Reise-Reportage: Mit dem neuen HKX von Münster nach Köln

MÜNSTER/KÖLN Die Deutsche Bahn hat jetzt Konkurrenz im Fernverkehr. Seit dem 23. Juli fährt der HKX von Hamburg über Münster nach Köln und zurück. Der neue Zug will besser sein als die Deutsche Bahn – und gleichzeitig günstiger. Aber schafft er das auch?

  • HKX hat den Bahnbetrieb auf der Strecke Köln-Hamburg aufgenommen.

    HKX hat den Bahnbetrieb auf der Strecke Köln-Hamburg aufgenommen. dpa

Gegen 19 Uhr am Hauptbahnhof Münster, Gleis 8. Der Hamburg-Köln-Express (HKX) lässt auf sich warten und die Dame in der Kluft der Deutschen Bahn (DB) weiß angeblich von nichts. „Der HKX? War der nicht schon längst hier?“, fragt sie.

Ihr Interesse jedenfalls hält sich in Grenzen: „Der ist nicht von uns“, sagt sie. Der HKX ist ein DB-Konkurrent, der zweite nach dem Interconnex (Leipzig-Berlin-Rostock), aber der erste auf einer der Hauptstrecken im Fernverkehr. Noch dazu einer, der die Bahn an ihren empfindlichsten Stellen treffen will: im Preis und im Service.
 
Mit 30-minütigem Verzug fährt der HKX ein. Die Verspätung wird weder angesagt, noch oben auf den Tafeln angezeigt. Die Stimme aus dem Lautsprecher kündigt ihn stattdessen als „Sonderzug“ an, dabei fährt der HKX bis zu dreimal täglich und zu festen Zeiten.
    

Keine Frage: Die DB fremdelt mit dem HKX – dabei ist der Neue ihr sehr ähnlich. Die drei 70er-Jahre-Waggons gehörten einst zum legendären Rheingold-Express der Bundesbahn. 1.-Klasse-Standard, breite Polstersessel in Vierer- oder Sechser-Abteilen. „Richtig gemütlich“, sagt Reisende Julia Göhring aus Hamburg.

Der HKX hat die Retro-Waggons gemietet, so lange bis eigene Wagen vorhanden sind. Dabei sind es gerade die 40 Jahre alten Waggons, die den Unterschied zur Bahn ausmachen. Und der Preis natürlich: 10 Euro kostet das heutige Ticket für die Distanz Münster - Köln, gebucht im Internet, Sitzplatz inklusive. So günstig ist es bei der DB nicht einmal mit der BahnCard 50 (16,50 Euro).
 
Für die Verspätung entschuldigt sich die HKX-Ansagerin, ohne eine Grund zu nennen, sogleich nach Abfahrt in Münster auf Deutsch und in lupenreinem Englisch Von wegen „Sänk ju for träwwelling…“
Der Zugbegleiter trägt dunkelblau, Halstuch und ist freundlich.

Tür auf, Tickets scannen, Tür zu. Tessa und Carsten haben je 20 Euro bezahlt für die Strecke Hamburg - Köln. Bei der Bahn hätte jeder von ihnen über 83 Euro (ICE: 92 Euro) hinblättern müssen. Dafür mussten sie sich beim HKX an diesen Zug binden. „War für uns diesmal okay“, sagt Tessa. Wer ohne Ticket in Münster zugestiegen ist, der musste 22,50 Euro zahlen.

Kaffee und Cola für 1,90 Euro
 
Der Zuganbieter kopiert für seine Preisgestaltung das Billigfliegersystem. Wer früh kommt, den belohnt der HKX. Wer online bucht, den sowieso. „Der Preis variiert je nach Nachfrage und Auslastung“, sagt HKX-Sprecherin Christine Richter. „Maximal kostet die Strecke Hamburg - Köln zurzeit 60 Euro.“ Zurzeit? „Ja, wir können nicht ausschließen, dass sich das ändert. Es wird aber immer sehr günstige Tickets für Frühbucher geben.“
 
Kurz hinter Gelsenkirchen kommt der Servicewagen mit Snacks und Getränken. Gleich zwei Damen schieben ihn. Kaffee und Cola kosten jeweils 1,90 Euro. Relativ günstig – die Deutsche Bahn verlangt für einen Kaffee mittlerweile 2,90 Euro.
 
In Köln hat der Zug noch 20 Minuten Verspätung, 10 Minuten aufgeholt – immerhin. Dafür hat die Ansagerin ihren Ehrgeiz verloren. Etwas müde zählt sie Anschlusszüge der DB auf. Die meisten liegen bereits in der Vergangenheit. Ob die DB-Züge auf den HKX-Konkurrenten warten? Wohl kaum. Dann könnten am Ende ja noch mehr Bahnfahrer umsteigen … 
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Autor
Markus Harmann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    17. August 2012, 06:00 Uhr
    Aktualisiert:
    16. Dezember 2013, 12:42 Uhr