Ahlener vor Gericht: Drogen-Schmuggler erzählt von Horror-Haft

Ahlen/Münster Die erste Strafverhandlung des neuen Jahres hatte das Landgericht Münster gestern für einen 46-jährigen Ahlener reserviert. Der bereits am ersten Verhandlungstag weitgehend geständige Drogen-Schmuggler - von seinen Freunden zuletzt mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „Kein-Geld-Hassan“ dekoriert - schilderte dabei einmal mehr, was für eine schwere Zeit er aktuell hinter sich hat.

Der Angeklagte soll über Monate hinweg an kiloschweren Drogentransporten von den Niederlanden nach England beteiligt gewesen sein. Festgenommen wurde der Mann jedoch schließlich in Georgien - und damit begann für ihn die schlimmste Zeit seines ohnehin nicht immer einfachen Lebens.
 
„Die Zeit im Gefängnis dort war schrecklich“, ließ er die Richter gestern mit Hilfe einer Dolmetscherin wissen. Und der Übersetzerin war dabei selbst deutlich anzusehen, als wie furchtbar sie die geschilderten Einzelheiten empfand. Einen ganzen Monat lang habe er nicht duschen dürfen. Stellenweise habe er zur Strafe mehrere Tage lang in einem einen Quadratmeter großen Raum hocken müssen. „Liegen konnte man da natürlich nicht“, so der Ahlener.

Auslieferungshaft
 
Besonders schlimm sei für ihn jedoch gewesen, dass die Aufseher mitunter völlig wahllos auch Gewalt ausübten. Ihn selbst habe es zwar zum Glück nie richtig getroffen. „Aber, was ich gesehen habe, das möchte kein Mensch sehen“, so der 46-Jährige. Die Zeit in der Auslieferungshaft sei ihm jedenfalls so vorgekommen: „Gefühlt waren das 24 Jahre und mehr.“
 
Das Gericht interessiert sich deshalb so genau für die georgischen Haftbedingungen, weil diese Zeit auf die nun zu verhängende Haftstrafe angerechnet werden muss. Unklar ist nur noch, in welchem Verhältnis. Möglich ist sogar, dass dem Ahlener die sieben Monate als 14 oder mehr Monate „gutgeschrieben“ werden.
 
Fakt ist aber auch so: Seine Familie wird der 46-Jährige so bald nicht wieder in die Arme schließen dürfen. Einer seiner Söhne sagte gestern als Zeuge vor Gericht aus und war sichtlich erschüttert. „Wissen Sie, warum Ihr Vater das gemacht hat?“, wollte der Richter wissen. Die Antwort: „Er hat es für unsere Zukunft getan.“
Der Prozess wird fortgesetzt.
 
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Autor
Martin von Braunschweig
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    2. Januar 2013, 17:28 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:40 Uhr