Saskia Ahlers: Von Leer nach Usbekistan

HORSTMAR Von Usbekistan nach Leer - und wieder nach Usbekistan: Saskia Ahlers besucht über die Feiertage ihre Eltern Walter und Marlies an der Gartenstraße. Doch in wenigen Tagen geht es für die 25-Jährige zurück nach Zentralasien.

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  • Saskia Ahlers berichtet über usbekische Sitten und Gebräuche.

    Saskia Ahlers berichtet über usbekische Sitten und Gebräuche. Foto Franz Neugebauer

  • Die 25-jährige Lehramtsstudentin (r.) bei einem Workcamp in Sigulda in Lettland. Dabei wird rund 20 Stunden pro Woche auf Kriegsgräber- und Gedenkstätten gearbeitet.

    Die 25-jährige Lehramtsstudentin (r.) bei einem Workcamp in Sigulda in Lettland. Dabei wird rund 20 Stunden pro Woche auf Kriegsgräber- und Gedenkstätten gearbeitet. Foto privat

"Häufig werde ich jetzt von meinen Freunden und Bekannten gefragt, wo denn Usbekistan liegt. Das kann ich allen nun genau erklären und vom Land berichten," tut sie ihre Erfahrungen während der Weihnachtsfeiertage im Familien- und Bekanntenkreis kund. Außerdem ist Saskia Ahlers über die Jugendgruppe der Deutschen Kriegsgräberfürsorge beinahe in ganz Europa unterwegs.

Lehrerfahrung

Doch der Reihe nach. Saskia Ahlers ist Lehramtsstudentin in Münster. Sie wollte jedoch vor ihrem Examen ein wenig Lehrerfahrung bekommen. So wandte sie sich an den deutschen akademischen Austauschdienst. Dieser vermittelte eine Beschäftigungsmöglichkeit an einer Schule in Usbekistan. Dort unterrichtet Saskia insgesamt zehn Monate vier Gruppen in deutscher Sprache. "Die zwischen 19 und Mitte 20 Jahre alten Schüler sind alle sehr nett und freundlich zu mir," ist die angehende Pädagogin ganz begeistert.

Sie bewohnt zusammen mit drei Personen eine Wohnung in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, an der Grenze zu Kasachstan gelegen. Aus dem kleinen Ortsteil Leer kommend, musste sich die unternehmungslustige Dame erst an das pulsierende Leben der mehr als zwei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt anpassen. Es dauerte eine Weile, bis sie sich an die dortige Kost gewöhnt hatte. Häufig gebe es Reis mit Hammelfleisch. Alles sei sehr fett, das Baumwollöl bereite schon hin und wieder Magenverstimmungen. Saskia lebt von einhundert Euro und einem Stipendium.

Sorgen bereitet dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dass er wegen der dortigen politischen Verhältnisse in Usbekistan nicht anerkannt ist. Saskia hofft aber, ihr zehnmonatiges Praktikum absolvieren zu können und will auch ihren Eltern die dortigen Verhältnisse zeigen. "Die Reiselust habe ich wohl von meinen Eltern", mutmaßt Saskia. Ihre Mutter habe es schon in jungen Jahren an ein Kinderkrankenhaus in der Schweiz gezogen.

Kriegsgräberfürsorge

Die junge Dame engagiert sich aber darüber hinaus beim Jugendarbeitskreis der Deutschen Kriegsgräberfürsorge (JAK). Die Verbindung dorthin kam rein zufällig zustande. Eigentlich wollte Saskia mit in das Ferienlager des Sportvereines Westfalia Leer. Sie war jedoch als Teilnehmerin mit 16 Jahren zu alt. Es fielen ihr Informationen über die Deutsche Kriegsgräberfürsorge in die Hände. Darin gab es Angebote für sogenannte Workcamps für Jugendliche. Saskia Ahlers meldet sich an und arbeitete 20 Stunden pro Woche auf Kriegsgräber- oder Gedenkstätten. Sie fand so viel Gefallen an der Jugendarbeit des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, dass sie immer wieder zu diesen Workcamps fährt. Sie half mit bei der Pflege und Instandsetzung deutscher Kriegsgräberstätten des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie Kriegsgräberstätten anderer Nationen, jüdischer Friedhöfe und (KZ)-Gedenkstätten, um sie als Mahnmale für den Frieden zu erhalten.

Ausgleich

Von Fall zu Fall musste auch einmal kräftig zugepackt werden, zum Beispiel bei einigen Workcamps in osteuropäischen Ländern. Die Kriegsgräber in Westeuropa seien weitgehend in ordentlichem Zustand, in Osteuropa sei noch viel Arbeit zu verrichten, weiß Saskia Ahlers aus Erfahrung. Sie erinnert sich an riesige Kriegsgräberstätten in Ysselsteyn in Holland mit mehr als 32 000 Einzelgräbern. Einen Ausgleich zur körperlichen Arbeit schaffen ihr Begegnungen mit Menschen des Gastlandes, Ausflüge in die nähere Umgebung, Besichtigungen und mehr. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und das gemeinsame Gedenken haben Saskia Ahlers verdeutlicht, wie grundlegend und wertvoll die Achtung vor dem Einzelnen für ein friedvolles Miteinander ist. Immer wieder finden Seminare zu historischen Themen und politischen Bildung statt.

Viel Freizeit steht auch auf dem Programm der jeweiligen Treffen. "Spaß und Aktion zusammen mit anderen Jugendlichen erleben war auch mit ein Grund, dass ich immer wieder an den alle zwei Monate stattfindenden Begegnungen teilnehme," blickt Saskia Ahlers zurück. Das letzte Treffen war auf der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg bei Paderborn.

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Autor
Franz Neugebauer
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    26. Dezember 2012, 14:35 Uhr
    Aktualisiert:
    27. Dezember 2012, 16:26 Uhr