Frontal-Zusammenstoß: Geisterfahrer aus dem Kreis Coesfeld stirbt bei Unfall auf A2

Herford/Bielefeld Die Serie der tödlichen Unfälle mit Geisterfahrern reißt nicht ab. In Ostwestfalen wendet ein 81-Jähriger an einer Autobahnraststätte. Er stirbt bei einem Frontalzusammenstoß.

  • Der zerstörte Wagen des Falschfahrers steht auf der A2 bei Herford. Foto: Frank-Michael Kiel-Steinkamp

    Der zerstörte Wagen des Falschfahrers steht auf der A2 bei Herford. Foto: Frank-Michael Kiel-Steinkamp Foto: dpa

Ein 81 Jahre alter Geisterfahrer hat auf der Autobahn 2 bei Herford einen tödlichen Unfall verursacht. Der Mann aus dem münsterländischen Coesfeld kam bei einem Frontalzusammenstoß am Mittwochabend ums Leben, wie die Polizei in Bielefeld berichtete. Zwei weitere Fahrer wurden verletzt.
 
Der Mann war an der Raststätte „Herford“ auf die Autobahn in Richtung Hannover aufgefahren. Auf dem Beschleunigungsstreifen wendete der Fahrer plötzlich. Nach 70 Metern prallte er auf der linken Fahrspur frontal mit einem entgegenkommenden Auto zusammen, sagte ein Polizeisprecher. Dieser Wagen schleuderte gegen einen Autotransporter aus Lettland. Der 81-Jährige starb noch an der Unfallstelle. Der 43-jährige Fahrer des anderen Autos wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Der lettische Lastwagenfahrer blieb unverletzt.

Blutprobe entnommen
 
Warum der 81-Jährige wendete, konnte die Polizei am Donnerstag nicht sagen. „Vermutlich ein altersbedingter Aussetzer“, sagte der Sprecher. Wie in solchen Fällen üblich sei vom Unglücksfahrer eine Blutprobe genommen worden. Das Ergebnis lag noch nicht vor.
 
Vor knapp zwei Wochen hatte ein Geisterfahrer auf der Autobahn 5 in Baden-Württemberg einen Unfall mit sechs Toten verursacht. Im Oktober starben fünf Menschen, als ein 24 Jahre alter Falschfahrer auf der A46 im Sauerland offensichtlich in Selbsttötungsabsicht in ein Auto mit vier Insassen fuhr.
 
Offizielle Statistiken zu Unfällen mit Falschfahrern liegen nicht vor, hieß es im Innenministerium in Düsseldorf. 2010 habe es 424 Warnmeldungen gegeben. Wie viele davon sich als wahr herausgestellt haben, sei nicht bekannt.

Mehr Tote in diesem Jahr
 
Dem ADAC zufolge gibt es jährlich etwa 500 bis 600 Geisterfahrer auf deutschen Autobahnen. „Durchschnittlich 20 Menschen pro Jahr sterben durch Geisterfahrer auf Autobahnen“, sagte der ADAC-Experte Andreas Hölzel. In diesem Jahr werde die Zahl vermutlich höher liegen, sagte Hölzel.
 
Gemessen an der Gesamtzahl der Autobahntoten (2011: 453) seien die Falschfahrer allerdings nur eine untergeordnete Ursache. Die Ursachen seien vielfältig: Es gebe die Selbstmörder, die wiederum Nachahmer animierten, Falschfahrer mit Alkohol oder Drogen im Blut, Nebenwirkungen von Medikamenten, altersbedingte Fahrfehler. Nicht selten würden aber auch Schilder und Markierungen einfach übersehen oder falsch verstanden. „Und das sind sicherlich nicht nur ältere Fahrer.“

Sehr teure Lösung?
 
Im NRW-Verkehrsministerium hieß es, derzeit würden verschiedene Ansätze geprüft, die Auffahrten sicherer zu machen. In Bayern werde eine besonders auffällige Beschilderung getestet. Die Bundesanstalt für Straßenwesen bereite eine Studie zu Falschfahrern vor. Die sogenannten Krallen, die auf der Fahrbahn nur eine Fahrtrichtung zulassen und andernfalls die Reifen zerstören, seien sehr teuer, sagte der Sprecher. Zudem würden Rettungsfahrzeuge diese Zufahrten oft in falscher Richtung nutzen, um schnell zu einem Unfallort auf der Autobahn zu gelangen. 
 
Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    29. November 2012, 10:34 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:40 Uhr
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