Frankfurter Flughafen: Streik ausgeweitet - trotzdem weniger Ausfälle

Frankfurt/Main Der Flughafenbetreiber Fraport stellt sich immer besser auf den Streik an Deutschlands größtem Airport ein. Obwohl der Ausstand bis zum Mittwochmorgen ausgeweitet wurde, rechnen Fraport und der Hauptkunde Lufthansa mit weniger Flugausfällen als in der vergangenen Woche.

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  • Passagiere an Deutschlands größtem Flughafen müssen sich auf einiges Ungemach gefasst machen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung bestreikt Frankfurt für 24 Stunden. Foto: Fredrik von Erichsen

    Passagiere an Deutschlands größtem Flughafen müssen sich auf einiges Ungemach gefasst machen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung bestreikt Frankfurt für 24 Stunden. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa

  • Passagiere warten auf dem Flughafen in Frankfurt am Main auf ihre Abfertigung.

    Passagiere warten auf dem Flughafen in Frankfurt am Main auf ihre Abfertigung. Foto: dpa

  • Annulliert ist derzeit ein oft gebrauchtes Wort auf der Anzeigetafel im Frankfurter Flughafen.

    Annulliert ist derzeit ein oft gebrauchtes Wort auf der Anzeigetafel im Frankfurter Flughafen. Foto: dpa

Trotz des verschärften Streiks am Frankfurter Airport können Reisende wieder auf einen geordneteren Flugverkehr hoffen. Obwohl der Ausstand am größten deutschen Flughafen bis zum Mittwochmorgen verlängert wurde, rechnen der Betreiber Fraport und der Hauptkunde Lufthansa mit weniger Flugausfällen als in der vergangenen Woche.

Um die Auswirkungen des Arbeitskampfes der rund 200 Vorfeldlotsen, Einweiser und Disponenten abzufedern, hat Fraport eigens Mitarbeiter geschult, die deren Aufgaben übernehmen. In den festgefahrenen Tarifkonflikt ist bisher keine Bewegung gekommen.

Am Montag fallen etwa 230 Flüge aus

Am Montag sollten während der 18 Stunden Betriebszeit am zentralen deutschen Drehkreuz rund 230 von 1250 geplanten Flügen ausfallen, teilte Fraport mit. Das wären 70 weniger als am Freitag vergangener Woche mit gut 300 Ausfällen in lediglich 14 Stunden Streik. "Bislang läuft alles ruhig, die Passagiere haben sich darauf eingestellt", betonte ein Flughafen-Sprecher. Zudem kam dem Betreiber entgegen, dass wegen des Rosenmontags weniger Passagiere unterwegs waren als üblich. Im Vergleich zu einem Tag im Sommer mit etwa 180 000 Passagieren seien es derzeit nur rund 130 000.

    
Die Streikenden hatten am Montagmorgen die dritte und mit 48 Stunden bislang längste Runde ihres Arbeitskampfes eingeläutet. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) bekräftigte ihre Entschlossenheit, ihre Forderungen durchzusetzen. Diese brächten nach Angaben von Fraport für einzelne Beschäftigte bis zu 70 Prozent höhere Gehälter. "Wir müssen das jetzt durchziehen. Und wir werden das jetzt durchziehen", sagte GdF-Tarifvorstand Markus Siebers der Nachrichtenagentur dpa. "Wir hoffen, dass die Erhöhung des Drucks zu einem Einlenken von Fraport führt."

Interkontinentalverkehr wird aufrechterhalten

Für den Dienstag plante die Lufthansa nur noch mit 160 gestrichenen Starts und Landungen - nach rund 200 Ausfällen am Montag. Der Interkontinentalverkehr werde weiterhin im vollen Umfang aufrechterhalten, der Flugplan innerhalb Deutschlands und Europas werde ausgedünnt. "Wir haben es immer besser im Griff, einen stabilen Flugverkehr abzuwickeln", sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels.

Der Flugverkehr mit zahlreichen Umbuchungen auf andere Flüge und das Umsteigen auf die Bahn liefen "den Umständen entsprechend reibungslos", ergänzte eine Sprecherin. Konkurrent Air Berlin berichtete ebenfalls von einigen Ausfällen nach Frankfurt. Die Passagiere werden aber ebenfalls umgebucht.

Mehr Fahrgäste für die Bahn

Viele Reisende steigen auf die Fernzüge der Deutschen Bahn um. Besonders auf den Nord-Süd-Strecken nach Stuttgart, München, Berlin und Hamburg seien mehr Fahrgäste unterwegs, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Es gebe dadurch aber keine Probleme. Am Hauptbahnhof und am Flughafen Frankfurt wiesen Mitarbeiter die neuen Passagiere ein, Züge seien verlängert worden. "Alles, was rollen kann, rollt", sagte der Sprecher.

Auch die anderen Fluggesellschaften zeigten sich zufrieden mit dem Krisen-Management, das insbesondere die interkontinentalen Verbindungen bevorzugt. Martin Gaebges vom Airline-Verband Barig stärkte der Fraport den Rücken: "Letztlich müssten wir die höheren Entgelte über die Gebühren bezahlen." Er forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Regierung will nicht eingreifen

Die GdF ergötze sich offensichtlich an ihrer Machtposition, kritisierte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Klaus Laepple. Sie müsse schnellstmöglich zur Vernunft kommen. Er verlangte zudem gesetzliche Vorkehrungen, um die Macht kleiner Spartengewerkschaften zurückzudrängen. "Denen ist das Wohl der Passagiere und der deutschen Wirtschaft völlig wurscht", sagte der Stuttgarter Flughafenchef Georg Fundel.

Die Bundesregierung sieht hingegen keinen Anlass zum Eingreifen. "Die Tarifautonomie ist verfassungsrechtlich geschützt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Vorgänge im Tarifkonflikt würden beobachtet. Es obliege aber nicht der Regierung zu beurteilen, "ob eine Streikmaßnahme oder ob Forderungen einzelner Gruppen angemessen sind."

Fraport woll Forderungen weitgehend erfüllen

In der Nacht zum Montag hatte die GdF den Streik auf 48 Stunden verlängert - ursprünglich sollte nur bis zum Dienstagmorgen 5.00 Uhr die Arbeit niedergelegt werden. Nun soll der Ausstand nach GdF-Angaben bis Mittwoch (22.Februar/5.00 Uhr) dauern. Wegen des Nachtflugverbots ist die Betriebszeit in Frankfurt täglich auf 18 Stunden zwischen 05.00 und 23.00 Uhr begrenzt. Bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten die rund 200 Vorfeldmitarbeiter die Arbeit niedergelegt. Fraport will zwar die Forderungen für die Vorfeldlotsen weitgehend erfüllen, nicht aber die Berufsgruppen der Einweiser und der Disponenten ebenfalls aus ihrem Tarifgefüge entlassen.

Die geforderte Bezahlung stehe in keinem Verhältnis zu ähnlichen Tätigkeiten auf dem Flughafen, betonte das Unternehmen am Montag erneut. Man müsse aber das gesamte Unternehmen im Blick haben und habe aus diesem Grund auch den Schlichterspruch von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust abgelehnt. Die GdF hatte danach ihre Forderungen noch verschärft und will nun unter anderem die verlangten Erhöhungen auf einen Schlag.
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Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    19. Februar 2012, 17:12 Uhr
    Aktualisiert:
    20. Februar 2012, 17:11 Uhr