Hitzfeld traut BVB und Bayern CL-Sieg zu

Berlin (dpa) Für Ottmar Hitzfeld steht Bayern München als deutscher Fußball-Meister 2013 nach der überragenden Vorrunde schon jetzt so gut wie fest.

  • Ottmar Hitzfeld ist vom deutschen Fußball beeindruckt. Foto: Georgius Kefalas

    Ottmar Hitzfeld ist vom deutschen Fußball beeindruckt. Foto: Georgius Kefalas Foto: dpa

Angesichts der Dortmunder Punktverluste vor wichtigen Champions-League-Spielen könne der Rekordmeister seine Aufgaben praktisch sorgenfrei angehen, sagte der einstige BVB- und Bayern-Trainer der Nachrichtenagentur dpa.

International traut der Schweizer Nationalcoach beiden Clubs viel zu. Auch von der deutschen Nationalmannschaft erwartet Hitzfeld viel. Bundestrainer Joachim Löw fehle eigentlich nur eines - ein Titel.

Herr Hitzfeld, was war für Sie das Fußball-Ereignis 2012?

Hitzfeld: «International gesehen sicherlich der EM-Sieg Spaniens. Sie waren der Favorit, hatten den Druck, aber verstanden es trotzdem, sich für dieses herausragende Ziel zu motivieren. Den dritten großen Titel in Folge zu gewinnen, war einzigartig. Nennen möchte ich aber auch Lionel Messis Torrekord - wobei der für mich keine Überraschung war, sondern nur eine Frage der Zeit. Messi ist neben Pelé einer der größten Fußballer, die dieser Planet je hervorgebracht hat - und er wird immer noch besser. Dass er bei all dem Trubel und der öffentlichen Aufmerksamkeit, die ihn begleitet, so bodenständig bleibt, ist mindestens ebenso hoch einzuschätzen wie seine sportliche Leistung.»

In der Bundesliga hat der FC Bayern eine rekordträchtige Hinrunde absolviert. Hätten Sie das so erwartet?

Hitzfeld: «Gewissermaßen schon. Es war klar, dass es nicht dem Selbstverständnis des Vereins und der Spieler entsprechen würde, sich ein drittes Mal von Dortmund abhängen zu lassen. Diesen Hunger leben sie auf dem Platz gnadenlos aus. Aber sie profitieren auch davon, dass Dortmund gewisse Schwächen zeigt.»

Inwiefern?

Hitzfeld: «Läge Dortmund nur vier, fünf Punkte zurück - ich denke, dass dann auch bei den Bayern eine gewisse Nervosität und Angst vor Punktverlusten spürbar wäre. Doch der BVB hat - Zufall oder nicht - gerade vor den prestigeträchtigen Spielen in der Champions League gegen Real Madrid und Manchester City unnötig einige Punkte liegen gelassen. So können die Bayern quasi sorgenfrei ihre Aufgaben angehen.»

Also geben Sie Dortmund angesichts von zwölf Punkten Rückstand schon keine Chancen mehr auf die Titelverteidigung?

Hitzfeld: «Schon in der vergangenen Saison war es ein Wunder, wie sie acht Punkte noch aufgeholt haben. Und Bayern kommt dieses Jahr viel entschlossener und in positiver Weise wütender daher. Zwar kann man ihnen noch nicht zum Titel gratulieren und darf auch Leverkusen nicht übersehen - aber ich glaube sogar, dass die Bayern insgesamt keine zehn Punkte mehr abgeben werden.»

Wie bewerten Sie die Chancen der deutschen Teilnehmer in der Champions League?

Hitzfeld: «Die Bundesliga ist so stark wie lange nicht im internationalen Vergleich. Natürlich hängt vieles von der Auslosung ab, wie lange man den ganz großen Kalibern aus dem Weg gehen kann, aber ich traue sowohl Dortmund als auch Bayern München den Sieg in der Champions League zu. Was der BVB in einer Gruppe mit Real und ManCity geleistet hat, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Es war wichtig zu zeigen, dass Borussia Dortmund eine deutsche Marke ist, die auch international mithalten kann. Der Verein hat wieder so viel Kraft wie 1997, und die aktuelle Mannschaft kann sogar noch stärker werden als die damalige. Und was die Breite des Kaders angeht, ist seit dem Sommer keine Mannschaft so stark besetzt wie Bayern München.

Ist Jürgen Klopp durch die internationalen Erfolge auf dem Weg zu einem ganz großen Trainer?

Hitzfeld: «Zweifellos ist er das. Er hat mit seiner jungen Mannschaft einen offensiven und aufregenden Stil geprägt, der ihn als Trainer in ganz Europa attraktiv macht.»

Ein Ausblick auf 2013: Qualifizieren sich Deutschland und die Schweiz beide für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien?

Hitzfeld: «Davon gehe ich aus. Unser Start mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen war sehr wertvoll für uns. Wir sind in der glücklichen Situation, dass uns keine der ganz großen Nationen zugelost wurde. Aber das macht diese Gruppe auf Augenhöhe andererseits umso unberechenbarer. Bei Deutschland zweifle ich keine Sekunde an der direkten Qualifikation. Die Mannschaft spielt einen hervorragenden Fußball, Joachim Löw ist ein hervorragender Trainer - ihm fehlt nur eines: Er muss recht bald die Sehnsucht nach einem Titel von 82 Millionen Menschen und Hobby-Bundestrainern stillen.»

ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    29. Dezember 2012, 12:32 Uhr
    Aktualisiert:
    25. November 2013, 15:51 Uhr
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