Medienhaus Lensing
20.09.2012 11:42 Uhr
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Interview: Verkehrsexperte: LKW-Verkehr wird zunehmen

DORTMUND Die A40 ist bald wieder frei, doch Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen ist sich sicher: Es wird schnell wieder so voll, wie vor der Sperrung. Seine Idee: Den LKW- und PKW-Verkehr zu Stoßzeiten trennen. Denn der LKW-Verkehr wird in den kommenden Jahren rapide steigen.Interview: Daniel Otto

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Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. (Foto: Universität Duisburg-Essen)

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Herr Schreckenberg, Sie haben neulich unserer Redaktion gesagt, dass die Verkehrslast nach der Auflösung der A40-Sperrung wieder auf ihr altes Niveau zurückfallen werde.

Schreckenberg: Ja, viele hoffen zwar jetzt, dass es ruhig bleibt, wenn die A40 wieder geöffnet wird, aber ich bin mir sicher, dass es ganz schnell wieder so voll wird, wie vor der Sperrung. Auf lange Sicht wird es sogar noch voller, der LKW-Verkehr wird in den kommenden Jahren um 40 Prozent wachsen.“  

Würde es helfen, den LKW-Verkehr von der A40 zu verbannen. Das war ja auch mal eine Forderung von Ihnen.

Schreckenberg: Mein Vorschlag war eine temporäre Sperrung! Also zum Beispiel von 6 bis 10 Uhr und von 16 bis 19 Uhr.

Und wohin sollen die LKWs dann ausweichen?

Schreckenberg: In dieser Zeit könnte man den LKW-Verkehr über die A42 schicken - und diese dann für Autos sperren. Dann könnten sich die LKWs auch gegenseitig überholen.

Sie wollen LKW- und PKW-Verkehr komplett voneinander trennen?

Schreckenberg: LKW- und PKW-Verkehr sind nicht kompatibel, sie passen nicht zueinander. Wir könnten die beiden trennen, technisch ist das kein Problem mehr. Sehen Sie, wir haben seit der A40-Sperrung auf der A42 eine 50 prozentige Zunahme des Verkehrs gemessen. Würde man beide trennen, stünden sie sich nicht mehr im Weg.Der LKW-Verkehr nimmt in den kommenden Jahren noch zu, einer Studie zufolge fehlt der Branche in Deutschland allerdings der Nachwuchs...
 
Schreckenberg: Klar fehlt der Nachwuchs, nachvollziehbarerweise. Wer will heute schon LKW-Fahrer werden? Der Hauptgrund ist - wie es ja auch in der Studie steht - dass der Beruf einfach nicht attraktiv genug ist. Das ist ein Knochenjob, der auch noch schlecht bezahlt ist. Als LKW-Fahrer kann man eigentlich keine Familie haben.“
 
Der Studie zufolge wird sich der Anteil an osteuropäischen Kennzeichen in Zukunft noch steigern, weil der Job dort beliebter ist, als hier.
 
Schreckenberg: Fakt ist: Die Logistik-Wirtschaft verlagert sich in diese Richtung. Die deutschen Unternehmen werden von den Ost-Unternehmen komplett unterboten. Das ist ein ungeheurer Preiskampf da, der ja von der EU gefördert wird. Das ist so ein bisschen vergleichbar mit den Spargelstechern, da finden Sie heute auch keine deutschen mehr. Die polnischen Fahrer sind teilweise noch nie in Polen gefahren, weil sie alle hier ihr Geld verdienen. Allerdings darf man nicht den Fehler machen, alte Klischees zu bedienen: Technisch sind die Ost-LKWs fast komplett auf hervorragendem Stand.“
 
Es gibt ja viele Jobs, die schlecht bezahlt sind, trotzdem hat nicht jede Branche solche Nachwuchsprobleme. Liegts vielleicht auch am Image?
 
Schreckenberg: Natürlich, früher war das ein Traum vieler: „Die Freiheit der Straße“ usw. - aber heute? Die jungen Leute wollen ja nicht einmal mehr Auto fahren, weil sie dabei nicht online sein können, das hat ein Schweizer Kollege von mir gerade erforscht. Die fahren lieber Bahn oder Bus - mit dem Smartphone in der Hand. Natürlich hat das aber auch etwas mit den hohen Spritpreisen zu tun. Autofahren ist teuer.“
 
Wenn es bald keine LKW-Fahrer mehr gibt, kann dann nicht die Bahn einspringen, um die Güter von A nach B zu bringen?
 
Schreckenberg: Der Schienenverkehr wird die Logistikprobleme nicht lösen können, ja nicht einmal seine eigenen Quoten erreichen. Im Ruhrgebiet gibt es zum Beispiel 80 Prozent des sogenannten „Quelle-Ziel-Verkehrs“, das heißt, der LKW fährt im Ruhrgebiet los und kommt im Ruhrgebiet wieder an. Da lohnt es sich überhaupt nicht, auf die Bahn umzusteigen. Denn auf die Bahn muss man etwas auf- und wieder abladen - bevor man es dann doch auf einen LKW verfrachtet. Die Bahn ist zu wenig flexibel und hat außerdem viel zu wenig Kapazitäten. Da müsste man neue Güterstrecken bauen und wie lange so etwas dauert, wissen wir ja.“
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