Geldanlage 2013: Sicher durch das neue Jahr

München (dpa/tmn) Euro-Schuldenkrise, Inflation und schwache US-Konjunktur - 2013 wird für Sparer kein leichtes Jahr: Finanzprodukte gelten entweder als riskant oder die Rendite gleicht kaum die Inflation aus. Wer kein Geld verlieren will, braucht den richtigen Mix.

  • Der Ausgang der anstehenden Parlamentswahl in Italien kann Auswirkungen auf den Euro haben. Nur wer seine Anlagen breit streut, ist für alle Fälle gewappnet. Foto: Andrea Warnecke

    Der Ausgang der anstehenden Parlamentswahl in Italien kann Auswirkungen auf den Euro haben. Nur wer seine Anlagen breit streut, ist für alle Fälle gewappnet. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

Vorhersagen, was 2013 bringt, kann niemand: «Hält Italien seinen Sparkurs durch? Wird die USA einen harten Konsolidierungskurs fahren und die Konjunktur abbremsen?» Die Welt sei voller offener Fragen, sagt Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) in München. Wer in verschiedene Anlageformen investiere, könne das Risiko in jedem Fall spürbar verringern.

«Es ist wichtig, sein Geld breit zu streuen», sagt auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Bei einer Krise seien nie alle Bereiche gleich stark betroffen. Verliert ein Bereich, sei ein anderer besser dran. Doch welcher Mix ist der richtige? Was sollte 2013 im Depot auf keinen Fall fehlen? Welche Anlageklassen sollte man eher meiden?

Vor allem das Image von Staatsanleihen ist durch die Schuldenkrise gründlich ramponiert: Anleihen der Krisenländer gelten als Gift im Portfolio, und für deutsche oder dänische Anleihen gibt es kaum Zinsen. Eine teuer erkaufte Sicherheit. «Staatsanleihen, Rentenfonds und Bankeinlagen galten immer als sichere Geldanlagen», sagt Nauhauser. Allerdings würden sie mittlerweile kaum noch Rendite abwerfen. «Der sichere Baustein im Depot sollte daher eher ein gut verzinstes Festgeldkonto sein, zum Beispiel bei einer Direktbank.»

Streuen: Ja. Aber auch nach den wirtschaftlichen Umständen gewichten. Diese Meinung vertritt Prof. Max Otte, der an der Universität Worms Betriebswirtschaft lehrt. «Wir sind in einem Klima der geplanten Enteignung der Sparer durch Inflation», sagt Otte. Viele Geldanlagen brächten nicht einmal mehr den Inflationsausgleich. «Alles, was bislang als sicher galt, bringt derzeit nur Verluste.»

In Europa werde sich in naher Zukunft wenig tun, mutmaßt Otte. «Ich nehme an, dass das Euro-Drama noch zwei bis drei Jahre so weiter geht, ohne dass sich viel am Skript ändert.» Hinzu kämen die hohen japanischen und amerikanischen Schulden. «Egal, wie es kommt, mit Inflation ist auf jeden Fall zu rechnen.»

Aus Angst vor Verlusten kauften Anleger 2012 alles, was Sicherheit versprach. Davon profitierten nicht nur als sicher geltende Länder wie Deutschland, sondern auch deutsche Unternehmen: «Die Blase von Staatsanleihen ist auch auf gute Unternehmensanleihen übergesprungen», sagt Otte. Attraktive Zinsen seien bei soliden Firmen kaum noch zu haben.

Auch Gold und andere Rohstoffe, die als krisensicher gelten, sind nur bedingt zu empfehlen. Zwar steigt der Goldpreis seit Jahren, allerdings ist das Einstiegsniveau derzeit bereits sehr hoch. «Wir glauben, dass es hochriskant ist, jetzt noch in Gold zu investieren», sagt Vermögensberater Beck. Bei Edelmetallen gebe es erhebliche Risiken, warnt auch Nauhauser. «Fest steht: Das ist Spekulation.»

Bleiben Aktien und Immobilien. Vor allem Aktien sollten in jedem Sparplan eine Rolle spielen. Sie bieten 2013 noch am ehesten Anlass für Renditehoffnungen. «Man kommt um diese Anlageklasse nicht herum», sagt Beck. So billig wie Anfang 2012 seien gute Titel zwar nicht mehr zu haben. Dennoch lohne sich der Aktienkauf nach wie vor: «Wer einen Anlagehorizont von mehr als drei Jahren hat, kann jetzt guten Gewissens einsteigen.» Von einer Aktienblase könne keine Rede sein.

Neben Einlagen und Aktien sind Immobilien das dritte Standbein bei der Geldanlage. «Immobilien im Vermögensaufbau sind nie verkehrt», sagt Otte. Zwar sei der Markt für Mietwohnungen bereits überteuert, dennoch bleibe der Kauf für die Eigennutzung interessant. «Ich halte selbst genutzte Immobilien für eine gute Alternative.» Als reine Geldanlage sei Wohneigentum dagegen nur bedingt geeignet.

Immobilienfonds bieten die Möglichkeit, in mehrere Gebäude zu investieren. Allerdings haben viele Fonds aktuell Probleme, sich zu refinanzieren. IVA-Leiter Beck sieht darin eine Chance für Kleinanleger: «Im Grunde ist es sinnvoll, jetzt große, gut gemanagte Immobilienfonds zu kaufen.» Diese seien an der Börse mitunter mit 30 Prozent Abschlag zu haben. «Für langfristig denkende Privatanleger sind solche Liquiditätsabschläge bares Geld wert.»

Egal wie der Anlagemix aussieht, einmal im Jahr sollte das Depot auf den Prüfstand. «Anlageklassen entwickeln sich immer unterschiedlich», erläutert Nauhauser. Steigen etwa Aktienfonds stark an, erhöht sich auch deren Anteil im Depot. Anleger sollten dann bewusst umschichten.

In einem sind sich alle Experten einig: Ohne ein kalkuliertes Risiko ist ein Verlust von Kaufkraft unausweichlich. «Die Zeiten von risikolosen Zinsen sind vorbei», sagt Beck. «Geld vermehrt sich nicht mehr von alleine.» Sparer hätten derzeit nur die Wahl, zu investieren oder Geld zu verlieren. «Die Mehrheit der Deutschen entscheidet sich für den Kaufkraftverlust. Warum auch immer.»

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Autor
Peter Neitzsch, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    3. Januar 2013, 10:25 Uhr
    Aktualisiert:
    3. Januar 2013, 10:26 Uhr