Frank Rost in Diensten der HSV-Frauen

Hamburg (dpa) Frank Rost hat die Stiefel Anfang 2012 an den berühmten Nagel gehängt. Doch so ganz ohne Fußball kann der frühere Nationaltorwart nun aber auch nicht. Beim HSV, für den er viereinhalb Jahre gespielt hat, trainiert er derzeit die Regionalliga-Fußballerinnen.

  • Frank Rost fühlt sich als Trainer der Regionalliga-Fußballerinnen des HSV wohl. Foto: Daniel Bockwoldt

    Frank Rost fühlt sich als Trainer der Regionalliga-Fußballerinnen des HSV wohl. Foto: Daniel Bockwoldt Foto: dpa

Frank Rost schlendert über die leer gefegten Trainingsplätze des Hamburger SV in Norderstedt. Die Dunkelheit ist längst hereingebrochen, es ist kalt und es regnet gelegentlich. Doch den langjährigen Fußball-Bundesligakeeper des HSV stört das nicht im Geringsten. Er pumpt Bälle auf, schiebt alleine die Tore zurecht und errichtet einen Parcours mit Hütchen. In 30 Minuten beginnt das Training. Dann hechtet Rost nicht wie früher hinter dem runden Leder hinterher, sondern er hat das Kommando über die Frauenmannschaft des HSV, die er seit September gemeinsam mit Holger Prischmann trainiert.

«Der Unterschied gegenüber der Bundesliga ist schon krass. Hier fehlt es an den einfachsten Dingen», betont der 39-Jährige, der einst als Profi in den feinsten Hotels abstieg und von morgens bis abends von Betreuern umhegt wurde. Bei den HSV-Fußballerinnen wird sich dagegen in spärlichen Holzkabinen umgezogen. Für die rund hundert Zuschauer gibt es an Spieltagen nicht einmal Sitzplätze. «Wenn sich die Oma einer Spielerin mal eine Partie anschaut, müssen wir ihr extra einen Stuhl holen», berichtet Frank Rost schmunzelnd.

Im Februar des abgelaufenen Jahres hat er seine aktive Karriere bei den New York Red Bulls in den USA beendet. Ursprünglich wollte er ein Jahr Fußball-Pause einlegen. Die Anfrage, ob er die HSV-Frauen trainieren möchte, fand erst keine große Beachtung. «Aber dann habe ich mir ein Training angeschaut und festgestellt, dass die Mädels mit Ehrgeiz und Leidenschaft bei der Sache sind», erinnert er sich.

Die HSV-Fußballerinnen spielten in der vergangenen Saison noch in der Bundesliga. Aus finanziellen Gründen erfolgte aber der Rückzug in die Regionalliga. «Es ist einfach schade. Die Frauen können nichts dafür, dass irgendwelche Funktionäre mit dem Vereinsgeld nicht gut umgegangen sind und müssen das nun ausbaden», kritisiert Rost, der selbst viereinhalb Jahre beim HSV im Tor stand, kopfschüttelnd.

Zwar hat er den Frauen-Fußball immer akzeptiert, war aber nie ein großer Anhänger. Heute allerdings ist er von den «Mädels», wie er sie meist nennt, sehr beeindruckt: «Der Fußball hat für sie eine große Bedeutung. Teilweise sind sie sogar robuster als die Männer. Hier jammert niemand, wenn man mit der Bahn eineinhalb Stunden zum Training fahren muss», meint er. Geld bekommt Frank Rost für seine Trainertätigkeit nicht. Im Gegenteil: Der Torhüterin Saskia Schippmann zahlt er sogar Fahrgeld und Trainingsklamotten.

Die Arbeit auf dem Trainingsplatz macht ihm Spaß. Gut gelaunt gibt er Anweisungen, hat immer wieder einen lockeren Spruch auf den Lippen. Nur wenn die Frauen mehrmals den gleichen Fehler machen, findet er deutliche Worte. «Das Leistungsprinzip gilt auch hier im Breitensport. Wer nicht dreimal den Ball hochhalten kann, sollte sich einen anderen Sport suchen», stellt Rost klar. Torfrau Schippmann kennt den Charakter ihres Trainers: «Er kann sehr direkt und laut sein. Aber nach dem Training ist er ein richtiger Kumpeltyp.»

Die meisten Übungen macht Rost selbst vor. Dass die Ballbehandlung bei dem Ex-Profi gekonnter aussieht als bei den Frauen, dürfte niemanden wundern. Mit seiner Mannschaft, der in Schippmann nur noch eine Spielerin aus der Vorsaison angehört, ist er trotzdem zufrieden. «Vor der Saison sagte man, der Klassenverbleib wird schwierig. Nun stehen wir im gesicherten Mittelfeld», erklärt Coach Rost zufrieden.

Zumindest bis zum Sommer möchte er den Frauen treubleiben. Und die dürfen hoffen, dass ihnen ihr Aushängeschild noch länger erhalten bleibt. «Weiteres hängt davon ab, wie sich der Verein positioniert», betont der viermalige Nationalspieler und verdeutlicht: «Wenn langfristig nur Low-Budget-Breitenfußball erwünscht ist, wäre das nichts für mich.»

Autor
Oliver Jensen, dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. Januar 2013, 10:19 Uhr
    Aktualisiert:
    28. November 2013, 11:03 Uhr