Jürgen Mallow: «Das sind Steineschmeisser»
Berlin (dpa) Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) holte Jürgen Mallow nach der Pleite bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als Retter in der Not. Trotz eines sichtbaren Aufschwungs bei den Weltmeisterschaften 2005 und 2007 erlebte der DLV 2008 in Peking eine weiteres Olympia-Debakel.
Jürgen Mallow auf einer Pressekonferenz in Berlin.
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Daraufhin wurde Mallow vom DLV zum Sportdirektor ernannt. Die WM in Berlin war sein letztes Großereignis in leitender DLV-Funktion: Am 30. September geht er in den Ruhestand.
Vor der WM in Berlin haben viele der deutschen Leichtathletik nicht mehr viel zugetraut....
Jürgen Mallow: «Dies ist die deutsche Lust am Niedergang und Untergang. Es lohnt sich weiter, alle 47 Disziplinen zu fördern, auch wenn wir nicht in allen Medaillen gewinnen.»
Sollte dies in Zukunft auch für den Lauf-Bereich gelten, in denen die Deutschen in der Weltspitze nicht mithalten können?
Mallow: «Entweder wir müssen unsere Läufer schwarz färben oder unsere Einwanderungspolitik ändern. Es starten mittlerweile mehr kenianische Läufer für andere Länder als sie im eigenen WM-Team an den Start schicken. Wir freuen uns trotzdem, dass es bei uns Athleten gibt, die sich der Konkurrenz stellen.»
Der Stabhochspringer Tim Lobinger hat vor der WM für die Schlagzeile gesorgt: «Tot, toter, Leichtathletik.» In Berlin feierten die deutschen Athleten die beste WM-Bilanz seit 1999. Was entgegnen Sie ihm?
Mallow: «Solche Tote liebe ich.»
Sie kritisieren immer wieder, dass die Leichtathletik nicht die Beachtung erfährt, die sie verdient - auch durch die Medien!
Mallow: «Wenn wir keine Stars aufbauen, werde wir auch keine haben. Raul Spank ist in Peking Olympia-Fünfter geworden, was vergleichbar wäre mit einer Goldmedaille im Rodeln oder Bobfahren. Doch keiner hat ihn danach richtig beachtet.»
Ein Ärgernis ist für Sie auch die finanzielle Förderung der Leichtathletik durch Staat und Wirtschaft...
Mallow: «Alle lassen uns im Regen stehen. Der DLV hat sich durch die schlechten Leistungen in Athen 2004 und Peking 2008 bei der Förderung nach unten katapultiert. Wir sollen mit immer weniger Mittel immer mehr Erfolge gegen immer stärkere Konkurrenz erreichen. Das ist ein Paradoxon. Die deutsche Leichtathletik könnte besser sein.»
Sie klagen auch über die Bürokratisierung im Sport!
Mallow: «Am Freitag um 11.01 Uhr traf ein Fax vom Bundesinnenministerium ein. Darin wurden wir aufgefordert bis kommenden Dienstag die Ergebnisse und Fakten für vier Olympia- Stützpunkte für die Jahre 2005 bis 2009 zusammenstellen, damit da eine Prüfung stattfinden kann. Das sind Steineschmeisser. Man muss viel Liebe zur Leichtathletik haben, um zu verstehen, was diese Leute mit großer Distanz zum Sport von uns fordern. Ich bin froh, dass ich das bald hinter mir habe.»
Aufgezeichnet von Andreas Schirmer, dpa














