Serie "Schön hier!": Das Venn: Wie verzaubert

KREIS STEINFURT/EMSDETTEN Wie im Zoo - nur muss man ein wenig nach den Tieren suchen. Die zweite Station auf der Suche nach dem schönsten Ort im Kreis Steinfurt führt ins Emsdettener Venn, zu fleischfressenden Pflanzen, Bisamratten und unerwünschten Bäumen.

  • Das Emsdettener Venn ist ein Ort für Naturverliebte und solche. die es werden wollen.

    Das Emsdettener Venn ist ein Ort für Naturverliebte und solche. die es werden wollen. Foto: Klasing

Um halb zehn morgens ist es noch ruhig im Venn. Es hat geregnet und zwischen den knorrigen Bäumen hat sich ein feuchter Dunst gefangen. Ein satter Duft nach Torf und eine gedämpfte Stille verraten: Wir sind im Moor. Ludwig Klasing kennt das Hochmoor. Wenn er vom Venn spricht, dann steht zwischen den Zeilen, dass er hier ein zweites Zuhause hat. „Ich hab mich immer schon für das Moor interessiert“, sagt er, während er behutsam über den Lehrpfad geht. „Weil man hier so viel entdecken kann.“

Allerdings springen einen die Entdeckungen nicht an. Man muss schon genauer hinsehen, um zu sehen, was hier alles lebt. Mit Klasing hat man definitiv einen guten Begleiter zu diesem Zweck.

Ein Teppich aus Moos

Auf den weichen Pfaden geht der Spaziergang erst durch einen kleinen Wald, dessen Boden immer wieder von Wasserflächen durchzogen ist, die schwarz-blau in dem schrägen Licht schimmern. Hier ist der Boden voll von Torfmoos, dem vielleicht wichtigsten Gewächs in einem Moor. Denn das zarte hellgrüne Pflänzchen, das wie ein Teppich den Boden bedeckt, besitzt keine Wurzeln, es wächst nach oben, während es unten schon wieder verrottet.


„So entsteht ein Millimeter Torf pro Jahr“, erklärt Klasing. Doch das unscheinbare Gewächs übernimmt noch eine wichtige Aufgabe: Es speichert Wasser, bis zu dem Dreißigfachen seiner eigenen Masse. Die Feuchtigkeit ist in Mooren ungeheuer wichtig, ebenso der pH-Wert. Feuchtigkeit – möglichst viel, pH-Wert – möglichst wenig. „Da haben es die Moore in Niedersachsen oft ein bisschen besser, da regnet es mehr“, sagt Klasing. Aber, so ergänzt er, beides habe man ganz gut im Griff.

Vor langer Zeit war das Venn ein großes Moor, dann kam der Mensch und baute Torf ab. Heute braucht das Venn, der letzte gebliebene Rest, Hilfe vom Menschen. Birken und Faulbäume säen sich im Venn aus. Sie können dem Moor die wichtige Feuchtigkeit entziehen. Daher ziehen Mitarbeiter der biologischen Station und des Naturschutzbundes in regelmäßigen Abständen los und reißen die Triebe aus. „Die wollen wir hier nicht haben“, sagt Klasing.

Heide und Fleischfresser

Viele andere Arten machen die Naturschützer im Venn mächtig stolz. Die Rosmarinheide etwa, eine Heide, die extrem an den Lebensraum Hochmoor angepasst ist und – ähnlich wie die Moore – sehr selten geworden ist. Eine Rarität ist auch der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, die man hier zwischen dem Heidekraut sieht. Seltene Vögel, Spinnen, Echsen – das Venn ist „eigentlich wie ein Zoo“, sagt Klasing. Nur bekommt man die Artenvielfalt eben nicht wie auf dem Präsentierteller.

Wir sind auf dem Rückweg, gehen noch einmal an einem der Wassergräben vorbei. Eine Bisamratte versteckt sich unter einem Gebüsch, beobachtet uns. Und Klasing beobachtet die Bisamratte. „Naja, die wollen wir hier eigentlich auch nicht.“ Er lacht: „Aber, es ist ja schließlich Natur.“

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Autor
Benjamin Konietzny
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    12. September 2012, 17:29 Uhr
    Aktualisiert:
    14. September 2012, 17:52 Uhr