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Verlockende Eisdecke: Der Aasee ist derzeit bei Eisflaneuren sehr beliebt. (Foto: pd)
Nordrhein-Westfalen erlebt den kältesten Februarstart seit Jahrzehnten. „Im Moment ist es mehr als zehn Grad kälter als im Durchschnitt früherer Jahre“, sagte am Montag Meteorologe Günther Hamm in Essen. Stünden nicht in den kommenden zwei Wochen auch mildere Tage in Aussicht, würde sogar der Rhein langsam zufrieren. So aber bilden sich derzeit nur an stillen Randstellen kleine Eisflächen. „Der Rhein fließt auch sehr schnell und führt durch die Chemiewerke auch viel Salz, als dass er so schnell zufriert“, sagte Hamm. Das letzte Mal soll es 1929 gewesen sein. 1956 und 1986 gab es zumindest Eisschollen.
Rekordkälte in der Nacht
Während für die Nacht zum Dienstag bis minus 23 Grad klirrende Grad und damit für dieses Jahr eine Rekordkälte erwartet wurden, könnte die Narren zum Auftakt des Straßenkarnevals an Weiberfastnacht günstiger wegkommen. Mit Glück könnte es Werte um den Gefrierpunkt geben. Zuvor wird ein Auf und Ab am Thermometer erwartet. Am Mittwoch soll sich die Kälte auf minus 3 Grad abschwächen, am Rhein sogar auf 0 Grad. Zum Wochenende zieht der Frost wieder an. Kommende Woche könnte er wieder nachlassen. Diesen Dienstag soll es im Osten von NRW etwas Schnee geben, am Donnerstag sogar landesweit.
Während der Rhein wohl eisfrei bleiben wird, haben die Schifffahrtsämter an den Kanälen schon jede Menge Arbeit. Noch läuft der Schiffsverkehr, wenn auch nicht reibungslos. Eisbrecher wie die MS Lippe sind im Einsatz. An den Schleusen muss aufgepasst werden, dass die Schiffe nicht große Eismengen hineindrücken. „Wir werden die Schifffahrt aber aufrecht halten“, sagte Klaus Fähnrich vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Duisburg.
Mecklenburg-Vorpommern kratzt an minus 30 Grad
Besonders kalt war es in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern: Minus 28,7 Grad sind dort in der Nacht zum Montag gemessen worden. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) war es im Osten und im Süden Deutschlands besonders frostig. Ob es bundesweit die tiefste Temperatur war, konnten die Meteorologen zunächst nicht sagen. Die Thermometer sanken etwa auch im sächsischen Deutschneudorf und im bayerischen Oberstdorf auf minus 28 Grad. „Es war diese Nacht noch einen Ticken kälter“, sagte Meteorologe Marcus Beyer in Offenbach. Der Neuschnee vom Wochenende habe die Kälte verstärkt. Für die Nacht zum Dienstag erwartete der Wetterexperte noch vereinzelt Temperaturen unter minus 20 Grad. „Aber ganz so eisig wird es dann nicht mehr.“
Der klirrende Frost hat die Schifffahrt in Bayern weitgehend zum Erliegen gebracht. Allein wegen der Eis-Sperre auf dem Main-Donau-Kanal könnten inzwischen 32 Binnenschiffe nicht weiterfahren, berichtete das Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg am Montag. 18 Schiffe seien im Main-Donau- Kanal eingeschlossen, 14 Frachter hätten wegen der Kanalsperre an der südlichen Zufahrt eine Zwangspause einlegen müssen. Seit Montag ist der Main-Donau-Kanal auf einer Länge von mehr als 100 Kilometern gesperrt. Die zunächst im mittleren Abschnitt verhängte Sperrung sei nun auf den nördlichen Abschnitt zwischen Bamberg und Hausen ausgedehnt worden, berichtete ein Behördenmitarbeiter.
Europa friert - Tote in Polen
Kein Ende der tödlichen Kälte in Polen: In der Nacht zu Montag sind nach Angaben des Warschauer Innenministeriums erneut neun Menschen erfroren. Die Zahl der Kältetoten seit dem 27. Januar ist damit auf 61 gestiegen. Trotz aller Warnungen vor defekten Kohleöfen werden auch immer neue Vergiftungsfälle durch Kohlenmonoxid bekannt. Seit Anfang Februar starben bereits neun Menschen. Insgesamt wurden bisher 287 Fälle von Kohlenmonoxidvergiftung bekannt, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Während die Temperaturen in der vergangenen Woche minus 30 Grad und kälter betragen hatten, war es am Montag in Warschau nur noch minus zwölf Grad kalt.
In der Schweiz wurde ein Kälterekord in bewohnten Gebieten für diesen Winter aufgestellt: In der Gemeinde Samedan nahe St. Moritz im Südosten des Landes fiel die Temperatur in der Nacht zu Montag auf minus 35,1 Grad. Das teilten die Wetterdienste MeteoNews und SF Meteo am Montag mit. In dem Ort im Engadin auf 1720 Metern Höhe wird es wegen seiner besonderen Lage in einem Tal bei klarem Wetter häufig sehr kalt. 260 Frosttage im Jahr, 5 davon im Juli, stehen durchschnittlich einem Tag mit mehr als 25 Grad gegenüber. Auf der abgelegenen und unbewohnten Glattalp in der Zentralschweiz auf 1850 Metern war es sogar minus 45 Grad kalt. Noch kälter dürfte es nach Einschätzung der Meteorologen nun nicht mehr werden.
Kälterekord selbst auf Mallorca
Unterdessen hat die spanische Ferieninsel Mallorca die tiefsten Temperaturen seit 40 Jahren registriert. Wie die Lokalpresse am Montag berichtete, waren an der Balearen-Universität in Palma de Mallorca am Vortag minus 5,7 Grad gemessen worden. Eine solche Kälte hatte es zuletzt im Jahr 1972 gegeben. Die Höchsttemperatur stieg in der Inselhauptstadt nicht über 4,8 Grad, was ebenfalls den tiefsten Wert seit vier Jahrzehnten bedeutete. Am Montag wurde es etwas wärmer.
Allerdings waren nach Angaben der Behörden in den Bergen der Sierra de Tramuntana noch vier Straßen wegen Schnees gesperrt. Am Wochenende hatte die Insel die stärksten Schneefälle seit 1956 erlebt. Im Bergland lag eine Schneedecke von bis zu 30 Zentimeter. Zeitweise waren auch die Badestrände eingeschneit. Mehrere Flüge waren verspätet. Am Montag normalisierte sich die Lage auf dem Flughafen Son Sant Joan wieder. Auf der Nachbarinsel Menorca wurden die Häfen von Mahón und Ciutadella wegen Sturms geschlossen.