmen, sogar den Alzheimer-Test in der Memory-Klinik. Das war ja auch schon ohne Kameras ein unvorstellbar schwerer Schritt für ihn.
Ihre Schlüsselszene im Film?
Eine von vielen: Einmal haben wir ein Interview mit ihm im Garten geführt. Er saß unter einem Baum und hörte gar nicht auf zu reden. Danach waren mein Kamerateam und ich so fertig, dass wir an einer Tankstelle angehalten und ein Bier getrunken haben.
Was im Film geht Ihnen besonders unter die Haut?
Eine kurze, scheinbar unspektakuläre Sequenz aus seinem Büro in seinem Haus. Da stellt er seine Aktentasche, die er fast immer bei sich hat, auf einen Stuhl. Sein Arbeitstisch aber ist völlig leer, und er schaut nur zum Fernseher. Es ist ja so, dass sich Demenz-Kranke an Sachen klammern, die sie mit früheren Zeiten verbinden. Und da ist die Aktentasche ein Zeichen, eine Erinnerung für ihn als Macher, als Manager.
Hat Rudi Assauer Angst? Weiß er wirklich, was ihn erwartet? Dass Alzheimer unheilbar ist?
Ja, das ist ihm klar. Aber er ist ein Kämpfer, der alles dafür tun möchte, noch möglichst viele schöne Jahre zu haben.
Andere, so wie Gunter Sachs, haben sich das Leben genommen ...
Ganz zum Schluss des Films habe ich ihn danach gefragt und hatte dabei natürlich einen Klos im Hals. In seiner Antwort aber spiegelt sich sein unbedingter Lebenswille wieder. Selbstmord, das wäre für ihn kein Thema. Dafür wäre die Zeit zu wertvoll.
Während Sie Rudi Assauer begleitet haben, kam es zur Trennung von Ehefrau Britta. Hatte das Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Es hat die Arbeit nicht vereinfacht, aber die Zielsetzung hat uns geholfen. Uns ging es um Fakten, um den Umgang mit einer Krankheit, die nicht heilbar ist.
Sein Abschied als Schalke-Manager, also sein Rücktritt, um der Entlassung zuvor zu kommen – hat dieses dramatische Ereignis den Krankheitsverlauf beeinflusst?
Es war ja ein Schock für ihn, den er bis heute nicht verkraftet hat. Aber das medizinische Urteil überlasse ich Ärzten und Psychologen. Es wird natürlich deutlich, dass ihn der Rausschmiss, der es ja eigentlich war, sehr ins Herz getroffen hat. Das gibt er auch zu, aber er hat im ganzen Jahr nicht ein schlechtes Wort über die Verantwortlichen verloren. Auch nicht darüber, dass er sich Karten für die Spiele in der Arena kaufen muss. Für eine Arena, die er selbst gebaut hat.