Hintergründe und Rückblick
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Düsseldorf (dpa) Überzogener Konsum treibt immer mehr Menschen in die Schuldenfalle. Dabei geht es oft nicht um den Kauf einer Immobilie, sondern um den schnellen Wunsch nach Statussymbolen. Ratenkredite seien vor allem im Netz allzu einfach zu haben, warnen Experten.
Schuldnerkarrieren starten oft schon in jungen Jahren. Bundesweit stecken rund 6,6 Millionen Menschen im Schuldensumpf. Foto: Angelika Warmuth (Foto: dpa)
Autos, Smartphones und teure Klamotten - überzogene Konsumwünsche treiben bundesweit immer mehr Menschen in die Überschuldung. Die Zahlen in dem am Donnerstag (8. November) von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform vorgelegten Schuldneratlas sind erschreckend: Bundesweit hat die Zahl der überschuldeten Erwachsenen seit dem vergangenen Jahr um weitere 190 000 auf 6,6 Millionen zugenommen.
Betroffen ist in Deutschland fast jeder zehnte Erwachsene (9,65 Prozent) - mit steigender Tendenz. Für schätzungsweise 3,8 Millionen Menschen gibt es nach Einschätzung der Experten in absehbarer Zeit kaum noch eine Chance auf ein Entkommen aus der Schuldenfalle.
Vor allem in strukturschwachen Regionen und Ballungszentren sei die Lage oft dramatisch, so die Experten. In der bundesweiten Schuldnerhochburg Bremerhaven ist fast jeder Fünfte überschuldet (18,32 Prozent). Negative Hochburgen sind aber auch Wuppertal und viele Städte des Ruhrgebiets.
Der schnelle Klick im Internet werde dabei vielen Schuldnern zum Verhängnis. Ratenkredite seien dort oft ohne große Probleme zu haben - ohne dass man dem Verkäufer dabei in die Augen sehen muss. Über die Konsequenzen machten sich viele Kunden nur wenig Gedanken.
«Überschuldung beginnt mit einer Vielzahl von Mahnungen», berichtet Creditreform-Sprecher Michael Bretz. Sei die Schuldnerkarriere einmal in Fahrt gekommen, folgten eidesstattliche Versicherungen, Versteigerungen von Immobilien und schließlich die Privatinsolvenz.
Die Zunahme der Überschuldung sei derzeit quer durch die Gesellschaft zu beobachten, so die Auskunftei. Neben «spaßorientierten» jungen Menschen im Alter von unter 30 Jahren seien neben Geringverdienern zunehmend auch Rentner von Überschuldung betroffen. Als überschuldet gelte derjenige, der seine Zahlungsverpflichtungen auf absehbare Zeit nicht begleichen könne.
Auch in der eher traditionell orientierten Mittelschicht habe die Überschuldung «deutlich» zugenommen. Neben den in der Regel stärker betroffenen Männern gerieten zunehmend auch Frauen in den Schuldenstrudel. «Man versucht, durch Statuskonsum Anschluss zu halten», so Bretz. Überschuldete Verbraucher stehen dabei in Deutschland derzeit mit durchschnittlich rund 33 000 Euro in der Kreide.
Gefragt seien dabei vielfach hochwertige Technikprodukte. Der Kauf von Immobilien spiele in lediglich zwei Prozent der Überschuldungsfälle eine Rolle. Vor allem in Zeiten sinkender Absätze machten etwa viele Auto-Hersteller den Kunden die Finanzierung oft allzu einfach - bisweilen ganz ohne Anzahlung und ohne Raten in den ersten drei Monaten, so Bretz. Die Ausfallquoten von Krediten seien dabei das «bestgehütete Geheimnis» mancher Unternehmen. Dadurch könne die Existenz von Firmen in Gefahr geraten.
Vor dem Hintergrund sich verdüsternder Wirtschaftsaussichten rechnen die Experten mit einer deutlichen Verschärfung des Problems. Bereits mit dem Verlust des Arbeitsplatzes drohe oft eine langfristige Überschuldung. Auch bei einer weiter stabilen wirtschaftlichen Entwicklung werde die Schuldnerquote in Deutschland im kommenden Jahr auf fast zehn Prozent weiter ansteigen, warnte der Experte.
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