Interview Christian Fuchs: „Gegen Stuttgart hat Raul mich richtig erschreckt“
Gelsenkirchen Auf der linken Schalker Abwehrseite ist er gesetzt: Christian Fuchs hat keine große Eingewöhnungszeit gebraucht, seit er 2011 von Mainz 05 zu den Königsblauen wechselte. Im Interview mit dem Medienhaus Bauer spricht der Österreicher über die seine ersten sieben Monate auf Schalke, seinen Traum von der Champions League und über die Eigenarten von Trainer Huub Stevens.
Kopfballduell zwischen Christian Fuchs (l.) und Florian Dick. Foto: Bernd Thissen
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!(überlegt lange) Ich glaube, dass ist die Zahl meiner Einsatzminuten in der Bundesliga für Schalke.
?Respekt. Sie sind der einzige Schalker Spieler, der in dieser Saison noch keine Bundesligaminute versäumt hat. Haben Sie mit solch einer problemlosen Integration nach ihrem Wechsel von Mainz 05 zu Schalke gerechnet?
!Es war schon mein Bestreben, so schnell wie möglich auf Schalke Stammspieler zu werden. Und die Zahlen sprechen ja für sich. Das es so geklappt hat, ist für mich eine Supersache. Aber dabei soll es nicht bleiben, sondern noch viele Minuten dazu kommen.
?Wo liegen die größten Unterschiede zwischen Mainz 05 und Schalke 04?
!Die Größe des Vereins ist das Entscheidende. In Mainz wird genauso professionell gearbeitet wie hier. Aber auf Schalke sind schon bei jedem Training immer viele Zuschauer und in der Arena jede zwei Wochen vor 60 000 Zuschauern zu spielen, das ist für mich immer wieder ein Erlebnis. So gesehen sind die Unterschiede zwischen Mainz und Schalke schon gewaltig.
?Den Wechsel zu den Königsblauen haben Ihnen die Mainzer Fans sehr übel genommen. Beim Schalker Gastspiel wurden Sie von der ersten bis zur letzten Minute ausgepfiffen. Waren Sie darüber sehr enttäuscht?
!Das stimmt nicht ganz. In der Schlussminute habe ich ein Tor gemacht, da wurde es bei den Mainzer Fans ganz still. Aber Spaß beiseite, es gab Gründe für meinen Wechsel, die nicht in die Öffentlichkeit gehören und auch nie öffentlich werden. Deshalb fehlt den Fans natürlich das Wissen, um zu beurteilen, was hinter den Kulissen passiert ist. Dennoch war ich etwas enttäuscht, weil ich noch nie von 30 000 Zuschauern in einem Stadion ausgepfiffen wurde. Das war eine ungewohnte Erfahrung, mit der ich lernen musste umzugehen.
?Apropos Erfahrung: Beim FC Schalke 04 haben Sie bisher viele positive Erfahrungen gemacht. Was hat Sie am meisten beeindruckt?
!An oberster Stelle steht für mich der Supercup-Sieg gegen Borussia Dortmund. Gleich mein erstes offizielles Spiel für Schalke endete mit einem Erfolgserlebnis, das hat mir einen weiteren Schub gegeben. Mein erster Doppelpack gegen Maccabi Haifa ist ebenfalls eine schöne Erinnerung.
?Und was sagen Sie zum bisherigen Bundesliga-Verlauf?
!Wir können sehr zufrieden sein. 37 Punkte nach 18 Spielen können sich sehen lassen. Punktgleich mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund an der Spitze zu stehen, das ist ein sehr schönes Gefühl. Wir dürfen jetzt nur nicht den Fehler machen und uns zurücklehnen. Denn es gibt immer noch etwas zu verbessern.
?Was meinen Sie zum Beispiel?
!Ich denke zum Beispiel an die Partie in Wolfsburg. Da haben wir nach einer Führung zu sehr das Tempo aus dem Spiel genommen und sind dafür letztlich bestraft worden.
?Solche Spiele blieben allerdings im bisherigen Saisonverlauf die Ausnahme.
!Weil wir uns als Mannschaft weiterentwickelt und immer besser Fußball gespielt haben. Wer Werder Bremen 5:1 bezwingt, der hat seine Klasse nachgewiesen. Diese Partie war für mich bisher das Schmankerl, wie wir in Österreich sagen.
?Dennoch machen sich viele Schalke-Fans jetzt Sorgen, weil die Zahl der verletzten bzw. gesperrten Spieler immer größer wird. Soll der Verein noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden?
!Unser Kader ist gut genug besetzt, denn jeder kann in die Bresche springen. Nehmen Sie das letzte Spiel gegen Stuttgart. Höwedes verletzt sich leider, doch Metzelder kommt rein und macht ein Super-Spiel.
?Eine starke Schalker Waffe sind die Standards. Dazu zählen auch die Ecken und weiten Einwürfe von Ihnen. Machen Sie dafür Spezial-Training?
!Nein. Was die Ecken betrifft, bin ich ja nicht der einzige, der diese tritt. Julian Draxler hat beispielsweise gegen Stuttgart die Vorlage zum 2:0 gegeben. Und zu den Einwürfen: So effektiv waren die weiten Einwürfe leider auch noch nicht, denn wir haben daraus noch kein Tor erzielt. Deshalb haben wir da noch Potenzial nach oben.
?Beim Blick auf die Tabelle sieht es so aus, als würden die vier Clubs Bayern, Dortmund, Schalke und Mönchengladbach den Meister unter sich ausmachen. Oder droht noch Gefahr von anderen Teams?
!Die vier sind auf jeden Fall heiße Kandidaten, wobei wir bescheiden bleiben, aber die Champions League anstreben.
?Wären Sie enttäuscht, wenn Schalke sich nicht für die Champions League qualifizieren würde?
!Wenn man so eine Basis in der Hinrunde geschaffen hat, wäre ich persönlich schon enttäuscht, wenn wir am Ende nicht unter den besten drei oder vier Mannschaften landen würden. Ich denke, dass ist bei der aktuellen Tabellenkonstellation ein realistisches Ziel. Und außerdem: Ich habe noch nie Champions League gespielt (lächelnd).
?Sie haben schon einige Trainer in Ihrer Karriere erlebt. Was zeichnet Huub Stevens aus?
!Er geht sehr gut mit allen Spielern um. Auch wenn die Situation einmal angespannt ist, schafft er es immer wieder Lockerheit rein zu bringen. Er redet viel mit allen Spielern und befiehlt nicht von oben herab, was zu geschehen hat. Solch ein Verhalten zeichnet für mich einen guten Trainer aus.
?Holt Stevens auch die Meinungen der Spieler vor einer Begegnung ein?
!Das fordert er ständig. Er hat auch schon oft gesagt, dass ihm die Mannschaft zu ruhig ist. Er ist einer, der Wert auf die Meinung der Spieler legt. Der Trainer sagt zu uns immer: Ihr müsst auf dem Spielfeld Verantwortung übernehmen, also redet viel miteinander.
?Geredet wird momentan sehr viel über die Personalie Raul. Bleibt er oder geht er?
!Ich würde mich sehr freuen, wenn er bleiben würde. Er ist ein wichtiger Teil der Mannschaft.
?Aber er wird im Juni schon 35 Jahre alt...
!Na und? Gegen Stuttgart hat Raul mich richtig erschreckt, als er plötzlich hinten links auf meiner Abwehrseite auftauchte und dort aushalf. Da glaubt man nicht, dass er Mitte 30 ist.
?Am Samstag heißt der nächste Schalke-Gegner 1. FC Köln. Wird es für Euch so leicht wie beim 5:1-Hinspiel-Erfolg?
!Das glaube ich nicht. Die Kölner haben in dieser Saison zwei Gesichter. Auswärts läuft es bei Ihnen nicht so gut, aber im eigenen Stadion sind sie nicht zu unterschätzen. Uns erwartet ein heißer Tanz.









