Martinusmarkt: Gute Unterhaltung bei Sonne, gute Geschäfte im Regen

GREVEN. Der verkaufsoffene Sonntag lockte wieder einmal viele, viele Menschen in die gute Stube der Stadt. Ob es nun an den vereinzelten sonnigen Phasen lag, den lautstark jubilierenden holländischen Gästen, den schweren Maschinen auf dem Wilhelmplatz oder doch am traditionellen Gänsegeschnatter – ganz egal. Der Martinusmarkt war einmal mehr ein Erfolg.

  • Wer geht hier wem an den Kragen? Gans Pauline musste einiges über sich ergehen lassen - ihr "Beschützer" allerdings auch.

    Wer geht hier wem an den Kragen? Gans Pauline musste einiges über sich ergehen lassen - ihr "Beschützer" allerdings auch. Foto: Geschonke

„Och Mama!“ – der junge Mann mit blauer Kapuze ist nun wirklich nicht zu beneiden. Der Wilhelmplatz bestens gefüllt, alle Augen und Ohren sind nach vorn gerichtet, und ausgerechnet die eigene Mutter ruft dann vor so versammeltem wie verstummtem Auditorium: „Komm jetzt da runter, wir wollen weiter!“ Hätte er nicht auf einem Heuhügel gestanden, wäre er wohl lieber gleich im Erdboden versunken.

Aber man kann es ihr ja nun auch wirklich nicht übel nehmen. Der Himmel kündigt schließlich schon am späten Vormittag an, was gleich folgen soll. Obgleich – Regen zum Martinusmarkt? Das wäre doch eher ungewöhnlich. Weil‘s aber noch so viel im Zentrum zu sehen gibt, soll das bestenfalls trockenen Fußes geschehen. Ergo gehorcht der Sohnemann. Widerwillig zwar, aber was muss, das muss ja bekanntlich.

Gansversteigerung

Denkt sich auch Pauline, die just in diesem Moment wild um sich keift. Zwei kräftige junge Männer der Landjugend haben sie im Griff – bändigen können beide die Gans aber kaum. Johann-Christoph Ottenjann, Moderator der traditionellen Gansversteigerung, hat da seinen Spaß am störrischen Tier. „Wer die hat, braucht keinen Schäferhund mehr!“, sagt‘s und lässt den Auktionshammer wieder fallen.



Zwei-Euro-weise treiben die zahlreichen Besucher den Preis für die Gans in die Höhe. Und immer schneller schlägt Ottenjann zu. Sowohl im halb verbalen Austausch mit der Gans, als auch mit dem Hammer. Vor allem Karl-Hermann Korfsmeier, stellvertretender Bürgermeister, erweist sich hier als echter Preistreiber. Ob er die Gans fürs nächste Städtepartnerschaftstreffen benötigt? Das bleibt ungewiss. Denn die Konkurrenz wird größer.

Überraschungserfolg

Auch Johannes König steigt mit ein, wie so viele andere ohne echten Erfolg. Nur ein Tütchen Hühnersupper und eine Flasche Rotweinschorle wechseln bis dato den Besitzer. Trostpreise, mehr nicht. Denn die Gans bleibt wehrhaft und Ottenjann ganz in seinem Element. Als all die ambitionierten Gänsejäger schließlich ihr Pulver und die Zwei-Euro-Stücke verschossen haben, klinkt sich Dunja Hinze-König überraschend ein. 182 Euro, Höchstgebot, Hammerschlag, Auktionssieg.

Den größten Erfolg aber landet sie direkt im Anschluss. Während die beiden Landjugendlichen an und mit Pauline verzweifeln, häufiger Gelächter über sich ergehen lassen müssen, greift Hinze-König behutsam zu, spricht kurz mit der Gans – und hat plötzlich ein stummes, friedfertiges Federvieh im Arm. „Ihr fehlte halt nur die weibliche Hand...“, sagt sie und begeistert Vieh wie Volk. Klar, dass bei diesem fast blinden Verständnis niemand in den Kochtopf muss. „Pauline kommt auf einen Hof im Sauerland.“ Als hätte sie es geahnt...

Dreschfest

Das Geld aus der amerikanischen Versteigerung geht indes nach Ghana, zur Partnergemeinde von St. Martinus (St. Anna). Gleicher spendet auch die Rollende Waldschule ihre Einnahmen aus dem Nistkastenbau. Es ist halt ein großes Miteinander beim Martinusmarkt – ganz viel Ehrenamt, noch mehr Herzblut. Und ja, zugegeben, ein bisschen Spaß an der Sache ist ja auch dabei. So wie bei Ewald Rohmann aus Westerode. Der hat einige Exemplare historischer Maschinen mit auf den Wilhelmplatz gebracht, unterstützt so das Dreschfest des Landwirtschaftlichen Ortsverbands.

Und wie es der Zahn der Zeit so will, bricht ausgerechnet bei der ersten Vorführung ein Stück Geschichte ab. Macht nix, Rohmann hat ja noch mehr dabei. Und so arbeiten sich die Besucher also hier und dort durch die guten alten Zeiten. Frisches gibt es aber auch: Schwein am Spieß, Honig im Schnapsglas, Kuchen und Würstchen auf die Hand. Weil Greven schmeckt. Und das fast im gesamten Zentrum. Karussells für die Kleinen, Handwerk für die Großen, Musik für alle.

Fundsachenversteigerung

Nur mit der Sonne hapert es. Am frühen Nachmittag fallen dann die ersten Tropfen. Während im Rathaus 90 Fahrräder, vergessene Handys und ein verlorener Plüsch-Sattel-Aufsatz versteigert werden, reiben sich Grevens Kaufleute da bereits die Hände. Zumindest jene, die nicht mit ihren Deckchen beim Trödeln auf der Alten Münsterstraße im Regen stehen. Auch für sie ist es ein guter Sonntag. Denn das schlechte Wetter treibt die Menschen in die Geschäfte, der Monatsanfang zum Shopping. Doch auch draußen weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

„Auch wenn es regnet – die Holländer sind da!“, gibt Marktplaner Henk ter Hennepe da zu Protokoll. Tatsächlich: Selbst um halb sechs, als das Spektakel eigentlich längst beendet ist, legt der Süßigkeitenmann noch weiteres Zuckerzeug in die Auslage. „Die Menschen wissen, dass wir bis 18 Uhr hier sind. Darauf verlassen sie sich.“ Auf die Grevener ist ebenso Verlass. 3750 verkaufte Rosinenbrötchen später kann Henk wieder einmal nur sagen: „Toll!“ Auch Bürgermeister Vennemeyer sollte da noch Recht behalten. Der hatte zur Eröffnung des Martinusmarktes ein „Greven – hier geht was!“ versprochen. Stimmt. Das wird sich jetzt wohl auch Pauline auf ihrem Hof im Sauerland denken.
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