Investmentclubs - Anlegen in Gemeinschaft

Düsseldorf (dpa/tmn) Gemeinsam geht es besser: Investmentclubs erleichtern Privatanlegern den Einstieg in die Finanzwelt. Die Mitglieder kaufen gemeinsam Aktien ­ ähnlich wie bei Fonds. Nur dass hier sie selbst und nicht Profis das Geld managen.

  • Investmentclubs bieten Privatanlegern einen guten Einstieg in die Finanzwelt. Mitglieder kaufen nicht nur gemeinsam Aktien, sie tauschen auch Informationen aus. Foto: Mascha Brichta

    Investmentclubs bieten Privatanlegern einen guten Einstieg in die Finanzwelt. Mitglieder kaufen nicht nur gemeinsam Aktien, sie tauschen auch Informationen aus. Foto: Mascha Brichta Foto: dpa

Andere treffen sich zum Skat spielen oder «Tatort» schauen - ihre Leidenschaft gilt dem Auf- und Ab der Börse: Fast 200 000 Bundesbürger sind in Investmentclubs organisiert. «Auf den ersten Blick geht es bei Investmentclubs darum, in einer Gruppe Geld anzulegen und zu sparen», sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Noch wichtiger aber sei es, gemeinsam etwas über Finanzen zu lernen.

Die DSW brachte die Clubidee 1963 aus den USA nach Deutschland und ist heute der Dachverband von rund 6500 Investmentclubs. «Der typische Investmentclub hat etwa 30 Mitglieder, die sich im Freundes- oder Kollegenkreis kennengelernt haben und einmal im Monat treffen», sagt Tüngler. «Man kann schon mit geringen monatlichen Beträgen Mitglied in einem Club werden.» Anders als bei einem Einzelanleger kann das Geld des gemeinsamen Depots breiter gestreut, also über mehrere Anlagen verteilt werden. Auch die Bankgebühren sind niedriger als für Privatanleger.

«Bei Investmentclubs geht es um langfristige Geldanlage», sagt Tüngler. «Das ist nichts für Zocker, die auf kurzfristige Gewinne aus sind.» Wer keine Lust habe, sich zu engagieren, für den sei ein Investmentclub nichts. Ein Club solle eben gerade kein Fonds sein, in den man nur einzahlt. «Ein Investmentclub funktioniert in der Regel basisdemokratisch: jeder Kopf zählt und nicht die Höhe der Kapitaleinlage.» Der Vorteil: «Die Anlageentscheidung wird deutlich intensiver geprüft als daheim im stillen Kämmerlein.»

«Die Gründung eines Clubs funktioniert im Grunde wie die eines Vereins - nur einfacher», sagt Tüngler. Statt einer Satzung brauche es lediglich einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag. Ziele und Anlagestrategie des Clubs sollten im Gründungsprotokoll festgehalten werden. Das vermeide Streit und lasse sich im Zweifel später leichter wieder ändern als der Vertrag.

Alternativ zur Gründung könne man sich auch bestehenden Clubs anschließen. Gerade größere und professionell gemanagte Clubs sind an neuen Mitgliedern interessiert. Der Hanseatische Anleger-Club (HAC) ist einer davon. Der Club aus Hamburg hat über 4000 Mitglieder in der ganzen Republik. Das Vermitteln von Informationen steht hier im Vordergrund. Dafür werden Vorträge und Seminare in verschiedenen Städten organisiert. «In Deutschland fehlt es vielen an Know-how, was Finanzthemen betrifft», sagt HAC-Geschäftsführer Michael Arpe.

Interessierte könnten auch Mitglied werden, ohne Geld zu investieren, und nur die Info-Angebote nutzen, betont Arpe. Einzige Aufnahmebedingung: der Mitgliedsbeitrag von zehn Euro im Monat. Wer in die Depots des Clubs einzahlen will, zahlt dafür eine Extra-Gebühr. «Wir richten uns an Kleinanleger, die nicht nur auf die Bankberatung vertrauen wollen», sagt Arpe.

«Für Börseninteressierte können Investmentclubs sinnvoll sein, weil man sich dort über Finanzthemen austauscht», sagt Erk Schaarschmidt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Der Verbraucherschützer warnt aber auch: «Wer sein Geld vor allem vor Verlusten schützen will, für den sind Investmentclubs nichts.» Ob mit Club oder ohne - bei der Geldanlage gelte die Regel, das Vermögen über verschiedene Anlageformen zu verteilen: Festgeld, Rentenverträge, Immobilien und Wertpapiere.

Doch woran erkennt man einen seriösen Club? «Ein Kriterium sollte sein, ob sofort eine Gebühr fällig wird oder ob man erstmal reinschnuppern kann», sagt Schaarschmidt. Seriöse Clubs würden transparent arbeiten und einen Einblick in die Depotentwicklung geben. Auch solle man darauf achten, ob es Verträge gebe oder man in Vorkasse gehen müsse. «Dann sollte man unbedingt eine zweite Meinung einholen und die Verträge im Zweifel einem Anwalt zeigen.»

«Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas darf man den Fun-Faktor nicht vergessen», sagt Tüngler von der DSW. Es mache einfach großen Spaß, sich zu treffen, sich über Erfolge zu freuen und gemeinsam Verluste zu bedauern. «Das ist ein Hobby und eine Leidenschaft zugleich und das ist ja auch das Schöne daran.»

Autor
Peter Neitzsch, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    29. November 2012, 09:26 Uhr
    Aktualisiert:
    29. November 2012, 09:26 Uhr
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