Tabellenführung im Visier: Fans feiern, Magath warnt
GELSENKIRCHEN Obwohl die meisten von ihnen einen Sitzplatz hatten, erlebten viele Zuschauer die letzten Minuten des Spiels Schalke gegen Stuttgart stehend – fast wirkte das Anfeuern und Mitzittern wie eine Solidaritäts-Aktion mit Trainer Felix Magath, der unten an der Seitenlinie dem Wahnsinn nahe schien.
Felix Magath warnt trotz guter Ausgangsposition vor allzu großer Euphorie. (Foto: dpa)
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Während die Fans die mittlerweile wieder an Bayern München gegangene Tabellenführung feierten, hatte sich Felix Magath kurz danach schon wieder beruhigt – und sagte einen Satz, der in der allgemeinen Feier-Stimmung fast unterging: „Im Erfolg“, warnte Schalkes starker Mann, „werden die meisten Fehler gemacht!“
Magaths Studien
Magath weiß, wovon er spricht. Er hat bei seinen „Studien“ über Schalke festgestellt, dass dieser Club sich oft schwer getan hat, wenn es darum ging, gute Ausgangspositionen nachhaltig zu verteidigen.
Magath kennt die Fallen nur zu gut, die nun bis zum Saisonende auf den Tabellenzweiten warten. Und es ist die Hauptaufgabe des erfahrenen Trainers zu verhindern, dass seine jungen Spieler da hineintappen.
Fehler vermeiden
Folgende Fehler darf Schalke jetzt nämlich nicht machen:
- Auf die Meister-Flüsterer hören: Die Fans, so Magath, dürfen träumen, die Spieler nicht. Schalke muss spätestens jetzt damit leben, ein Meisterschafts-Kandidat zu sein. Aber die Mannschaft darf sich nicht, weder von Medien noch von Fans, in eine Schalen-Hysterie hineintreiben lassen. Die ist Schalke noch nie gut bekommen. Fakt ist: Noch immer wäre das aktuelle Team mit Platz fünf im Soll, Platz drei wäre ein Riesenerfolg, und alles, was darüber steht, eine Sensation. Diejenigen, die Schalke jetzt schon zum möglichen Meister machen, sind hinterher wahrscheinlich die, die im Falle des Nicht-Titels wieder genüsslich über Vize-Schalke spotten – und das hätte diese Mannschaft nun wirklich nicht verdient.
- Den Spiel-Stil ändern: Nicht schön, aber erfolgreich – so wird in Fußball-Deutschland über den Schalker Fußball geurteilt. Das mag vielleicht sogar stimmen (wobei der Begriff „Schönheit“ im Fußball ja ohnehin Auslegungssache ist), darf Schalke aber in keinster Weise beeinflussen. Es gibt keinen Grund, sich für eine starke Abwehr, einen hervorragenden Torwart, ein laufstarkes Mittelfeld und einen effektiven Angriff zu entschuldigen – genauso wenig wie für Tore nach Standardsituationen. Außerdem: Auch die Bayern, zuletzt gegen Freiburg, sind von dem, was als „schöner“ und „souveräner“ Fußball gepriesen wird, oft genug meilenweit entfernt. Schalke darf jetzt nicht den Fehler machen, den eigenen erfolgreichen Weg aufgrund der Unkenrufe von außen zu verlassen.
- Nachlässig werden: So banal und einfach es auch klingt – die Grundlage für den Schalker Erfolg in dieser Saison ist die harte Arbeit, die bei Felix Magath Programm ist. Ein Spiel wie gegen den VfB Stuttgart am Freitag erfolgreich zu überstehen, mit diesem riesigen Aufwand, ist nur mit einer Top-Kondition möglich. Die kann für Schalke im Saison-Finale noch einmal zu einem ganz großen Vorteil werden.
- Komplimente aus München allzu ernst nehmen: Dass Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende Schalke und besonders Magath lobten, ist auch Teil einer Strategie – die Bayern wissen, dass sich ihre Konkurrenten mitunter in diesen verdächtigen Komplimenten „sonnen“ und glauben, sie hätten bereits etwas erreicht. Und das ist meistens schon der erste große Fehler. Die Fans feiern, Magath warnt – eine gesunde Mischung. Schalke spielt jetzt in Hamburg, dann gegen die Bayern (Pokal), in Leverkusen und dann wieder gegen die Bayern. Es ist also davon auszugehen, dass sich die Schalker Fans demnächst noch häufiger vor Aufregung oder Freude von ihren Sitzen erheben werden
SPENDABEL: Schalkes Trainer Felix Magath zeigte sich nach dem 2:1-Kampf-Sieg gegen den VfB Stuttgart ungewohnt spendabel – bis Dienstag gab er der Mannschaft trainingsfrei. Ganz ohne Klub-Verpflichtungen verlief das Wochenende für die S 04-Profis aber nicht: Auf dem Programm standen die verspäteten „Neujahrs-Besuche“ von Trainern und Spielern bei den Schalker Fanklubs.









