Medienhaus Lensing
22.11.2012 10:24 Uhr
Schriftgröße: A A A

Den Vertrag im Blick behalten - Riester-Policen brauchen Pflege

Düsseldorf (dpa/tmn) Einmal abschließen und dann abheften? Bei der Riester-Rente ist das keine gute Idee. Denn die Verträge müssen immer angepasst werden, wenn sich etwas ändert. Mindestens einmal im Jahr sollten Kunden deshalb einen Blick auf ihre Police werfen.Von Sandra Ketterer, dpa

«
1/1
»

Mindestens einmal im Jahr lohnt sich ein Blick in die Vertragsunterlagen. Denn Riester-Policen sollten immer angepasst werden. Foto: Andrea Warnecke (Foto: dpa)

Die klassische Riester-Rente hat vermutlich so viele Gegner wie Fürsprecher. Zu wenig Rendite, meinen die einen. Hohe Sicherheit und staatliche Förderung, argumentieren die anderen. Die Zuschüsse aus öffentlicher Hand - bis zu 154 Euro pro Person plus eventuell die Kinderzulage - sind der Clou jedes Riester-Vertrags. Um sich dieses Geld zu sichern, müssen Verbraucher aber ihr Einkommen und ihre Beiträge im Blick behalten.

«Grundsätzlich bin ich für meinen Vertrag selbst verantwortlich», sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Es sei Aufgabe jedes Versicherungsnehmers, dafür zu sorgen, dass er Beiträge in der richtigen Höhe zahle und die staatliche Zulage rechtzeitig beantrage. Anspruch auf staatliche Förderung habe jeder, der eine rentenversicherungspflichtige Tätigkeit ausübe, also beispielsweise angestellt sei. Aber auch Arbeitslose, Bezieher von Krankengeld und über die Künstlersozialkasse Versicherte gehörten dazu.

Die Förderung müsse jedes Jahr neu bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) beantragt werden, ergänzt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. Das könne leicht vergessen werden. «Deswegen empfehle ich, dass man einen Dauerzulagenantrag ausfüllt. Den bekommt man vom Anbieter seiner Riester-Versicherung.» Der Dauerzulagenantrag müsse nur einmal ausgefüllt werden, damit erhalte der Anbieter bis auf Widerruf die Vollmacht, die Zulage zu beantragen. Alles Weitere erledige der Anbieter zusammen mit der ZfA. Der Zulagebetrag werde dann dem Riester-Konto gutgeschrieben.

Unter anderem frage die Versicherungsgesellschaft den Rentenversicherungsträger ihres Kunden nach dessen Bruttoeinkommen, erklärt Beller. Denn auf dieser Grundlage werde sowohl die Höhe des Pflichtbeitrags als auch die Höhe der staatlichen Zulage berechnet. «Die gesamte Sparleistung muss im Minimum vier Prozent meines Bruttoeinkommens des Vorjahres entsprechen», erklärt Hentschel. Habe ein Verbraucher im Jahr 2011 50 000 Euro verdient, müsse er 2012 insgesamt 2000 Euro ansparen, um die volle Förderung zu erhalten. In diese 2000 Euro seien die 154 Euro Zulage allerdings schon eingerechnet. Tatsächlich einzahlen müsse der Verbraucher also nur 1846 Euro, sagt Hentschel.

An dieser Regel ändere sich auch nichts, wenn das Einkommen sinke, der Kunde zum Beispiel arbeitslos werde. Um die volle Zulage zu erhalten, müsse er weiter die Sparsumme auf Grundlage seines Bruttoeinkommens des Vorjahres einzahlen. «Für das nächste Jahr kann ich die Summe anpassen», sagt Hentschel. «Wenn sie weniger einzahlen, gibt es eine entsprechende Kürzung der Zulagen», erklärt Beller. Pro Jahr müsse aber jeder Sparer mindestens 60 Euro aufbringen, um überhaupt förderberechtigt zu sein.

Wer arbeitslos wird oder aus einem anderen Grund nicht genug Geld an seinen Versicherer zahlen kann, sollte prüfen, ob es sinnvoller ist, Zahlungen auszusetzen oder zu reduzieren. Nicht jeder Anbieter habe die gleichen Konditionen, sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV). «Es kann sein, dass der Vertragspartner eine Freistellung mitmacht, aber die Reaktivierung nicht.» Das könne bedeuten, dass ein Kunde zwar die Zahlung aussetzen dürfe, später aber einen neuen Vertrag zu möglicherweise schlechteren Konditionen abschließen müsse.

Wichtig zu wissen: Sparbeiträge zu Riester-Verträgen können von der Steuer abgesetzt werden. Mit der Einkommenssteuererklärung könne ein Sonderausgabenabzug bis maximal 2100 Euro beantragt werden, erklärt Hentschel. Im Rahmen der sogenannten Günstigerprüfung prüfe das Finanzamt, ob der Zulagenanspruch höher oder geringer als die sich ergebende Steuererstattung sei. Sei der Steuervorteil, der sich aus dem Sonderausgabenabzug ergibt, größer als der Anspruch auf Zulage, erhalte der Steuerpflichtige die Differenz.

Die Förderung steigt mit jedem Kind. «Für jedes ab dem Jahr 2008 geborene Kind erhält der Versicherungsnehmer eine Zulage von bis zu 300 Euro», sagt Hentschel. Die Zulage werde auf den Vertrag der Mutter überwiesen, sofern die Eltern keinen anderslautenden Antrag stellen. Der Vorteil: Die Sparerin bekommt eine höhere staatliche Förderung und kann ihre Eigenleistung entsprechend reduzieren. Natürlich sei es unerlässlich, dass sie ihrer Versicherungsgesellschaft die Geburt des Kindes mitteile.

Wer jahrelang eingezahlt hat und die Rente beginnt, sollte die Konditionen seines Vertrages erneut prüfen, sagt Kleinlein. Die Auszahlungskonditionen könnten bei anderen Anbietern besser sein. «Unter Umständen könnte es sinnvoll sein, die Versicherungsgesellschaft zu wechseln.» Das müsse aber genau berechnet werden, denn der bisherige Anbieter könne Kosten für die Kündigung berechnen und der neue Partner Gebühren für die Eröffnung.

Meistgelesen | Wirtschaft

Pilotversuch

1

Telekom will Drahtlos-Anschlüsse in Wohngebieten testen

Die Telekom will in Wohngebieten testen, ob Drahtlos-Anschlüsse genauso gut wie Festnetz-Anschlüsse funktionieren.

Berlin Die Deutsche Telekom will testen, ob sie in einzelnen Neubaugebieten Festnetzanschlüsse durch drahtlose Anschlüsse ersetzen kann. Dies werde für Wohngebiete überlegt, in denen sich eine Festnetzversorgung im Vergleich zu einer drahtlosen Lösung als unwirtschaftlich erweise, teilte der Bonner Konzern mit. mehr...

Vorwürfe des US-Senats

2

Schlupflöcher: Apple hat Milliarden an Steuern vermieden

ARCHIV - Besucher gehen in den Apple Store in Hong Kong/China am 27.06.2012.

Washington Apple hat nach Untersuchungen des US-Senats durch ein komplexes Netz an Auslandsfirmen Milliarden Dollar an Steuerzahlungen in den USA und anderen Ländern vermieden. mehr...

Nach Irritationen

3

Telekom legt Drahtlos-Pläne für Neubaugebiete auf Eis

Die Telekom will auch weiterhin Neubaugebiete mit Festnetzleitungen ausstatten.

BONN Die Deutsche Telekom legt ihre Drahtlos-Pläne für einzelne Neubaugebiete auf Eis. Grund seien die Irritationen, für die das Thema „Funkversorgung in Neubaugebieten“ gesorgt habe, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. mehr...

4

Dax gibt Großteil seiner Gewinne im späten Handel ab

Frankfurt/Main (dpa) Der Dax hat am Dienstag im späten Handel einen Großteil seiner Gewinne abgegeben. Der L-Dax schloss bei 8458,51 Punkten. mehr...

Spielekonsole

5

Microsoft lüftet erste Geheimnisse seiner neuen Xbox

Wie wird die neue XBox von Microsoft aussehen? Was wird sie können?

Seattle/Berlin Viele Jahre hat sich bei den großen Spielekonsolen kaum noch etwas getan. Jetzt will auch Microsoft mit einer neuen Xbox an den Start gehen. Erste Details der neuen Generation sollen am Dienstag verraten werden. mehr...

Börse Frankfurt

Dax gibt Großteil seiner Gewinne im späten Handel ab

Der Dax hat am Dienstag im späten Handel einen Großteil seiner Gewinne abgegeben. Der L-Dax schloss bei 8458,51 Punkten. mehr...

DAX

DAX: Schlusskurse im Späthandel am 21.05.2013

An der Frankfurter Wertpapierbörse wurden im Späthandel am 21.05.2013 um 20:30 Uhr folgende Schlusskurse für die 30 Werte des Deutschen Aktienindex DAX festgestellt. (Stand und Veränderung zur Schlussnotierung am vorherigen Börsentag bei Aktien in Euro, bei Indizes in Punkten). mehr...

Dow Jones

New Yorker Schlusskurse am 17.05.2013

Die 30 Aktien des Dow Jones Industrial Index wiesen am 17.05.2013 um 22:25 Uhr MEZ folgende Schlusskurse auf. (Stand und Veränderung zur Schlussnotierung am vorherigen Börsentag bei Aktien in US-Dollar, bei Indizes in Punkten). mehr...

Devisen

Sorten- und Devisenkurse am 21.05.2013

Folgende Sorten- und Devisenkurse wurden am 21.05.2013 um 16:30 Uhr festgestellt. mehr...


Lade TED
 
Abstimmung wird geladen, bitte warten...
 


Weitere Themen
Im November 2009 beschloss der GM-Verwaltungsrat überraschend, Opel doch zu behalten.

Hintergründe und Rückblick

Opels langer Weg

Alle Entwicklungen beim Großkonzern und dem Werk in Bochum.  mehr...

Die Fracking-Methode macht vielen Bürgern Angst. Hier demonstrieren Bürger aus Lünne im Emsland.

Widerstand wächst

Gasbohrungen in NRW

Geplante Erdgas-Bohrungen der Energiekonzerne sorgen für Konflikte.  mehr...

Interview-Serie

Ein Gespräch in der Chefetage

Wir fühlen Top-Managern aus der deutschen Wirtschaft auf den Zahn.  mehr...

Top-Links
Kontakt | Impressum | AGB | Nutzungsbasierte Onlinewerbung | Datenschutz

Weitere Angebote aus dem Medienhaus Lensing:
RuhrNachrichten.de | MuensterscheZeitung.de | DorstenerZeitung.de | HalternerZeitung.de | GrevenerZeitung.de | MünsterlandZeitung.de
Heja-BVB.de | Nahraum.de | Immomia